Am Dienstag 4. September ist im Kulturbahnhof Hersbruck das Filmgespräch mit unserem Freund Wolf Gaudlitz um 19:30
und tags darauf läuft der Film „Blaue Wüste“ um 20:30 als Open Air an gleicher Stelle.
Hier ist gesammelt, was wir an Infos über den besonderen Film von Wolf bekommen haben:
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Inhaltsangabe BLAUE WÜSTE (BRD 1992, 99 Minuten)
Mehr denn je zeigt die weltweite Trinkwasserknappheit heute (2024/25) ein kaum lösbares Problem auf. Bereits 1991 erkannte der Drehbuchautor und Regisseur Wolf Gaudlitz diese sich anbahnende Katastrophe und versuchte sich ihrer mit streckenweise aberwitzig wirkenden Bildern vehement entgegenzustellen.
BLAUE WÜSTE ist ein Roadmovie der eigenwilligen Art aus vergangener Zeit. Es erzählt von einem der auszieht, um Wasser in die Wüste zu tragen. Es entwickelt sich eine Reise in die uneingeschränkten Freiheiten der Phantasie, der sich nach und nach mehr und mehr fantastische Personen anschließen. Darunter ein indischer Maler und Musiker, ein Filmemacher und Abenteurer mit seiner Crew, ein italienischer Zöllner, dem es als Sizilianer auf zweieinhalbtausend Meter Höhe im Gletschereis schlichtweg zu kalt ist und er kurzerhand den Dienst quittiert und mitreist; ferner ein Gleitschirmflieger und eine englische Journalistin, die eigentlich Schauspielerin ist und mit dem Fallschirm irrtümlich an falschen Koordinaten samt dem fiktiven Koffer von Leni Riefenstahl – die nach Nubien reisend, mit an Bord war – abgeworfen wird. Angeblich hatte sie ein Treffen mit dem libyschen Revolutionsführer Gaddafi.
Das Ziel aller hier auf utopischer Reise Vereinten ist die Wüste, wo sie am wüstesten ist – in der Ténéré, in der Republik Niger.
Die großen und kleinen Abenteuer während dieser Expedition sind real und zugleich absurd, wirken magisch und wie der „Wirklichkeit“ entrückt. Die filmische Fata Morgana endet beritten mit einer Kamel Karawane bei den Tuareg und Tubus in den Bergen des Djado, wo Wassermassen die Wüste überschwemmen werden – und auch wieder nicht. Utopie und Illusion vereinen sich.
Der Film des fantasiebegabten und aus dem Vollen schöpfenden Münchener Filmemachers Wolf Gaudlitz ist ein beispielloses Gesamtkunstwerk auf der Suche nach den Möglichkeiten grenzenloser Kommunikation. Und dort, wo die Vernunft zu obsiegen trachtet, geschieht die Spaltung in der Gruppe und teilweise Rückkehr Einzelner, während sich die Spuren des Expeditionsteams am Zielort im Sand verlaufen. Was bleibt, klingt wie ein Gedicht, das in eben diesen geschrieben, vom Wind verweht wird.
Als Wolf Gaudlitz den Film 1991 unter dem Einfluss des Mauerfalles und eines möglichen Weltfriedens konzipierte – während andererseits erschreckend lautstark und aggressiv Neonazis der neuen Bundesrepublik einen Stempel aufdrückten („Deutschland den Deutschen, Ausländer raus!“ und Hans-Dietrich Genscher konstatierte: „Die Welt fragt sich heute, was wollen die Deutschen“) – fand sich dieses bunt zusammengewürfelte Filmteam zusammen. Mehrere Mitwirkende gelangten mit den Jahren in der Film-, Musik- und Literaturwelt zu internationalem Ruhm. Auch dies macht diese dreieinhalb Jahrzehnte unter Verschluss gehaltene Werk zu einem cineastisch kunstvollen Dokument einer damals noch halbwegs friedvoll anmutenden und in Kontemplation verharrenden Wüstenwelt der Sahara.
Ergänzende Informationen
Verehrte Damen, geehrte Herren,
liebes Kino-Publikum,
gerne möchte ich Ihnen zum jetzigen Zeitpunkt erläutern, warum ich glaube, dass
dieser so sehr seltsame und durchweg professionell gemachte Film mit seinem
merkwürdigen Titel BLAUE WÜSTE (Blue Desert / Désert Bleu) gerade jetzt und in
nahegelegener Zukunft 35 Jahre nach seiner Entstehung zu einem erfolgreichen
Kinofilm avancieren wird.
Und ich will mich bemühen, dieses ganz ohne Verwendung der KI ins wirkliche Leben
gerufenen Gedankenspiel, mit Überzeugungskraft logisch vorzubringen.
