von | Aug. 20, 2026

Die Gute Form 2026 war wieder gelungene Veranstaltung mit kleinen Macken und einer neuen guten Idee

Allgemein

Unsere Schreinerinnung Nürnberger Land organisiert laut Aussagen vieler kompetenter Insider seit vielen Jahren eine der gehaltvollsten und familiärsten Freisprechungen in ganz Bayern. Familiär, weil sie nur für unsere Auszubildenden des Schreinerhandwerks unseres Landkreises und nicht für Riesengebiete mit über hundert Freizusprechenden abgehalten wird, und gehaltvoll, weil wir eine sehr kompetente Jury aus Männern und Frauen aus unterschiedlichen Berufen haben und Redner, die einen direkten Bezug zum Landkreis haben. (Hier sind alle Artikel über die Gute Form seit 2005 nachzulesen. Seit 2025 bin ich weder im Vorstand, noch der Organisator der Jury und in diesem Jahr war auch keine Auszubildende von uns dabei, weshalb ich etwas freier schreiben darf als früher.

Rede einer Auszubildenden 

Die erste Rede einer Auszubildenden von Syrina Goller, hoffentlich die Gründung einer neuen Tradition

Der Berufsschullehrer Gerd Wagner stellt die Jury vor

Neben vielen anderen Reden (siehe Einladung, die beste kommt meist von OStD Stephan Czwalina) gab es ein Highlight: Eine angehende Schreinerin richtete ein Grußwort an die Gäste. Das war ihre eigene Idee und meine Innung hat zugestimmt. Ich finde, dass man das unbedingt aufgreifen sollte. Denn es ist ein wichtiges Statement, dass auch die Gesellinnen und Gesellen zum Mitmachen eingeladen sind. Sollten sich also auch in Zukunft junge Menschen finden oder motivieren lassen, sich an der Freisprechung zu beteiligen, muss man ihnen unbedingt die Bühne bieten. Wenn nicht, ist es ja auch kein Problem. Ihre Rede war nicht frei von Kritik und das ist auch gut so, meine eigene Abiturrede hat 1982 zu einem echten Eklat mit der Schulleitung geführt, aber das muss ja auch wieder nicht sein.

Die Gute Form 2026 und was wir kritisieren

Unsere Jury aus zwei Architekten, einer Künstlerin, einem Schreiner-Fachlehrer und einer Reisefachfrau ( Walter Reidinger, Philipp Hegel, Kathrin Brand, Gerd Wagner, Carola Hoffmann), die schon ganz viele Möbel dieser Erde gesehen hat, hat die Preise wie seit einigen Jahren schon vergeben und argumentiert. Statt ersten, zweiten und dritten Preis, konnten sie sich wieder mal nur zu zwei zweiten Preisen und einem dritten und einer Belobigung durchringen. Die Kritik an der handwerklichen Ausführung eines der Stücke war nur leider falsch, weil die Jury nur die gestalterischen Kriterien beurteilen soll. Handwerkliche Mängel würden durch die schulische Note abgedeckt, denn mit einer 4 darf man an der Guten Form sowieso nicht mehr teilnehmen.

Dass auch bei den anderen Preisen der Fokus mehr auf der Kritik der Gesellenstücke stand, war sehr schade, denn eine Preisverleihung soll eigentlich Freude machen und niemanden runterziehen. Normalerweise muss ich die Preisträger und ihre Ausbildungsbetriebe hier nicht nochmal aufzählen, weil das im Zeitungsartikel schon gemacht wurde. Nur diesmal wurde die Ergänzung der Betriebsnamen leider wieder fast überall verweigert (kommt alle paar Jahre vor, wenn man die Journalisten nicht ausdrücklich drauf hinweist). Ich werde also unten im Text des Artikels die Betriebe farbig ergänzen, weil es für mich mindestens eine Respektlosigkeit den Ausbildern gegenüber darstellt. Und nachdem wir diesmal selbst nicht dabei sind, will ich das auch noch mal betonen: 50 Prozent des Lobes gebührt dem Betrieb, zum einen, weil er überhaupt ausbildet, und zum anderen, weil er das offensichtlich auch noch gut macht, sonst hätten die Gesellinnen oder Gesellen keinen Preis gewonnen. Nachdem den Namen des Lehrlings meist niemand kennt, ist die redaktionelle Erwähnung des Betriebsnamens wenigstens eine kleine Freude in all dem Aufwand, den eine Ausbildung heutzutage verursacht.

