von | Apr 13, 2024

Der aktuelle Bretterbericht: Die regionale Waldschöpfungskette im Jahr 2024 und die Stapelkunst der Hochstapler

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Das ist zunächst mal die herzliche Einladung, bei uns von Montag (15. April) bis Donnerstag das Sägen, Stapeln und Einräumen ins Holzlager noch live zu erleben: Die regionale Waldschöpfungskette.

Hier kommt unser jährlicher Nachhaltigkeitsbericht für den Holzeinkauf, der garantiert, dass wir nur in Umkreis von zweistelligen Kilometerzahlen Holz einkaufen und dort wurde es nachhaltig geerntet. Das bedeutet, dass kein Kahlschlag stattfand, sondern dass alte Bäume aus dem Bestand entfernt wurden, um jüngeren Bäumen, die mehr CO₂ absorbieren, Platz zu machen und mehr Licht zu geben. (Im direkten Kontrast zu Ikea, siehe auf der neuen Arte-Doku: „Wie Ikea den Planeten plündert“)

Die Zahlen unseres Einkaufs 2024

Mit unserem jährlichen Holzeinkauf versuchen wir so treffend, wie möglich unsere Vorräte für rund fünf Jahre wieder aufzufüllen. Nachdem wir für die 21 Zimmer der Caritas fast alle unsere Buchen aufgebraucht haben, war in diesem Jahr das wichtigste das Auffüllen dieser Reserven. Dafür haben wir diesmal sogar in Neumarkt eingekauft, weil die Forstbetriebsgesellschaft Nürnberger Land seit dem Weggang von Michael Müller etwas schwächelt, aber das kann ja im nächsten Jahr schon wieder besser sein.

Das Holz wird oft schon im Januar angeliefert

Fichte oder andere Weichhölzer kaufen wir eigentlich nie, aber seit einigen Jahren sind wir der Massivholzverarbeiter für den großen Ladenbauer Aichinger aus Wendelstein, der immer wieder Spezialprodukte aus Fichte bei uns in Auftrag gibt. Aber die Fichte, die man im Handel kaufen kann, macht uns keine Freude, also kaufen wir gegen unsere eigentlichen Vorsätze jetzt auch Fichte ein. Für die Möbel unserer Kunden ist sie ungeeignet (sie werden durch Fichtenholz nicht billiger, aber deutlich empfindlicher), aber das furchtbar nervige Einkaufen von schlechter Fichte im Handel entfällt dadurch. Wir sind durch unser eigenes Holz halt schon ziemlich verwöhnt.

90,2 Festmeter wurden am 4. April von den Nachfolgern der Gebrüder Feulner entrindet

Was für ein Glück: die Gebrüder Feulner, die bei uns seit über 20 Jahren das Entrinden erledigten, haben Nachfolger gefunden. Sie übernahmen den LKW mit Entrindungsmaschine und sind bei der Bedienung derselben noch nicht ganz so flink wie die seit Jahrzehnten eingespielten Feulners, aber das holen sie sicher bald ein.

Jährlich stehe ich wie ein kleines Kind vor dieser Monstermaschine und unser Team macht sich schon lustig, warum ich jedes Mal ein neues Video vom immer gleichen aufnehme. Aber schauen Sie sich das Schauspiel mal an, wenn die beiden Kräne 4 Tonnen-Stämme rum wuchten wie Zahnstocher. Mit der Rinde sind dann auch 90 Prozent der Tierchen entfernt, die sich weiterhin ins Holz eingefressen hätten und im Laufe von Jahren einiges der wertvollen Ernte verspeisen würden. Ganz nebenbei bleibt das Sägeblatt der mobilen Säge rund doppelt so lange scharf, was Claus Gerstacker die Arbeit ungemein erleichtert. Denn das Schärfen der Sägeblätter macht er am eigentlichen Feierabend zu Hause, und steht nächsten früh wieder pünktlich auf der Matte.

Die Wochen des Sägens mit Sakuro

Eine bis drei Wochen dauert die Sägesaison meist Anfang April bei uns. Oft während der Kirschblüte, die wir in diesem Jahr nur mit dem japanische Wort Sakuro beschreiben können. Das heißt zwar auch einfach nur „Kirschblüte“, aber es beschreibt dieses beeindruckende Naturschauspiel etwas schicker und bereichert außerdem unseren Japanischwortschatz von Santoku(-Messern), Sushi und Tepan Yaki ungemein.

Das Sägen und Stapeln organisiert unser Team im Schichtbetrieb, manchmal in sengender Hitze, aber auch im Schneetreiben oder Dauerregen. Immer wieder helfen uns auch nette Kunden, die ihre eigene Küche noch als Stamm erleben wollen, oder Freunde, die das als Fitnesstraining ohne Knebelvertrag sehen. Es ist in der Tat anstrengend und wir achten sehr genau auf Hebetechniken aus der Rückenschule (Ute Danzer hat den Innovationspreis Ergonomie 2023 gewonnen), aber die Qualität des Holzes macht das ganze Jahr über so viel Freude, dass wir das alles gerne in Kauf nehmen.