1.) Ich, Wolf Gaudlitz habe mit den Jahren künstlerisch schon ein bisschen was
Außergewöhnliches geschaffen und hänge mit Ablichtungen, Fotos nicht nur an,
in Museumswänden, sondern bin z.B. mit TAXI LISBOA auch Teil der MoMAKollektion/
Cinemathek (die haben den Film als „Kunstwerk“ 1997 angekauft)
2.) Ich lebe, ich wirke noch und stelle mich allen Fragen und Zweifeln.
3.) Der 1991 in mehreren Ländern und mit vielerlei Völkern gedrehte Film ist nicht
nur ein Gesamtkunstwerk, er ist auch ein Dokument aus vergangener Zeit,
quasi ein Traumgebilde, wie es heute kaum noch zu verwirklichen wäre.
4.) Mehrere der Mitwirkenden gelangten im Verlauf der letzten Jahrzehnte zu
internationalem Ruhm, sie jetzt in den Zeiten ihrer Jugend wiedererleben zu
können, macht das Medium Film spannend. Ich erinnere an
a) Desiree von Trotha, die Fotografin, Schriftstellerin, Filmemacherin, tragisch
tödlich verunglückt 2021; sie fing als Regieassistentin direkt nach der HFF
bei mir an. Die Begegnung mit der Wüste und speziell Agadez führte letzten
Endes dazu, dass sie dort hängen blieb und eben darin ihr Glück fand.
b) Sergio Lo Verde, Schauspieler. In diesem Film hat er nach „NARDINO“ in
BLAUE WÜSTE seine Paraderolle als italienischer Zollbeamter gefunden,
indem er kurzerhand den Dienst quittiert und mitreist bzw. genauer:
schlichtweg desertiert. Ich drehte dann noch weitere vier Filme mit ihm.
c) Nicola Beddoe, Großbritannien, avancierte zu einer international
preisgekrönten Schauspielerin.
d) Pascal Hoffmann, Kameramann, hat damals damit angefangen und bis
heute nicht aufgehört weitere gute Filme zu drehen.
e) Jolly Kunjappu, Maler, Musiker, Autor, ein indischer Traumtänzer bis heute
und erfolglos auch nicht.
f) Walter Heimbach, Pionier des motorisierten Gleitschirmfluges, stürzte 1992,
drei Monate nach der Filmpremiere, tödlich ab. Im Film machte er alle
faszinierenden Flugaufnahmen. (An Drohnenflug war noch nicht zu denken)
g) Wolf Gaudlitz, dem geben wir bitte noch eine Chance.
5.) Das Reisen in die Wüste Sahara und das Sahelgebiet ist seit vielen Jahren jetzt
schon nicht nur risikobehaftet, sondern auch gefährlich. Orte wie Agadez –
damals noch idyllisch – sind zu Flüchtlingsagglomeraten geworden. In BLAUE
WÜSTE erleben wir „es war einmal“.
6.) Der Film beginnt mit den 1990/91 furchterregenden „Schlachtrufen“ der
Neonazis. Diesen gegenübergestellt wichtige Bekundungen von Willy Brandt
und Hans-Dietrich Genscher, denen daran gelegen war Grenzen zu öffnen,
Vorurteile niederzureißen. Das war, das ist der Impetus des Filmes. Deshalb
ging es mit uns weit hinaus in die Welt, auf die Straße gen Süden. Heute finden
wir uns in ähnlicher Verfassung wieder. Wir Deutsche laufen Gefahr uns wieder
einzukasteln, abzuschirmen vor all dem grenzenlosen „Fremden“. Hilfe!
7.) Damals war (noch) nicht die Zeit, mit so einem Film und diesen Argumenten
Filmkunst zu propagieren. 1992 lag man in vielem genau zwischen den Zeiten.
Nun aber scheint mir – natürlich rein subjektiv betrachtet – die Zeit, die
Bereitschaft zur Auseinandersetzung mit diesem Werk gekommen. Und zudem
ist das Produkt unterhaltsam und sogar vergnüglich. Es zeigt schier
unerschöpfliche Freiheiten auf, im Denken wie im Handeln.
Wolf Gaudlitz, München 14. August 2024
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Was BLAUE WÜSTE darstellt, aufzuzeigen versteht
BLAUE WÜSTE
Wenn sich da einer in die Wüste Ténéré wagt,
um angeblich Wasser dorthin zu tragen,
aber erst nach 35 Jahren wiederkehrt,
so bewegte sich dieser entweder ein halbes Leben lang lebensfern,
oder aber er war nur in nichts ungeduldig und in allem gelassen.
BLAUE WÜSTE
Wolf Gaudlitz zeigt auf, wie es ist,
wenn man als verschollen gilt und plötzlich,
ein halbes Leben lang später, wie aus dem Himmel fällt, und
auf der Erde, dem Boden der Tatsachen,
wieder auftaucht.
