von | 23. März 2020

Neues Wohnzimmer in der Ausstellung mit TV, Hifi und Plattenspieler und Nina Brunner als Wiederholungsmodel nach 19 Jahren

Allgemein, Jori Polstermöbel | 3 Kommentare

Das neue Wohnzimmer in Elsbeere in unserer Ausstellung

Was man beim Gestalten von Möbeln alles beachten muss und warum ein Text darüber sehr lang werden kann …

 

Das letzte Wohnzimmer aus Elsbeere in unserer Ausstellung hat im Dezember 2019 seine vielleicht letzte Reise nach Südtirol angetreten, wo sich ein aus der Oberpfalz ausgewanderter Tierarzt laut eigenen Aussagen täglich daran erfreut (und an seinem Jori Relaxsessel Yoga). Als es neu war, fotografierten wir mit Marlene und Jule, das letzte Foto wurde uns aus Brixen zugesandt.

Das war das Skribble vom ersten Gedanken

Also brauchten wir etwas neues, das idealerweise unsere Kunden zum Austausch der alten dunkle Eichenschrankwand motiviert. Manchmal nutzen wir dabei die Gunst der Stunde und  bieten Kunden an, Ihr Wohnzimmer ein Jahr bei uns in der Ausstellung zu zeigen und es danach zum Ausstellungspreis geliefert zu bekommen, aber das hat diesmal trotz einiger Anläufe nicht geklappt, weil unsere aktuellen Kunden verständlicherweise ihr neues Wohnzimmer bei sich zuhause haben wollten.

Analog zu digital …

Macht ja nix, dann entwerfen wir halt selber eins: Normalerweise schlagen wir unseren Kunden verschiedene Alternativen und Stilrichtungen vor und versuchen dann Ihre und Seine Wünsche unter einen Hut zu bekommen. Aber wenn kein Kunde da ist, muss man im Team selbst Entscheidungen finden und da fällt mal wieder auf, dass die Einzelanfertigung ganz sicher die allerbeste aller Möblichkeiten zur Möbelgestaltung ist, aber gleichzeitig auch ein klein wenig aufwändiger ist, als ein Kreuzchen auf einem Onlineformular – über das man sich danach wieder ärgern kann.

Wohnzimmerdesign aus Holzart, Form, Funktion, Optik und Technik

 

Die Elsbeere vor unserm Gebäude ist noch ein wenig dünn, wächst aber zügig

Die Holzart stand schon fest, weil wir aktuell kein anderes Möbel aus Elsbeere in der Ausstellung haben und das ist nun mal das edelste Holz, das Franken zu bieten hat. Wir wollen dasselbe natürlich im Original zeigen, denn wir haben davon ganz viel im Holzlager und es ist nicht nur sehr auffällig gemasert, sondern auch sehr hart und damit sogar für Küchen und Tische geeignet.

Wichtig ist bei dieser Holzart nur, dass der Kunde weiß, dass sie ganz anders geliefert wird, als sie nach einem Jahr aussieht. Deswegen zeigen wir die unterschiedlichen Nachdunkelungsstufen gerne auf vielen Fotos, denn Ehrlichkeit schützt vor Enttäuschungen auf Kundenseite, weil das Holz sich aufgrund der UV-Strahlung sehr stark verändert (siehe Fotos weiter oben).

Technisch aufwändige Details, wie die gefälzten Türen und eingefräste Griffe

Die Form des Möbels sollte die gängigen Funktionen eines Wohnzimmers im Post-Eichenschrankwand-Modus erfüllen, also Platz für großen Fernseher, die Hifi-Anlage, ein wenig Schnickschnack in der Vitrine und versteckten Stauraum weiter unten bieten. Technisch nicht ganz unaufwändig ist es zum Beispiel, die Stärke der oberen Ganzglastüren, mit denen der Massivholztür in einklang zu bringen, weil es keine 5 Millimeter dünnen Massivholzfronten geben kann. Also wurden diese gefälzt (auf ca 1 cm Breite von der Außenseite der 20 Millimeter dicken Tür auf 5 Millimeter reduziert) und mit Spezialbändern (Scharnieren) so montiert, dass man von Außen keinen Unterschied zu den Ganzglastüren erkennen kann.

