von | Aug. 5, 2026

Was unsere Rettungskräfte am Mittwoch letzte Woche geleistet haben

Allgemein

Die Meldung auf Instagram des Bayerischen Roten Kreuzes Hersbruck liest sich schnell:

@brk_hersbruck: 🚨 Einsatz 🚨
Am Mittwochnachmittag waren wir erneut im Einsatz. Unsere SEG-Betreuung wurde zu einer Vermisstensuche alarmiert. Zuerst stellten wir Kaltgetränke und Kaltverpflegung zur Verfügung. Da der Einsatz jedoch länger andauerte, versorgten wir alle Einsatzkräfte zusätzlich mit Warmverpflegung. Ebenso unterstützten wir die IuK bei der Koordination des Einsatzes.

Erstmal die Erklärung der Abkürzungen:

  • SEG Betreuung steht für Schnelleinsatzgruppe Betreuung. Es handelt sich um eine spezialisierte, meist ehrenamtliche Einheit der Hilfsorganisationen (wie DRK, BRK, Johanniter, Malteser oder ASB) im Katastrophenschutz und Rettungsdienst. In unserem Fall kümmerte sich die BRK-Bereitschaft Hersbruck um die Verpflegung der Einsatzkräfte: Logistik, Zubereitung und Ausgabe von Speisen und Getränken (Kalt- und Warmverpflegung) für Rettungsdienste, Feuerwehr, Polizei und THW bei zeitintersiven Einsätzen.
  • IuK: Information und Kommunikation

Wie wir diese zwei Tage erlebten

Die Atmosphäre zwischen 19:00 und 1:30 Uhr kann man in diesem Video erahnen:

Auch in unserer Familie gibt es aktive Feuerwehrleute

Was wirklich zwischen 14:30 und 1:30 Uhr und tags darauf von über 150 Menschen geleistet wurde, hat uns schwer beeindruckt, und davon wollen wir heute berichten.

Gegen 14:30 Uhr kamen die ersten Einsatzfahrzeuge und der Leiter des Katastrophenschutzes fragte, ob sie denn die Einsatzzentrale und deren Zelt bei uns aufbauen dürften. Selbstverständlich, das sind wir ja schon gewöhnt (siehe Einsatz von 2021 ganz unten) und außerdem können wir so einen kleinen Teil des eigenen schlechten Gewissens beruhigen, dass wir zwar im Unterkrumbacher Feuerwehrverein sind, aber nicht aktiv in der Feuerwehr.

Gleichzeitig stand schon die ganze Zeit ein Hubschrauber in der Luft. Dass er stand und nicht rumflog, hängt mit der Wärmebildkamera zusammen, die braucht ein wenig Ruhe, denn es ging um eine Personensuche. Das traurige Ergebnis vorab: Sie waren leider erfolglos und am Montag darauf wurde trotz vieler weiterer Such-Initiativen die Leiche des Mannes entdeckt.

Der Hintergrund dazu ist im Zeitungsartikel der HZ nachzulesen (auf das Bild zum Vergrößern klicken). Wir sprechen allen Angehörigen und Freunden unser aufrichtiges Beileid aus und wünschen viel Kraft in dieser schweren Zeit.

Weil es sehr heiß war, brachten wir erstmal eine Kiste Mineralwasser an die Einsatzzentrale an unserem Nordwestgiebel, wenig später kümmerten sich die Jungs und Mädels aber um erste Getränke und die Biergarnituren der Unterkrumbacher Feuerwehr, die sie mit einem Traktor mit langer Gabel dort abholten.

Ganz viele Autos

Um 15:52 Uhr war die rechte Straßenseite von den Fahrzeugen der Einsatzkräfte und einigen Polizeiautos schon zugeparkt. Feuerwehren und die Wasserwacht aus dem ganzen Landkreis trafen immer wieder ein und fuhren wieder weg, um bestimmte Regionen abzusuchen.