Vorteil der Bandsäge zum Sägegatter

Oft werden wir gefragt, warum wir die Bäume nicht einfach ins Sägewerk bringen, wo ein ganzer Stamm vom Sägegatter auf einmal in Bretter gesägt wird? Früher haben wir das teilweise so gemacht, aber die dort verwendeten Sägeblätter sind wesentlich dicker, als die bei uns verwendete Bandsäge, was einige Bretter Verlust bedeutet. Was aber noch viel wichtiger ist: auf unserem Gelände können wir je nach Stammform, Rissen oder der Form des farbigen Kerns die beste Ausbeute an Holzqualität durch die optimal Drehung des Stamms auf der Säge und die jederzeit änderbare Brettstärke optimieren. Also zum Beispiel aus den schönen Kernbereichen 60 mm dicke Bretter für Arbeits- oder Tischplatten sägen, und aus den langweiligen Randbrettern 30 mm starke Bretter für die Korpusse schneiden.

Fazit: Wenn wir also Materialverlust, Organisations- und Transportaufwand mit dem Sägewerk und geringere Qualität des Gatters in Relation zum langsameren Arbeiten mit der Bandsäge setzen, gewinnt bei unserer Einzelanfertigung von ganz individuellen Küchen und Möbeln immer wieder die Bandsäge. Trotz des Mehraufwandes.

Die große Kunst des Hochstapelns und des Dokumentierens im Video

Im aktuellen Video 2024 erkennt man deutlich, dass das Stapeln der Bretter eine große körperliche Anstrengung ist. Es bedarf aber zusätzlich auch einer Menge Know How und Erfahrung, um unser rund 400 Festmeter umfassendes Holzlager auch optimal nutzen zu können. Dazu müssen die Breiten der Stapel exakt eingehalten werden, um im Holzlager platzsparend platziert werden zu können. Übrigens erkennt man bei uns die Stapelbreite sofort an der stirnseitigen Farbe der Leisten.

Auch das Abkehren der Bretter ist kein Sauberkeitsspleen, denn nach einigen Jahren Lagerzeit kann die Späne auch faulen und schwarze Flecken im Holz hinterlassen.

Die Stapelleisten müssen exakt übereinanderliegen, weil sich sonst durch das riesige Gewicht von mehreren Stapeln die Bretter verformen würden. Um platzsparend zu stapeln, müssen die Bretter immer wieder auch mal um 180 Grad gedreht werden (um die Querachse), weil sie häufig oben schmäler, als unten sind.  Viele dieser Einzelstapel werden im Holzlager dann noch aufeinander gestellt und mit Dächern abgedeckt. Sie dürfen schon ab und zu mal beregnet werden, aber es dürfen sich keine Pfützen bilden. Das ist übrigens auch der Grund, warum die Kernseite immer nach oben schauen muss, auch darauf achten unsere Schreinerinnen und Schreiner akribisch, und ebenso dokumentieren sie das ganz auch mittels Fotos, Nummern und Listen. Denn viele Jahre später ist es enorm hilfreich, den Kunden zeigen zu können, welchen Stapel wir in die Trockenkammer stecken, auf dass daraus acht Wochen später deren Küche entstehen möge.

Lufttrocknung und schonende Trockenkammer in der Cittaslow

1997 wohnten wir der Gründung des Slow Food Conviviums Nürnberg bei, im Jahr 2001 waren wir an der Ernennung Hersbrucks zur ersten Cittaslow außerhalb Italiens maßgeblich beteiligt und ein wenig hat auch unsere Holzwirtschaft mit der Grundidee der Entschleunigung zu tun. Der Käse, der Wein, der Whisky und auch das Holz wird bei längerer Reifung einfach besser, bei uns Menschen ist es ja ähnlich. Was man an Zeit hineinsteckt, gewinnt man später an der Qualität des Produkts. Das erleben wir immer wieder, wenn wir durch irgendwelche unglücklichen Umstände Holz im Handel kaufen müssen. Durch die schnelle Trocknung in der Vakuumkammer direkt nach dem Einsägen hat es ganz andere Eigenschaften, als unsere liebevoll gelagerten und langsam in der Trockenkammer getrockneten Hölzer.

So wie wir, macht es niemand: artgerechte Holzwirtschaft

Für den deutschen Nachhaltigkeitspreis recherchierte die Jury einst aufwändig, wie viele Betriebe unsere Art der Holzwirtschaft vom Wald bis zum Kunden umsetzen und sie fanden: keinen einzigen, was auch einige TV-Beiträge erklärt. Daraus könnte man entweder folgern, dass wir einen Vogel haben, oder dass den anderen Ganzheitlichkeit, Nachhaltigkeit, Glaubwürdigkeit, Authentizität, Qualität oder einfach Freude am perfekten Produkt nicht so wichtig sind. Wir neigen ja zum letzteren, aber letztlich sind die Kunden unsere Entscheider: Solange sie unsere Küchen und Möbel wählen, weil das Holz aus den Wäldern unserer Heimat stammt, weil es artgerecht behandelt und von unserem kompetenten Team liebevoll und ganz individuell nach Kundenwunsch verarbeitet wird, so lange macht uns diese „Mehr“-Arbeit auch Freude.

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Hier erklären wir, was unsere Kunden von der regionalen Waldschöpfungskette haben.

Alle Artikel „Rund um´s Holz“ im Nachhaltigkeitsblog

Die regionale Waldschöpfungskette auf der Homepage

 

 

 

 

 

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