Die Ellipse ist das durchgängige Gestaltungsmerkmal dieses Möbels in der Abdeckplatte, den Vitrinenausschnitten und Griffen

Als Gestaltungsgimmik wählten wir zusammen mit unserer Meisterin Sohia Wagner die Ellipse, die die Vitrine von beiden Seiten mit einem Ausschnitt öffnet – die Glasleisten, mit denen die Scheibe befestigt wird, müssen sie sich unbedingt einmal anschauen. Eine halbe Ellipse ziert das Lowboard an der geschwungenen abgeschrägten Vorderkante und auch die Griffgestaltung folgt der Idee: in den Massivholztüren und Schubladen gab es elliptische Einfräsungen, auf die Glastür wurden Holzellipsen aufgeklebt und eine Pushmechanik zur Türöffnung eingebaut. Was in der Küche sicher nerven würden, fanden wir im Wohnzimmer erträglich, auch wenn ich mich an die Push-Technik, diese Entgleisung aus dem funktionalen Ansatz unserer Bauhaus-Philosophie, erst gewöhnen muss.

Die Funktion der Möbelkombination soll in unserer Ausstellung Perfektion ausstrahlen, aber auch bei geänderten Anforderungen beim zukünftigen Kunden für alle Eventualitäten offen sein. Der große Schrank kann rechts oder links stehen, mit Abstand, oder ohne, die Fachböden sind verstellbar. Natürlich kann man für die beiden Plattenspielerkabel (230 Volt und Chinch Stecker in Vorverstärker) ein Loch in den Oberboden bohren, aber wenn der Kunde später dort kein Gerät nutzen möchte, ist das Loch schon ein Kaufhinderungsgrund.
Unser Holzmanager Tobias Raum hatte die spontane und geniale Idee (nachdem ich eine halbe Stunde erfolglos grübelnd davor saß), einfach eine Leiste von hinten an die Platte zu schrauben, die etwas kürzer als die Platte ist und damit den Kabeldurchlass ermöglicht. Später kann man die Leiste wieder abnehmen und sich über die Platte ohne Loch freuen. Überhaupt ist das Lowboard so konzipiert, dass man keine Probleme mit sichtbaren Kabeln hat, denn die kann man wunderbar in den dafür vorgesehen Räumen hinter der Schublade verstecken, wo auch die große Steckdosenleiste Platz findet. Allerdings müsste man das dann auch machen, ich habe beim Fotografieren leider nicht darauf geachtet (auweia).

Die Keramikplatte als Rückwand

Die Optik wird stark von der Rückwand aus gesinterter 4 mm dünnen Keramik in Betonoptik geprägt, die eigentlich  nicht wirklich notwendig wäre, denn unsere weiß gestrichene Rohbetonwand hat auch Charme. Aber wir wollen ja Gestaltungsmöglichkeiten aufzeigen, die langweilige Wände aufpeppen könnten. Zusammen mit dem Lichtschein des LED-Streifens oben und links macht sie schon etwas her und jeder kann selbst entscheiden, ob ihm die nackte oder die dekorierte Version lieber ist.

Die Montage des neuen Wohnzimmers

 

Schreinergesellin und Geographin Julia Hölzel hat das von Meisterin Sophia Wagner programmierte Möbel verwirklicht und gemeinsam mit ihrem Schützling Samuel Wittmann (Auszubildender im zweiten Lehrjahr) montiert. Lustigerweise ist bei Wohnzimmern immer die Beleuchtung, die Kabelführung von TV und Hifi und in diesem Fall die Montage der Keramikplatte und des TV-Schwenkarms an der Betonwand das Aufwändigste.
Die Möbel könnte man ja einfach nur so hinstellen und sie hielten mithilfe der Schwerkraft stabil die Position. Aber es sind immer die Kleinigkeiten, die eine Montage bei Ihnen zuhause ausmacht. sorgfältiges Absaugen des Bohrmehls, Schutz des empfindlichen Bodens mit Decken, sorgfältige Reinigung hinterher. Aber am meisten freuen sich unsere Kunden meist darüber, dass unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter einfach höflich, freundlich und verbindlich sind. Und wir uns übrigens auch!

TV und Hifi vom Studio Pillhofer

Die Teac Bandmaschine hat dann doch keine Zustimmung gefunden

Als erfahrene Möbelbauer fanden wir im Kernteam dann doch schnell eine gemeinsam akzeptierte Möbelgestaltung, aber bei der Ausstattung mit TV und Hifi wurde es schon wieder schwierig: der Autor wollte die gute A77 von Revox oder eine Teac Tonbandmaschine nebst Plattenspieler und Röhrenverstärker (worauf er auch Zugriff hätte), seine Frau und Nina Brunner dagegen eine Anlage, die auch digital Natives begeistert. Uff. Also bei unserem Lieblingshifiladen Studio 4 in Hersbruck, Günter Pilhofer angerufen und gefragt, ob er Interesse an der Ausstellung eines Fernsehers und einer Hifianlage hätte und an welcher?