Nachtrag:
Es könnte auch sein, dass mal wieder (hatten wir auch schon öfter) eine unsägliche Anweisung ausgesprochen wurde, nach der nur die Betriebe erwähnt werden, die im Einzugsbereich der Hersbrucker Zeitung sind, und in der Ausgabe der Pegnitz-Zeitung nur solche aus Lauf, aber wie unsinnig wäre das denn? Darf ein Laufer Kunde nicht bei einem Hersbrucker Betrieb einkaufen oder andersrum? Wir werden das nachtragen, wenn wir mehr wissen.

Das mit der angemessenen Kleidung ist mal wieder Thema

Was hat sich seinerzeit ein Prof. Klöcker über die unpassende Kleidung der Gesellen (mehr als der Gesellinnen) echauffiert (2007 oder 2009 oder aufgegriffen von Carola Hoffmann auch 2022 ). Deren Outfit hat noch nicht das Niveau, der immer festlicher begangenen Schulabschlüsse, ist aber immerhin schon viel besser geworden, ergänzt durch die Kluft, also die traditionelle Schreinerkleidung von Schreinerinnen oder Schreinern auf der Walz oder auch in der Werkstatt.

Der Vorstand am Schluss mit Krawatte und dem FAB (Feierabendbier)

Dagegen beschwerte sich Carola wieder über die Kleidung eines Jurymitglieds, welche den vom Innungsvorstand festlichen Rahmen des Innungsvorstandes konterkariert, der in einheitlicher Kleidung mit Krawatte(!) auftritt. Dazu habe ich einem Nachfolger im Vorstand sogar mein letztes Hemd (mit Innungslogo) geschenkt.

Die Kriterien der Guten Form für die Jury

Seit wir damals im Jahr 1999 die Zusammenstellung und die Organisation der Jury übernommen haben, verschickte unsere Sekretärin Nina immer mit allen Einladungen auch die Kriterien zur Preisverleihung (GuteFormKriterien | GuteFormBewertungsbogen). In der Ära Klöcker  (2005 bis 2017), der von der Ulmer Hochschule für Gestaltung kam, wurden diese Kriterien auch konsequent durchgesetzt, weil sie sehr stark an den Gestaltungskriterien des Bauhauses angelehnt sind. In der aktuellen Recherche darüber fragte ich mich, wann die Gute Form überhaupt entstanden ist, denn ich wurde 1991 bei meiner eigenen Ausbildung nach meinem Studium der Germanistik, Politik und Soziologie und der anschließenden Firmengründung mit Gunther Münzenberg auch schon drum gebeten, mit meinem eigenen Gesellenstück mitzumachen. Das musste ich leider verweigern, weil ich damals schon die ersten Küchen verkauft hatte und nicht wollte, dass die Kunden sehen, dass ich gerade erst als Schreinergeselle freigesprochen wurde, hihi.

Der Innungsverband Nordrhein-Westfalen hat mir dankenswerterweise seine aktuell verwendete Kriterienliste (05 Wettbewerbsbedingungen Innungswettbewerb NRW) geschickt, die ähnlich, nur nicht ganz so ausführlich ist. Diese werden gerade überarbeitet, weil es immer schwieriger sei, Juroren zu finden, die nicht einfach vom eigenen Geschmack ausgehen, sondern strengen Regeln folgen. Das war vor 1999 auch schon so, da erzählte ein Sparkassenchef, dass die Jury dieses Stück bepreist habe, weil er es sich auch selbst kaufen würde (vermutlich ohne zu wissen, wie viel so ein Möbelstück wert ist).

Die Geschichte der Guten Form

Die Fachzeitschrift dds schreibt ausdrücklich, dass Karl Wenzler 1983 den Wettbewerb in Köln ins Leben rief. Sein Ziel war, das kreative Potenzial der Auszubildenden bereits während der Ausbildung zu fördern. 1986 war die Ausweitung auf Landesebene Nordrhein-Westfalen und 1988 gab es erstmals einen bundesweiten Wettbewerb.


Der Artikel in der NN mit den ergänzenden Angaben zur Betriebszugehörigkeit

„Handwerk ist ein Goldschatz“: Schreiner-Freisprechung im Nürnberger Land

14 Schreiner-Azubis wurden im Hohenstädter Markgrafensaal freigesprochen. Neben der feierlichen Erhebung in den Gesellenstand wurden die besten Gesellenstücke und der Wettbewerb „Die gute Form“ prämiert.

HOHENSTADT. „Handwerk ist ein Goldschatz“, gab Landrat Armin Kroder den frischgebackenen Junggesellen mit auf den Lebensweg. 14 Schreiner-Azubis haben im Hohenstädter Markgrafensaal ihre Freisprechung erhalten. Bei der Feier waren deren selbst geschaffenen Möbel zu bewundern. „Prachtstücke“, brachte es Pommelsbrunns Bürgermeister Armin Haushahn auf den Punkt und lobte besonders einen Schrank mit Zapfanlage.