BLAUE WÜSTE
Als die Mauer fiel und
sich die Ideologien entzweiten,
wurden zeitgleich neue Grenzen gesetzt,
deren Todesstreifen wir erst jetzt erkennen.
Dieses fantastische Frühwerk von Wolf Gaudlitz
war 35 Jahre lang verschollen. Jetzt ist es wie aus dem
Nichts wieder aufgetaucht. Und es ist mehr als nur ein Zeitdokument;
es ist ein ahnungsvolles, bildreiches Gesamtkunstwerk aus den Fängen der Sahara.
BLAUE WÜSTE
Lässt sich Wasser in die Ténéré, in die trockenste Wüste der Welt,
tragen, um den Beweis des Absurden und der Utopie filmisch
einem Publikum vor Augen zu führen?
Wolf Gaudlitz hat es vor Zeiten versucht und kam erst jetzt,
35 Jahre später, kerngesund wieder heim – ins Kino.
BLAUE WÜSTE
Wolf Gaudlitz‘ erstes Meisterwerk
- lange vor TAXI LISBOA, PALERMO FLÜSTERT und SAHARA SALAAM –
ein halbes Leben lang versteckt und abgehangen
wie eine mumifizierte Leiche aus den Katakomben von Palermo
jetzt restauriert, digitalisiert und endlich im Kino.
BLAUE WÜSTE (1991)
ist ein enormes Film-Kunst-Werk
von grenzenloser Dimension
des Kult-Regisseurs Wolf Gaudlitz
(TAXI LISBOA)
Ursprung: solofilm Wolf Gaudlitz
Juli 2025 und es darf, sollte beliebig weiterassoziiert werden!
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Ergänzung zur Personendeutung des Antragstellers
Yes, it‘s all star dust,
sagt, schreibt einer der gerade jetzt (12. August) des nächtens gen Himmel schaut und
die Illusionen leuchten sieht. Schön.
Und weil, wie an den Sternen zu sehen, nichts ewig ist, ist auch vieles gar nicht einmal
so sehr lang.
Oder?
Oder wie kann man 35 Jahre warten wollen, um (endlich) dann aber einen vermeintlich
„alten“ Film – so neu wie eine Sternschnuppe – in die Kinos bringen zu wollen?
„Erkiesen“ nannte es Richard Wagner gerne und das klingt so antiquiert, dass diese
Wortwahl in seiner Künstlichkeit als Konstrukt überzeugt.
Aber im Konkreten, so wir die Wirklichkeit nach Karl Valentin zu deuten verstehen, ist
„In Wirklichkeit nichts wirklich wirklich!“
Also –
Ich bin inzwischen etwas über 200 Jahre alt! Nein? Oh doch! Ganz einfach, habe ich
in meinem kurzen Leben bislang schon
– 66 Jahre in München,
– 45 Jahre in Palermo,
– 16 in Bamberg,
– 8 Jahre in Lissabon,
– 15 in der Sahara,
– 7 in Hotels,
– 2 auf den Weltmeeren,
– 5 im Schlafsack oder Zelt
– 29 mindestens immer unterwegs und
– 11 und mehr als Traumtänzer zwischen den Wolken gelebt.
Und all überall habe ich dann auch noch niemals etwas hinter mir gelassen; habe
alle Erfahrungen mitgenommen und mit den mir verbundenen Orten wie Personen
im Herzen und Bewusstsein weitergelebt. All das, ohne auch gleich zu einer
multiplen Persönlichkeit zu „mutieren“. Im Moment lebe ich „nur“ in Palermo,
München und auf der Straße, also unterwegs.
Was also sind da 35 Jahre, wenn hinter einem all das und eine Handvoll (gescheiterter,
besser: missglückter!) Eheschließungen liegen?! Das unstrittige beneidenswerte
Resultat blieben wie die Filme, die in die Welt gesetzten, jeweiligen Kinder.
In einer Zeitschrift war anlässlich einer Sonderveranstaltung in der es um Film und die
Illusionen gehen sollte, einleitend Folgendes zu meiner Person zu lesen. Und diese
Betrachtungsweise möchte ich als Überlegung hier gerne stehen lassen, um Ihnen zu
veranschaulichen, warum all meine Filme relativ regional abzustecken sind, während
ich bei der Wahl meiner „Damen“ stets die Treue hielt, ich zitiere:
„Wolf Gaudlitz sagt man nach, er habe in seinem Leben eigentlich nur drei Mal richtig
geheiratet und sich bis heute von keiner dieser Frauen getrennt. Sie heißen:
– Die Stadt Palermo,
– Die Wüste Sahara,
– Die Illusion, die er selbstsicher wie ein Traumtänzer über die Leinwand
widerzuspiegeln versucht.
Das macht er mit eigenen Filmen und mittels seines zur fahrenden Legende
gewordenen Wüstenkinos (Sahara Salaam).“
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