Exkurs zur Kleinstadt Hersbruck: Wir haben einst selbst schon viele Fernseher von Sharp verkauft – als der Vertrieb damals versuchte, TV-Geräte über Küchenstudios zu verkaufen – aber unterließen es dann schnell wieder, weil wir zu wenig Kompetenz dafür hatten. Für kniffelige Einstellungsfragen brauchten wir dann die Hilfe von Günters Mitarbeitern. Heute sind wir so dankbar,  dass wir für unsere Kunden einen Partner vor Ort haben, der Service und Kompetenz bietet und unsere Kunden in all diesen Themen zukunftssicher berät. Der Fernseher ist also von Loewe (Connect ID 55), die schon wieder in Kulmbach produzieren.

Die Hifi-Anlage

Das kleine schwarze Kästchen von Bluesound wird nur vom Plattenspieler und den Boxen zur kompletten Anlage ergänzt

 

Das mit dem Fernseher war also schnell geklärt, weil er von einer anderen Aktion übrig war, allerdings ist er etwas groß für unseren Schwenkarm. Wir einigten uns auf einen digitalen Verstärker mit Streamer von Bluesound (Powernode 2 könnten Sie aus der Ausstellung für 799.- statt 899.- haben), dessen Verwandten ich auch bei mir privat eingebaut habe (Vault 2i Netzwerk-Streamer , CD-Ripper und Musikserver), auf dass die Familienmitglieder und Gäste ihre Musik wenigstens über meine  Harbeth Boxen (BBC-Referenz-Boxen und nicht über handylautsprecher) abspielen können. Tragischerweise tun sie es nur selten, weil sie viel lieber in der CD- Plattensammlung wühlen. Nach vielen Gesprächen einigten wir uns also auf einen hypermodernen Digitalverstärker und Streamer an den wir sogar altmodisch per Kabel die Standboxen von ASW (Opus -L/06) hängten, die sie statt für 1000 Euro für 750 haben könnten. So kann jetzt alles, was an Musik auf unserem Server und im Netzwerk oder auf Mobiltelefonen verteilt ist von dort abgespielt werden. Diese Geräte haben keine Knöpfe oder Regler mehr, man steuert einfach über das Mobiltelefon, das Tablett und vor allem über die funktionale App von Bluesound.

Der Plattenspieler

Peter Laetari durften wir bei den Kochworkshops von Jutta und Dirk Woker kennenlernen. Er hat sich am Ende seines Arbeitslebens in der Pharmabranche auf analoge Plattenspieler spezialisiert und mischt alte Motoren mit neuen Gehäusen aus Multiplex und Massivholz (aus der Möbelmacherfertigung!) oder sammelt wertvolle Highlights der Plattenspielergeschichte. Eines davon dürfen wir in unserer Ausstellung zeigen, aber auch für 1000 Euro zum Anhören und Verkauf anbieten:

ARISTON RD-40 mit Ton Arm: Transrotor TR 800-S T, aus einem antimagnetischem Stahl.
Das ist eine Legende aus Schottland, die noch dazu super aussieht und für 999,99 sogar käuflich zu erwerben ist

Peter bezeichnet sich als Streiter für den guten, klaren und analogen Klang, dem tut es natürlich ein wenig weh, das edle Teil an einen Digitalverstärker anzuschließen, aber wir haben ja gesagt, dass es nicht leicht werden wird, alle Wünsche zu erfüllen.

Fototermin mit Nina Brunner

Das war Nina Brunner im Jahr 2001 im Wohnzimmer aus Nussbaum

Und das im Jahr 2020

Ist ja ziemlich doof, wenn man ein neues Wohnzimmer in die Ausstellung baut und dann kommt die Ausgangssperre. Gottseidank dürfen wir Handwerker weiter arbeiten und auch montieren (wir stehen als handwerklicher Mischbetrieb auf dieser Positivliste), aber die Frequenz in unserer Ausstellung ist aktuell eine rote Null, weshalb sie das Fotografieren noch mehr aufzwingt, als früher. Früher war unsere Auszubildende zur Bürokauffrau Nina Brunner unser liebstes und häufigstes Model.