„Was unsere Wirtschaft stark macht, ist das Fundament der dualen Ausbildung“, hob Armin Kroder in seiner Festrede hervor. Die Azubis sind vom ersten Tag an im Klassenzimmer ebenso wie in ihren Betrieben. Der Landrat gab sich überzeugt, dass die Unternehmen im Nürnberger Land trotz ernster Zeiten an ihren Standort glauben und investieren. Am Beispiel von Emuge in Lauf zeigte der Kreischef, dass eine Gründungsidee wie etwa ein Gewindebohrer zu einer Firma mit über 1000 Mitarbeitern und weltweitem Umsatz führen kann.

„Behaltet euer Handwerk bei, lernt dazu und nehmt Rat von außen an“, sagte Armin Haushahn den frischgebackenen Gesellen. Berufsschulleiter Stephan Czwalina hob wie der Rathauschef das beeindruckende Niveau der Gesellenstücke hervor: ein Musikschrank, ein Schachtisch, eine Ruhebank, ein Beistellschränkchen und vieles mehr.

„Die Ergebnisse sind eine hervorragende Werbung für unseren Berufsstand. Und es sind Leistungen eines einzelnen, aber auch vieler“, dankte schließlich Schreinerei-Innungsobermeister Christian Pickelmann den Familien der Auszubildenden, die mitgelitten und mitgehofft hatten. Lehrlingswart Martin Wölfel präsentierte zudem die praktische Prüfungsarbeit für alle: ein Flaschenträgerl aus Holz.

Freisprechung und der neue Berufsabschnitt

Den entscheidenden Satz sagte dann Christian Pickelmann: „Kraft meines Amtes als Obermeister spreche ich euch von der Lehre frei und erhebe euch in den Gesellenstand.“

Damit begann für Leonhard Christen, Jannis Dierner, Leo Benjamin Dorner, Syrina Goller, Alina Hausmann, Fabio Kost, Mara Krätzer, Anna Maria Krieger, Rene Matuschek, Daniel Mayer, Leon Schröck, Daniel Urbanczyk, Stella Katharina Wagner und Hannah Winkler ein neuer beruflicher Abschnitt.

Beste des Jahrgangs war Hannah Winkler von der Förrenbacher Schreinerei Albatros, die einen Notenschnitt von 1,35 erzielte. Es folgten Daniel Urbanczyk (Schreinerei Pöhlmann) und Daniel Mayer (Schreinerei Christian Alt) aus Betrieben in Röthenbach beziehungsweise Rückersdorf.

Wettbewerb „Die gute Form“

Eingebettet in die Freisprechung ist traditionell die Verleihung des Preises „Die gute Form“. Die Gesellenstücke der Innungsmitglieder wurden durch die fünfköpfige Jury (Gerd Wagner, Carola Hoffmann, Philipp Hegel, Kathrin Brand und Walter Reidinger) nach Kriterien wie Materialästhetik, Proportionen, Funktion und Präzision bewertet.

„Tolle Leistungen, aber Gute Form heißt Perfektion“, rechtfertigte Gerd Wagner, warum die Juroren keinen ersten Platz vergaben. Dafür kürten sie zwei zweite Ränge:

  • Stella Wagner (Schreinerei Lämmermann aus Großviehberg): Sie fertigte einen Fotoschrank aus pigmentierter Eiche mit roten Elementen, schön gestaffelter Aufteilung und stimmiger Breite zu Tiefe.
  • Fabio Kost (Schreinerei Oppel)(Betrieb aus Schönberg): Er gestaltete einen TV-Schrank.

Außerdem bekam Hannah Winkler eine Belobigung. „Eine anmutig leichte, statisch gewagte Z-Konstruktion“, hieß es über ihren Nußbaum-Sekretär.

Publikumsliebling der Ausstellung

Das Publikum mit fast 250 Abstimmenden sah einen anderen Favoriten: Mara Krätzers (Schreinerei Kliegel) Schminktisch. Das Werk der Gesellin aus der Reichenschwander Schreinerei Kliegel erntete mit 228 Punkten den meisten Zuspruch. Dahinter landete Anna Maria Krieger (Möbelwerkstatt Christian Pickelmann aus Hohenstadt) vor Daniel Urbanczyk (Schreinerei Pöhlmann).

„Haltet Euer gelerntes Handwerk in Ehren“, sagte der Obermeister den Gesellen und fügte an: „Ihr schafft das!“


Quelle: Hersbrucker Zeitung (Bericht von Jürgen Ruppert)

 

 

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