von | 27. Juli 2018

Die Gute Form 2018: 1. Platz für Hannes Wein – 25 Jahre Horst Hager

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Die Jury machte es sich nicht leicht und durchsuchte jedes Möbel bis ins kleinste Detail

Seit dem Jahr 1991 gibt es den Gestaltungswettbewerb „Die Gute Form“ für die Gesellenstücke der Schreinerinnen und Schreiner. Die Schreinerinnung Nürnberger Land hat das große Glück, dass sich eine ebenso engagierte wie kompetente Jury am Montag Vormittag über zwei Stunden mit der Gestaltungsqualität der in der Sparkasse Hersbruck ausgestellten Möbel beschäftigt. Eingeladen hat dazu Innungsvorstandsmitglied herwig Danzer, der den Prozess zwar organisiert, aber selbst nicht Mitglied der Jury ist.

Zuerst bewertete jeder für sich, später wurden die Ergebnisse diskutiert und eine gemeinsame Lösung gefunden

Die Grafikerin Angelika Eisenbrand, Stadtbaumeister Lothar Grimm, der Architekt Wolfgang Ganser und der Fachlehrer Gerd Wagner diskutierten nach zwei Möbel-Rundgängen die Ideen der Auszubildenden, die Umsetzung und vor allem deren optischen Eindruck und stellten das im Rahmen der Freisprechung mit guter Form zwei Abende später – erstmals an einem Mittwoch – den Gästen vor. Weil das Angelika, Lothar und Gerd gemeinsam übernahmen, waren die Laudationes abwechslungsreich, detailliert aber auch nicht unkritisch und wurden von den Zuhörern mit großem Interesse verfolgt.

Unser wenige Minuten später freigesprochener Junggeselle Hannes Wein gewann mit seinem Schreibtisch in Esche nicht nur den ersten Platz der guten Form, er hatte auch den drittbesten Ausbildungsabschluss unserer Innung (alle anderen Preisträger weiter unten im ausführlichen und einfühlsamen Zeitungsbericht von Ute Scharrer).  Damit blicken wir seit 1991 auf 47 erfolgreich ausgebildete Gesellinnen (20) und Gesellen (27)  zurück, die zusammen 46 Preise gewannen.

Abschiedsbrunch am Tag darauf

Schreinerin Christiane Suttner, Auszubildender Hannes Wein, Meister Stefan Winter

Hannes Schreibtisch wurde von Wolfgang Ganser als das „sauberste Stück seit Jahren“ bezeichnet und Lothar Grimm war von der Einfachheit desselben einerseits und dessen Raffinesse mit den blauen Epoxydetails in den Eckverbindungen der Beine und in der gespaltenen Schubladenfront andererseits beeindruckt. Alle Möbelmacher waren während Hannes Weins Lehrzeit von seinem Engagement für die Firma, seine Arbeit und das Lernen begeistert und wünschen ihm an seinem neuen Wohnort in München (er sucht dort noch eine Wohnung für zwei, wer weiß etwas?) eine tolle neue Stelle und ganz viel neue Erfahrung, auf dass er bald mit vielen Ideen für Massivholzmöbel zurückkommen möge.

25 Jahre ist Horst Hager schon bei uns

Ein viertel Jahrhundert ist Horst Hager unser Mann für die samtweichen Öloberflächen der Möbelmacher. Dafür ehrte ihn der Vizepräsident der Handwerkskammer Christian Sendelbeck mit Urkunde und silberner Nadel und wir Möbelmacher bedanken uns für 25 Jahre Zusammenarbeit.

 

Bei der Sparkasse Nürnberg bedanken wir uns im Namen der Schreinerinnung wieder ganz herzlich für den würdigen Rahmen und das feine Buffet, das den Absolventen unserer Innung eine unvergessliche Freisprechung beschert. Die Möbelmachergang feierte danach noch im Cafe Bauer weiter und tags darauf verabschiedete sich Hannes noch mit einem Brunch bei „seinen“ Möbelmachern.

 

Alle Artikel über den Designwettbewerb „Die gute Form“ sind hier nachzulesen.

Hier sind noch viel mehr Fotos zu sehen.

 

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HERSBRUCK – Nicht nur handwerkliches Können, auch ästhetisches Gespür bewiesen die Gesellenstücke, die in der Schalterhalle der Sparkasse Hersbruck noch eine Weile ausgestellt bleiben. Hinter vorgehaltener Hand  wurde zum Teil von „Meisterstück-Niveau“ gesprochen. Für diese Fähigkeiten und die abgeschlossene Gesellenprüfung gaben Wegbegleiter den jungen Menschen bei ihrer Freisprechung gute Wünsche und Zukunftsprognosen mit auf  den Weg.

Rund 80 Gäste wohnten der Freisprechung bei

„Handwerker sind auch Kopfwerker – ohne Köpfchen nützen die stärksten Arme nichts!“ Mit dieser kernigen Aussage stimmte der Vizepräsident der Handwerkskammer Mittelfranken, Christian Sendelbeck, die Absolventen der Schreinerlehre auf die kommenden Jahre ein. Die Herausforderungen und Chancen der digitalen Zukunft schilderte er in seiner Festrede lebendig und eindringlich.

