von | 16. Juni 2018

Gedanken zum Vortrag „Weinfranken“ von Lothar Mayer bei den 20. Unterkrumbacher Werkstatt-Tagen

Werkstatt-Tage | 0 Kommentare

Fast 50 Gäste waren von Lothar Mayers Multi-Media-Vortrag „Weinfranken“ schwer beeindruckt. Ein Gast sagte zu mir „Du hast ja schon gesagt, dass der Vortrag richtig gut sei, aber dass er soooo gut ist, hätte ich nicht gedacht, ich hätte noch Stunden zuhören können.“  Lothar Mayers Lebensgeschichte wird in diesem Blog  sehr anschaulich erzählt, einen Eindruck über seine herausragenden Bücher und Vorträge findet man auf seiner Homepage.

Zusätzlich zum Vortrag, führte der Hobby-Winzer in der Pause in die Kunst der Weinverkostung ein, die der Hutzelhof vom Bio-Weingut Roth mitbrachte.
Welchen Eindruck der Abend bei uns auf Anselm Stieber gemacht hat, schrieb er mir in einem Brief:

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10. Juni 2018

Lieber herwig,

einen Liebhaber guter Weine muss man zu einem Vortrag mit dem Titel „Weinfranken“ nicht gerade drängen. Er kommt gerne, verhalten neugierig auf das, was er noch Neues über Wein und Weinbau erfahren kann. Ein Glas mit einem guten Tropfen in der Hand leicht schwenkend sitzt er da und wartet auf den Beginn der Lehrstunde, nicht ahnend, dass die Belehrung eine ganz andere werden würde. Der Referent, Lothar Mayer, beginnt eher zurückhaltend mit einer geografischen Eingrenzung des fränkischen Weingebiets. Es gibt ein Weindreieck und ein Viereck. Die dort liegenden Orte sind einem geläufig, wenn auch eher durch Kartenlesen und nicht durch einen Besuch. Manches ist neu, was über die unterschiedlichen geologischen Bodenformationen erzählt wird.

Dann aber beginnt etwas Überraschendes. Bei aller sachlichen Information über den Anbau und die Pflege, die Ernte und das Keltern, über Krankheiten bis zur Reblaus, zeigt Lothar Mayer Bilder von den alten Weinorten, von Blumen und Faltern, die mit ihrem märchenhaften, poetischen Reiz überwältigen. Seine Kommentare tun das übrige. Von Erasmus von Rotterdam bis Goethe, alles Weinliebhaber, entwirft er den Zauber einer Kultur, deren Entwicklung und Reichtum staunen lässt. Die Bauformen und die ganz unterschiedlichen Fachwerkfronten der eng aneinander stehenden Häuser, was alles erzählen sie von dem Gestaltungswillen, der Lebenslust und der sozialen Fähigkeit, eng zusammen zu leben. Wo steht die schönere Kirche mit dem berühmteren Schmuck? Was für ein kultureller Reichtum! Jahrhunderte stetiger Entwicklung, ein Wissen über die Reben und ihren erfolgreichen Anbau.

Die eher stillen Kommentare zu den Bildern von Hirschkäfern und Schmetterlingen bringen eine Wende: man verstummt innerlich, denn viele von ihnen gibt es nicht mehr. Sie sind Opfer des rücksichtslosen Einsatzes von Herbiziden und Pestiziden. Auch der Einsatz von Maschinen, die mit den Reben nicht sehr zimperlich umgehen, kann man nur mit distanzierter Verwunderung betrachten. Selbst die zauberhaften Aufnahmen verschiedenster Blüten, die in Farbe und Form miteinander wetteifern, verhindern nicht das Auftauchen von Fragen. Bewahren wir diese Kostbarkeiten oder nutzen wir sie nur finanziell? Was wäre für uns Betrachter, für die Menschen überhaupt wertvoller, eine liebevoll gepflegte Tradition, oder eine innovative Robotik? Ist die Wahrnehmung einer vielschichtigen, komplexen kulturellen Situation als Wirklichkeit eine Fähigkeit, die in Kürze von dem Unwirklichen der digitalen Virtualität verdrängt wird?

Sehr nachdenklich und dankbar verlässt der Besucher diese Veranstaltung, dankbar auch den Möbelmachern, die mit ihrer Wertorientierung Vorträge wie diesen möglich machen.

Anselm Stieber

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Herzlichen Dank an Lothar Mayer (hier ist seine homepage), Anselm Stieber und Uli und Kerstin vom Hutzelhof und das Team der Möbelmacher für den wunderbaren Abend.

Und an die Hersbrucker Zeitung für diesen Artikel, der aus Anselms Gedanken entstand:

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Alles über die 20. Unterkrumbacher Werkstatt-Tage auf der Homepage

Der Artikel über die Vernissage bei den 20. Werkstatt-Tagen am Freitag

Der Artikel über den Kochworkshop am Samstag früh

Der Artikel über den Weinvortag am Samstag

Der Artikel über das Abschlusskonzert am Sonntag

Der Artikel über die beiden Tage der offenen Tür

Das ausführliche HZ- Interview über 20 Jahre Werkstatt-Tage 

 

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