Gegen 17 Uhr trafen die ersten Fahrzeuge der BRK-Bereitschaft ein, zunächst mal mit einem Hänger. Die Frage nach dem Inhalt wurde mit „Kaltgetränke“ beantwortet, aber die spontane Sektbestellung mitleidig lächelnd ignoriert.
Das ganze Team besprach daraufhin den Bedarf für den Abend und die einen begannen mit dem Aufbau der Ausgabestationen, die anderen fuhren nochmal los, um das vereinbarte Material zu beschaffen. Zwischenzeitlich erfuhr ich, dass man für die Verpflegung hauptsächlich große Mengen an kochendem Wasser bräuchte, und ich bot mich an, mithilfe meines Miele-Induktionskochfeldes (das ging wirklich ab wie Schnitzel und hat die neue matte Glaskeramikoberfläche) in der Möbelmacher-Mitarbeiterküche dafür zu sorgen, was gerne angenommen wurde.

Gemeinsames Kochen mit dem Roten Kreuz

Foto: BRK auf Instagram vom Kochteam

Als die Essenholer wiederkamen und stolz ihre Produkte präsentierten, hatte ich die Verbliebenen schon mit Nachfragen genervt, wo sie denn jetzt das Wasser brauchen, ich hätte schon 25 Liter kochendes vorbereitet. Da wurde mir zum ersten Mal erklärt, wie eine moderne Katastrophenverpflegung abläuft, nämlich mit großen Säcken, in diesem Fall von bigbagmeal.com.

In dieselben, bzw. in unserem Fall in einen isolierten 1/1 Gastronormbehälter, füllt man 9 Liter kochendes Wasser, rührt ein paar Mal rum und erhält 12 kg Essen, was rund 30 sehr großen Portionen entspricht. Das klingt zunächst nach Feldküche und „Nur-Gegen-Den-Hunger“, aber das Erstaunliche war, dass diese Nudeln Bolognese ausgezeichnet schmeckten und sogar eine kleine Schärfe hatten. Es war wirklich gutes Essen, welches nach dem Kochen gefriergetrocknet und in wasserdichte Säcke gepackt wurde. Das macht das Essen leicht und bis zu faszinierenden 8 Jahren haltbar.

 

Induktionskochfeld mit insgesamt 11 kW Leistung, 3,65 pro Zone, schafft einen 17-Liter-Topf und zwei mit 4 Litern in wenigen Minuten

Mit dem engagierten Team des Roten Kreuzes hatten wir das mithilfe der Messbecher bald raus und den letzten von 10 Säcken haben wir so gegen 24:30 Uhr zubereitet. Der Trick beim Induktionskochfeld war mit den kleinen Töpfen in wenigen Minuten 8 Liter zum Wiederauffüllen des großen Topfes bereitzuhalten. Dank der Funktion, die das Wasser kurz vor dem Siedepunkt hält, konnten wir selbst den großen vollen Topf in 30 Sekunden wieder zum Kochen bringen.

Immer wieder ein neuer Ansturm von hungrigen Helferinnen und Helfern

Das ebenso junge, wie engagierte Team der BRK-Bereitschaft wurde immer wieder von Gruppen heimgesucht, die hungrig aus dem Wald kamen. Alle genossen die kalten Getränke und das warme Essen.

„Wir sind zwar nicht im harten Einsatz dabei, aber dafür sind uns alle  dankbar, lächeln und freuen sich, dass wir da sind.“ (Mitglied des Kochteams)

Trotzdem gab es nur einmal eine kleine Wartezeit, weil wir dachten, dass jetzt niemand mehr kommen wird. Ich selbst habe meine Portion aus einem fast leeren Garbehälter bekommen, es war noch wunderbar heiß und köstlich. Aber anders als bei unseren Kochshows mit Sterneköchen, die gerne auch mal neugierig mit den Fingern aus dem Topf des Kollegen ein Versucherle fischen, wurden hier alle Hygienevorschriften genau eingehalten.

Weil das gemeinsame „Kochen“ auch Spaß gemacht hat, habe ich schon gefragt, ob sie mal Lust auf einen „richtigen“ Kochworkshop haben. Dann würden wir sie zusätzlich zu unseren Kunden dazu herzlich einladen. Wir freuen uns schon drauf. Hier sind viele Beispiele unserer bisherigen Kochworkshops zu sehen. 

