Betriebsverführung: Die Grünen besuchen die regionale Waldschöpfungskette
Fangen wir ganz von vorne an:
Mein Schulfreund, Architekt und Kreisbrandinspektor, später Kreisbrandrat, Norbert Thiel, hat unsere Halle 1997 und das regionale Musterhaus 2001 gebaut. Das gefiel dem ebenfalls engagierten Feuerwehrler Peter Kölbl aus Feucht so gut, dass Norbert daraufhin Peters Haus mit der gleichen Philosophie von Ökologie und Regionalität, ansonsten aber ganz anders plante. Wir lieferten die Küche, den Essplatz und vieles mehr – und Uli Detsch vom Bayerischen Rundfunk widmete diesem Projekt sogar eine eigene Sendung in „Unser Land“:
Das war dereinst im Jahr 2004. Vor einigen Monaten trafen sich nun die Grünen aus der Gemeinde Feucht (wo ich bis zum Alter von 10 Jahren wohnte) , und überlegten, welche Betriebe sie besuchen könnten, um neue Erkenntnisse zu sammeln. Peter war völlig überrascht, dass sein Fraktionsvorsitzender Andreas Sperling (@andreas_sperling) die Möbelmacher noch nicht kannte, und setzte alles daran, diese Wissenslücke zu schließen.
Rund 25 E-Mails und einige Telefonate später hatten wir einen Termin für eine „Betriebsverführung“ in Unterkrumbach am Samstag, 17.1. nachmittags. Dazu reisten sogar die Landesvorsitzende von Bündnis 90/Die Grünen in Bayern Eva Lettenbauer (@evalettenbauer MdL), und die Bezirksrätin und Landratskandidatin Dr. Bianca Pircher (@bianca_pircher) extra an.
Die Betriebsverführung
Unsere Gäste kamen beinahe pünktlich, aber dann starteten wir direkt in die bekannte Runde der regionalen Waldschöpfungskette. Von den mächtigen Holzstapeln vor und in der Schreinerei – die übrigens zur schönsten Werkstatt Deutschlands gewählt wurde – ging es am Holzlager vorbei durch die gesamte Fertigung, sogar mit Inbetirebnahme der rückenschonenden Längsschnittsäge. Ziel einer solchen Betriebsverführung ist es immer, unsere Alleinstellungsmerkmale erlebbar zu machen, die wir vor kurzem auf einer neuen Seite zusammenfassten..
Die Wirtschaftsingenieurin Eva musste lachen, als wir von Bankern erzählten die unser üppiges Holzlager sofort als betriebswirtschaftlichen Selbstmord abschaffen wollten. Dabei ist es gerade dieses selbstorganisierte „Woodstock“ mit rund 400 Kubikmetern Edelholz als Vorrat für rund 5 Jahre ein wesentlicher Teil unserer Geschäftsidee der regionalen Waldschöfpungskette. „Lagerbestand so klein wie irgend möglich halten“bestätigte die 33-jährige als gängige Lehre im Studium.
Das Regionale Musterhaus: 25 Jahre und kein bisschen alt
Im regionalen Musterhaus verquasselten wir uns ein wenig, denn für Peter Kölbl und seine Frau Claudia hatte hier einst alles begonnen. Ihr eigenes Haus sieht zwar anders aus, basiert aber auf denselben Ideen: Ein komplettes Holzhaus aus regionalem Material, errichtet von Handwerkern aus der direkten Nachbarschaft. Besonders beeindruckt waren unsere Gäste davon, dass man unserer Küche im Musterhaus ihre 25 Jahre überhaupt nicht ansieht. Das funktioniert nur mit der Kombination aus massivem Holz, Keramik, Edelstahl und einem Team, welches auch das Nachölen von Holzoberflächen und alle anderen Tricks zum Jungbleiben von Möbeln beherrscht.
In diesem geschichtsträchtigen Zusammenhang kammen wir über den deutschen lokalen Nachhaltigkeitspreis, den wir 2010 erhielten auch auf das neue Projekt des Umweltbundesamtes, dass wir in dieser Tradion in diesem Jahr vom 25. bis 27. September mit einem SynergisTen-Festival im Rahmen der 26. Unterkrumbacher Werkstatt-Tage weiterentwickeln werden. Lustigerweise ist diese Veranstaltung mit rund 80 Personen der größtmöglichste Kontrast zu unserem Deutschen Nachhaltigkeitpreis, den wir 2025 mit dem Rahmen von 1500 Menschen überreicht bekamen, aber beides ist wertvoll. Nebenbei bemerkt: die höchste europäische Auszeichnung für Nachhaltigkeit, hat uns einen einzigen Kundenkontakt gebracht, der aber nicht gekauft hat.
Barrierefreiheit und Inklusion in der Ausstellung
In der Ausstellung im ersten Stock ist die höhenverstellbare Küche das auffälligste Highlight (nominiert für den Innovationspreis Bayern). Hier fährt nicht nur die Arbeitsplatte, sondern die komplette Spülenzeile und Kochinsel rauf und runter. Das ist praktisch für Paare mit großem Größenunterschied und Kinder, aber essenziell für Rollstuhlnutzer. Inspiriert hat mich dazu meine Zeit als Zivildienstleistender beim ASB in Lauf und die Arbeit für den VDK mit barrierefreien Hotelzimmern. Dank Höhenverstellung und Unterfahrbarkeit und insbesondere Dank unserer Einzelanfertigung können wir all diese Probleme individuell lösen.
Von Vegetariern und verantwortungsvoller Tierhaltung
Im Vorfeld fragen wir immer ab, wer vegetarisch isst. Die Antwort der Gruppe war eindeutig: „Wir sind alle mit vegetarischer Kost super happy – keine Umstände.“ Das freut uns, aber es bot auch die perfekte Vorlage, um unsere Beziehung zu den Direktvermarktern der Hersbrucker Alb zu erklären. Zusammen mit Rainer Wölfel vom Naturschutzzentrum Wengleinpark haben wir 1998 in unserer Halle den Tag der Regionen erfunden. Wir sind eng mit Demeter- und Bioland-Betrieben befreundet. Diese Betriebe brauchen Tiere für ihre ökologischen Kreisläufe – und damit diese Form der Landwirtschaft und die Zertifizierung funktioniert, muss das Fleisch dieser Tiere auch wertschätzend vermarktet und gegessen werden.
So erklärten wir auch die Entstehung unserer Rehbratwurst aus dem Reh unserer Wälder und Jäger und dem Fett des Schwabhofschen Weideschweines Wir haben die Herstellung derseleben und das Rezept dokumentiert – nicht als Konkurrenz zum Metzger, sondern um den enormen Aufwand zu zeigen. Allein die Materialkosten für eine solche Wurst liegen bei einigen Euros. Für die eingefleischten Vegetarier gab es natürlich ebensoköstliche Auberginen und Zucchini vom Tepan Yaki auf frisch gebackenem Fladenbrot.
Inspiration: Der höhenverstellbare Konferenztisch
Da Politiker viel Zeit in Meetings und Sitzungen verbringen, durfte unser höhenverstellbarer Konferenztisch, als Nachfolgeidee der höhenverstellbaren Kochinsel nicht fehlen. Mit vier Metern Länge und unsichtbar integriertem Kochfeld unter der Keramikplatte ist er das Highlight für moderne Teamarbeit oder neudeutsch: New Work in New Meetings für die Politik.
Natürlich freuen wir uns über viele Fans unserer Arbeit. Aber seit dem 24. Februar 2022 kämpft die gesamte Möbelbranche mit einer harten Flaute. Deshalb suchen wir Menschen, die das nicht nur toll finden, sondern auch etwas kaufen, damit wir unser Team auch bezahlen können. Unser Gast Erika Vogel ist in diesem Zusammenhang zu erwähnen, weil sie seit 1995 für ihre Läden und den Biosupermarkt immer wieder bei uns einkauft.
Ein anderes schönes Beispiel ist die SPD-Zetrale im Karl-Bröger-Haus, für welche wir komplett alle Büros samt Konferenzraum und Küche in massiver Esche einrichten durften.






