von | 24. Juli 2019

Zwischen Schwerkraft und Schwerelosigkeit – der fränkische sommer war mit dem Stefan Grasse Trio zu Gast in Unterkrumbach

Allgemein, Kulturveranstaltungen, Nachhaltigkeit, Bio und Messen, Presse - über und von uns, Veranstaltungen, Werkstatt-Tage | 2 Kommentare

Der wunderbare Originaltext von Ute Scharrer für die Hersrbucker Zeitung hängt ungekürzt unten an (für die Zeitung wurden die Berichte vom Freitag und Samstag zusammengefasst) und noch dahinter haben wir die Begrüßungsrede von herwig Danzer gestellt, weil uns einige Gäste darum gebeten haben. Es war ein wunderbarer Abend und wir danken der Stadt Hersbruck für die Bestuhlung und die Bühne, dem Team des fränkischen sommers für das Auswählen unserer Halle, den Musikern für die gute Musik und vor allem den Gästen für ihr kommen.

Für das leibliche Wohl sorgten gar köstlich Thomas Schwab vom Schwabhof mit den Bratwürsten von den Weideschweinen mit Wegglern von der Bäckerei Laurer, Apferschorle Pomme 200, Weingut Manfred Rothe, und die Lammsbräu.

Wie fast jede Veranstaltung, endete auch diese in der Küche (die guten Fotos sind von Frank Boxler)

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Zwischen Schwerkraft und Schwerelosigkeit
(von Ute Scharrer)

Stefan Grasse Trio spielte zwischen Brettern und (Säge-)Blättern – „Fränkischer Sommer“ zu Gast bei den Möbelmachern mit dem Programm „Entre Cielo y tierra“

 

UNTERKRUMBACH (us) – „Musikalische Weltreisen“ kennt man ja schon, Multikulti liegt derzeit auch musikalisch in der Luft. Stefan Grasse hakt aber in seinem Programm „Entre Cielo y tierra“ (Zwischen Himmel und Erde) nicht nur die Gitarero-Hotspots dieser Welt ab, er denkt auch an die, deren Weltreise gänzlich unfreiwillig geschieht. Und er hält sich musikalisch an Orten auf, denen Glamour gänzlich abgeht, wie den „Favelas“, den Armenvierteln Brasiliens.

Die Huldigung großer Gitarrenvorbilder darf selbstverständlich nicht fehlen. Astor Piazolla gehört für Stefan Grasse dazu und sowohl sein „Libertango“ als auch „Primavera porteňa“ erfüllen die Gehörgänge der anwesenden Gitarren-Klang-Gourmets. Mit dem argentinischen Komponisten Piazolla ist das Stefan Grasse Trio aber schon fast am Ende des Programms angelangt. Mit seinen beiden Begleitern Radek Szarek an Vibraphon, Bongos und Cajon und Alex Bayer am Kontrabass hat er einen Abend lang musikalisch ausgelotet, welche Dimensionen sich zwischen Himmel und Erde, „Entre Cielo y tierra“, auftun.

„Die Erde,“ so erklärt Stefan Grasse, „ist Basis und Heimat, da, wo die Schwerkraft wirkt. Der Himmel, der ist das Refugium für Träume, der Raum, wo man die Gedanken schweifen lassen kann und die Schwerkraft keine Bedeutung hat.“

Beim Abheben und beim Wurzeln schlagen gleichermaßen helfen die zwei, die das Trio auch noch ausmachen, nach Kräften mit. Alex Bayers unaufdringlich dunkel tönender Kontrabass darf auch mal in Soli mit seinem Besitzer durchgehen und Radek Szareks Percussion scheint durch und durch zu vibrieren. Ob Szarek nun trocken wie Wüstensand mit den Fingerspitzen auf dem Cajon schrammelt, auf den Bongos kratzt und schlägt oder die vier Trommelschlägel wie einen Sommerschauer auf die Klangplatten des Vibraphons regnen lässt, Stefan Grasse und seine Mitmusiker sind für erdige, langsame Tonarten ebenso zu haben wie für himmlische Höhenflüge, temporeich, virtuos und passioniert. Mit sichtbarer Spielfreude katapultieren die drei sich und das Publikum von Andalusien nach Buenos Aires und von Cuba auf Naxos.