Die Technik

Der Brand- und Katastrophenschutzwagen des Nürnberger Landes

Während das Kochen dank der oben erwähnten Säcke eher rudimentär erfolgte, war die technische Ausstattung der Rettungskräfte kolossal. Ein Spezialfahrzeug verfügt über einen ausfahrbaren Beleuchtungs- und Antennenmast, Satellitenanbindung,  HigSpeed-Internet, drei Superrechner und riesige Bildschirme zum Ausfahren, genau genommen:

  • Autarker Digital- und Analogfunk: Mehrere Funkarbeitsplätze mit Handapparaten und Headsets, um gleichzeitig mit Suchtrupps, Hubschraubern, Wasserwacht, Polizei und der Integrierten Leitstelle (ILS) zu funken.

  • Satelliten- und Mobilfunk-Internet: Eigener Internetzugang via LTE/5G und Satellit, um auch in Funklöchern (z. B. tief im Wald) online zu sein.

  • Telefonanlage: Eigene Feldtelefon- und VoIP-Anschlüsse für den Stab.

Nach dem Hubschrauber, der flog, bis der Sprit alle war, also bis kurz zuvor, waren Drohnen im Einsatz. Weniger technisch waren die Hunde, die allerdings erst abends losgehen konnten, weil sie bei zu hohen Temperaturen nichts riechen können. Ihnen galt noch die letzte Hoffnung, die den Einsatz so lange hoffnungsvoll erscheinen ließ.

Philosophisches der Feuerwehrfrau:

Zu später Stunde war die Stimmung ob des Nichtfindens zwar gedrückt, aber dennoch freundschaftlich positiv über das gemeinsam Geleistete.

Eine Feuerwehrfrau erklärte mir:

„Bei der Feuerwehr wächst man über sich selbst hinaus: Wenn mich jemand gefragt hätte, ob ich im Dunkeln flott den Berg im Gelände raufwandern würde, hätte ich ihn gefragt, ob er spinnt, aber für die Feuerwehr ist es selbstverständlich, da macht man das einfach, weil es wichtig ist.“

Bis 1 Uhr hatte man noch Hoffnung, das Abbauen und Aufräumen dauerte noch bis 1:30 Uhr. Bis dahin wurden alle Stifte, alle Pfandflaschen aus dem ersten Kasten, alle Kabeltrommeln und andere Kleinigkeiten sorgfältig zurückgebracht; auf dem Gelände war trotz einiger Raucher keine einzige Kippe zurückgelassen. Am nächsten Morgen holte der Kommandant die Müllbeutel, abends holte die Unterkrumbacher Feuerwehr die Bierbänke wieder ab.

Resümee

Ganz lieben Dank für die schöne Geste: „Aber das wäre doch nicht nötig gewesen, hihi, aber der Wein war schon gut.“

Wer so einen Prozess der Personensuche über fast 12 Stunden hautnah miterleben durfte, ist beeindruckt von der Professionalität, dem Engagement und der Ernsthaftigkeit, mit der alle Beteiligten trotz Hitze, langem Einsatz und harter körperlicher Anstrengung ihre Aufgaben erfüllten. Diese ehrenamtliche Arbeit ist enorm wichtig für Deutschland, Franken und das Nürnberger Land, und ich verstehe, warum ganz viele Menschen mit Freude zu den wöchentlichen Treffen, den Übungen und – das ist natürlich das Wichtigste – zu den Einsätzen eilen.

Dass wir diesmal ein wenig helfen konnten, freut uns, ist für uns aber selbstverständlich. Denn wie schnell kann es passieren, dass man selbst oder Familienmitglieder Hilfe brauchen, dann ist man sehr dankbar, wenn sich genügend Menschen einfinden, um alles, was möglich ist, auszuprobieren oder einfach das Feuer zu löschen. Dass Bürgermeister Klaus Albrecht am nächsten Tag noch Wein und Blumen brachte, war eine tolle Geste. Wir haben sie gleich zum Diskutieren über spannende Zukunftsprojekte genutzt, und so ist jedes Treffen immer auch eine Stärkung des Zusammenhalts in der Region.

Rückblick

Nicht, dass wir nicht schon einmal Sitz eines Einsatzkommandos bei der Vermisstensuche waren, aber damals dauerte es nicht so lange und wir waren nicht in die Verpflegung eingebunden. Es war am 30. April 2021 und sah damals so aus.

 

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