Hoher Standard

Vom Markt verdrängen könne die digitale Revolution gutes Handwerk aber nicht, ist er sich sicher: „Etwas so Individuelles wie die Gesellenstücke, die wir hier sehen, kann sich eine künstliche Intelligenz nicht ausdenken.“ Dem
hohen Standard deutschen Handwerks trüge nicht nur die steigende Nachfrage Rechnung, auch die Politik habe in beispielloser Einigkeit der „Rückvermeisterung“ zugestimmt: Gewisse Handwerkszweige seit 2003 ihrer  Meisterpflicht zu entbinden, habe sich nicht bewährt.

Wie solide die Ausbildung durch Meisterbetriebe ist, davon können sich Besucher in der Schalterhalle noch einige Zeit überzeugen. Seit 1991 beherbergt die Sparkasse diese Ausstellung und die Freisprechungsfeier, berichtete Michael Albert, Bereichsleiter für Freie Berufe und Gewerbekunden der Sparkasse Nürnberg. Die ausgestellten, von den Gesellen in ihrem Lehrbetrieb geschreinerten  Möbel erweckten nicht nur das Interesse der Mitarbeiter,  sondern auch der Kunden.

Kein Wunder, denn die Möbelstücke reichen von federleicht bis wuchtig und offenbaren bei manchmal trügerisch schlichten Fronten ein raffiniertes Innenleben, das sich meist auf sanften Druck offenbarte. Der Jury, die die  drei Preisträger für „Die Gute Form“ kürte, war denn auch ihre Begeisterung anzumerken. Auch wenn kleine Schönheitsfehler wie unnötig sichtbare Schrauben, fragwürdige  Proportionen oder eine zu auffällige Gehrung  moniert wurden, fanden Grafik- und Kommunikationsdesignerin Angelika Eisenbrand, Hersbrucker Stadtbaumeister Lothar Grimm, Berufsschullehrer Gerd Wagner und Architekt Wolfgang  Ganser vor allem lobende Worte für Gesamteindruck und Details der ausgezeichneten Stücke.

Dass Markus Löhr von der Schreinerei Pickelmann seinen Schreibtisch in Eiche wie eine archaische Skulptur gestapelter Bohlen erscheinen ließ und die „Baumscheibenoptik“ des Vollholzfurniers nie aus den Augen verloren  hat, war der Jury den dritten Preis wert.

Für ein gekipptes „Lowboard“, eine mit Seitenschrägen versehene elegante Kommode aus massivem Kirschbaum, konnte Peter Singer von der Schreinerei Oppel den zweiten Preis einheimsen. „Weniger ist mehr“ schien die
Devise für Hannes Wein von den Möbelmachern gewesen zu sein. Schnörkellos, schlank, federleicht wirkend und mit raffinierten Details in Blau war sein Schreibtisch in heller Esche den Juroren den ersten Preis der „Guten Form“ wert.

Wie nicht selten der Fall, teilten die Sieger des überzeugendsten Designs und der besten handwerklichen Ausführung auch die Spitzenplätze als Innungsbeste unter sich auf, wenn auch in veränderter Reihenfolge: hier führte Peter Singer mit dem Notendurchschnitt von 1,6 die Riege an, es folgen ihm Markus Löhr mit 2,0 und Hannes Wein mit 2,1. Doch auch die anderen Jung-Gesellen und eine Jung-Gesellin konnten viel Lob und gute Ratschläge für sich verbuchen.

Der stellvertretende Leiter der Berufsschule 11 in Nürnberg, Stephan Czwalina, sprach seine Schützlinge als Lehrer, als Schreiner, als Bürger und als Mensch an und zog den Hut vor den tollen Gesellenstücken. Der stellvertretende Schulleiter der Staatlichen Berufsschule Lauf, Michael Gebhard, startete mit dem 2500 Jahre alten Zitat des Philosophen Sokrates, das die verlotterte Jugend schildert, als wäre das Zitat zeitgenössisch, betrieb
dann aber Ehrenrettung für die anwesenden Schreinerlehrlinge und ermutigte sie, stets das Neue zu suchen und nie auf dem Alten zu beharren. Ihre Kenntnisse als in die digitale Welt Hineingeborene sollten sie  gewinnbringend in ihrem Beruf nutzen.

„Machts kan Krampf“

Danksagungen, Lob, Anfeuerungsrufe und sanft mahnende wie ermutigende Worte für die berufliche Zukunft mündeten in die Freisprechung und das Überreichen der Abschlusszeugnisse durch Lehrlingswart Martin Wölfel
und Obermeister Christian Pickelmann. Als leuchtende Beispiele durften anschließend zwei Männer vortreten, die für lange  Betriebszugehörigkeit ausgezeichnet wurden: Bernhard Huber für zehn Jahre bei der Schreinerei
Oppel und Horst Hager für 25 Jahre bei den Möbelmachern. „Viel Glück und machts kann Krampf“, war der letzte Aufruf von Obermeister Christian Pickelmann, bevor er Eltern, Lehrer und frischgebackene Gesellen in das
Feiern am kalten Buffet entließ. UTE SCHARRER

 

Köstliches Buffet genießen

 

 

 

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