Nicht nur, weil sie immer vor Ort war, sondern weil man ihr nur kurz beschrieb, wie man sich Körperhaltung und Gesichtsausdruck vorstellt und schwuppdich war das perfekte Foto fertig. Und mal ganz vom Fotografieren abgesehen: sie ist nicht nur die freundliche und kompetente Stimme am Telefon der Möbelmacher, die sorgfältigste und immer gut gelaunte Sekretärin , sondern eine wichtige Säule der Möbelmacher, weil sie unsere gesamte Verwaltung im Blick und Griff  hat.

For everything, turn, turn, turn,
there is a season, turn, turn, turn,
And a time to every purpose, under heaven

Bekannt wurde dieses Lied durch die Byrds, aber es ist ein Cover von Peete Seeger, der sich von Bibeltexten inspirieren ließ. Ich will damit nur sagen, dass es verständlich ist, wenn man die ständige Präsenz in unseren Medien irgendwann nicht mehr mag, bei Nina war es vor einigen Jahren soweit. Aber im nächsten Jahr ist sie seit 20 Jahren bei uns und ich wollte meine alte Idee des Rekonstruieren früher Fotos mal wieder voranbringen, weshalb ich ob einer Ausnahme von der “Nofoto-Regel” vorsichtig anfragte.

Denn an der gleichen Wand in unserer Ausstellung stand vor 18 Jahren schon ein Wohnzimmer, dass wir mit Ihr fotografiert haben und sie kam tags darauf mit passender Frisur, passender Jeans und T-Shirt und ich wusste nach den ersten Fotos wieder, warum das Fotografieren mit Ihr damals immer so perfekt war. Ganz lieben Dank dafür. Bei Ihrem 20-jährigen Möbelmacher-Jubiläum werden wir die Fotos wieder ausgraben, aber für den Moment hat sie unser Wohnzimmer erneut perfekt in Szene gesetzt.

Polstermöbel und Couchtische

Das Sofa Tigra von Jori

Die Ellipse wollten wir auch in den Couchtischchen wieder aufnehmen, die aus einer wurmigen Restplatte aus birnenholz gefertigt werden. Sollte der zukünftige Besitzer keine Freude an den noch offenen Wurmgängen haben, könnte man sie Epoxi, mit Hartwachs oder was auch immer zumachen, wäre aber fast ein wenig schade, weil sie so schon am natürlichsten aussehen. Nina sitzt in dem Sessel Aida von Jori und gegenüber steht das Sofa Tigra, das durch seine raffiniert verstellbaren Armlehen begeistert. Die Pendelleuchten über den Couchtischen hängen in der Schiene an der schrägen Decke und zwei davon sind leider nicht mehr im Programm von Oligo.

Fazit:

Es sind ganz viele Faktoren, die beim Entwerfen von Möbeln berücksichtigt werden sollten. Wenn man das gemeinsam mit Kunden macht, fällt das gar nicht so auf, weil es ein laufender Prozess ist, in dem alle Parameter der Reihe nach abgearbeitet werden. Macht man es aber für die Ausstellung und für die Werbung für unsere Art des Möbelbaus wird es schon komlizierter. Wir werden sehen, wie das Ergebnis ankommt, leider müssen dafür erst einmal die Fotos genügen, wir freuen uns schon heute auf die vielen Besucher nach der Krise.

Die Möbel (da muss man aber darauf warten) und die TV- und Hifi-Anlage nebst Plattenspieler (das geht sofort) kann man auch zum Ausstellungsspreis erwerben.

 

3 Kommentare

  1. City Immobilienmakler

    Hallo Möbelmacher.
    Einen sehr tollen Blog habt ihr hier. Schön, dass ihr ab und zu mal wieder etwas Neues postet.
    Das Wohnzimmer sieht sehr gut aus. Viel Erfolg weiterhin.
    Liebe Grüße

    Antworten
  2. Christoph Hamm

    Liebe Möbelmacher,

    ich bin durch Zufall auf Eure Seite gekommen und bin total begeistert. Was Ihr hier für ein wunderbares Wohnzimmer präsentiert ist absolute Klasse. Den Blogbeitrag habe ich mit sehr viel Interresse gelesen. Ich finde es wirklich Klasse, wenn Handwerk in dieser Form online präsenterit wird!

    Liebe Grüße

    Antworten
  3. Maren

    Sehr interessanter Artikel, den ihr da geschrieben habt. Das Endergebnis gefällt mir richtig gut. Das Holz der Elsbeere macht richtig was her.

    Viele Grüße

    Antworten

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