Fazit
Es war ein inspirierender Tag mit angenehmen Gästen und intensiven Diskussionen. Beim gemeinsame Kochen kamen wir auch auf unsere Rücknahme von Möbeln, die wir auf unserer Seite „Übriges“ sehr günstig oder sogar kostenlos (für soziale Zwecke) anbieten. Dort finden sich vom Glastisch, über ganze Küchen und Hauseinrichtungen bis hin zum großen historischen Schreibtisch in Wurzelmaser mit passendem Schrank ganz viele Schätze. Wir bedanken uns für den Besuch, der natürlich allen demokratischen und NUR demokratischen Parteien offensteht und auch von der CSU schon genutzt wurde. Wir hoffen, dass das Handwerk und die Einzelanfertigung von Massivholzmöbeln und -küchen jetzt zu neuen Ideen beim dienstlichen oder privaten Möbelkauf inspiriert.

v.l.n.r.: Hannes Gürne, Andreas Sperling, Eva Lettenbauer, herwig Danzer, Bianca Pircher, Doris Erdinger
Und falls Sie die Geschichte der Möbelmacher im Auto nachhören wollen: Hier sind zwei Podcasts – einer mit Fokus auf die Nachhaltigkeit, der andere führt zurück in meine Kindheit.
Zwei Podcasts zur Möbelmachergeschichte
„Habe die Ehre“ im BR am 23. Oktober 2020 Das einstündige Interview über die Möbelmacher und die Themen zwischen 1962 und 2040:
Eva Lettenbauer (@evalettenbauer) Landesvorsitzende Grüne Bayern
Dr. Bianca Pircher (@bianca_pircher) Landratskandidatin
Doris Erdinger (@doriserdinger) Kreisrätin
Peter Kölbl (peter@peter-koelbl.de) Kandidat Marktgemeinderat Feucht
Andreas Sperling (@andreas_sperling) Kandidat Bürgermeister und Marktgemeinderat Feucht
Erika Vogel, (@erika_vogel_lauf) Bürgermeisterkanididatin für Lauf und Kandidatin für den Kreistag
Hannes Gürne Gemeinderat Schnaittach
Volker Bösche (@volkerboeschen)
##################################################################
Alle Betriebsverführungen bei den Möbelmachern im Nachhaltigkeitsblog















0 Kommentare