Emotionaler Höhepunkt wird die Eigenkomposition Stefan Grasses, „Boats of Hope“. Er widmet sie den Flüchtlingen, die in den „Booten der Hoffnung“ das Mittelmeer kreuzen. Mit der Dramatik einer Mini-Oper legt das Vibraphon ein lebhaft-unbeschwertes Thema an, das fragend verklingt, während der Bass bedrohlich anschwillt, das Zupfen der Gitarre an Tempo gewinnt. Spannung baut sich auf, die Grundmelodie baut sich aus dem dringlichen Schellen des Vibraphons wieder auf, bevor die drei Musiker im Schlussakkord wieder zusammen kommen. Die Geschichte im Kopf bleibt offen, der Wucht des Stückes entziehen kann man sich nicht.

Friederike Schmiedl Kulturmanagerin des Musikfestivals fränkischer sommer

Das Konzert, das muss noch angemerkt werden, findet nicht in einem Saal statt, sondern in der Werkstatt der Möbelmacher in Unterkrumbach. Was für Hersbrucker Kenner des Gitarrenfestivals schon vertraut ist, nehmen die Auswärtigen der 130 Besucher mit Staunen wahr: dass da einer, wie Stefan Grasse respektvoll spöttelt, „verrückt genug ist, seine Fertigungshalle leer zu räumen, um Musik zu Gehör zu bringen“, funktioniert einmal mehr. Zwischen Schleifbändern und ungehobelten Brettern, schweren Maschinen und den gen Decke strebenden Absaugrohren kann an der  Akustik nicht gemäkelt werden und der Geruch von Harz und Sägemehl in der Nase ist ein Extrabonus. Ein solcher wird auch den Musikern abgefordert: erst nach drei Zugaben lassen die Zuhörer sie ziehen und das Konzept „Werkstatt-Tage treffen fränkischen sommer“ ist einmal mehr voll aufgegangen.

Ute Scharrer

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Nachdem beim fränkischen sommer viele Menschen zum ersten Mal in Unterkrumbach sind, macht eine Begrüßung, in der man auch ein wenig erklärt, warum sich die Möbelmacher nicht nur um die perfekte Einrichtung, sondern auch um Nachhaltigkeit bei der Ernährung kümmern durchaus Sinn:

 

Begrüßung beim fränkischen sommer am 19. Juni 2017 von herwig Danzer

 

Herzlich willkommen bei uns Möbelmachern in Unterkrumbach direkt neben Hersbruck im Nürnberger Land bei den 21. Unterkrumbacher Werkstatt-Tagen, die ich hoffentlich nachher nicht vergesse zu eröffnen. Für einige von Ihnen ist es vielleicht neu, gute Musik in einer Möbelmanufaktur zu hören, für uns ist es seit 21 Jahren Tradition, denn was gibt es Schöneres, als dass in unseren Räumen angenehme Gäste einen unvergesslichen Abend mit beeindruckenden Künstlern erleben.

Ganz am Anfang der UnterkrumbacherWerkstatt-Tage wurde ich genau hier gefragt, wo wir eigentlich unsere Möbel fertigen (also) lassen (mit dem Unterton China oder Polen?), seitdem  bringe ich an dieser Stelle immer sehr deutlich zum Ausdruck, dass unsere Möbel genau hier liebevoll gebaut werden, wo Sie sitzen. Nur für Sie räumen wir unsere Halle einmal im Jahr aus. Wir fertigen hier in Einzelanfertigung viele Küchen, Wohn-, Schlaf oder Hotelzimmer und Büros ausschließlich aus dem Massivholz der Hersbrucker Alb  und wir richten komplett ein, das heißt wir haben auch Fußböden, Beleuchtung Polstermöbel, Matratzen und natürlich Küchengeräte im Programm. In der Pause oder nach dem Konzertgenuss können Sie gerne noch unsere Ausstellung im ersten Stock besuchen, zu später Stunde wird da manchmal auch noch gekocht.

 

Was wir kochen, oder was Sie hoffentlich schon im Vorfeld genossen haben, wird bei uns genauso ernst genommen, wie die Herkunft und die artgerechte Behandlung unserer Bäume, die übrigens im Ganzen, also als Stämme bei uns angeliefert werden, so dass wir die Waldschöpfungskette vom Baum bis zum Kunden komplett im Griff haben: Bei den Bratwürsten ist es ähnlich, die sind von Bio-Weideschweinen aus Lieritzhofen, die Ihnen mein Schulfreund Thomas Schwab – vor ein paar Jahren noch hauptberuflich, heute nur noch nebenbei Geschäftsführer in der Lebensmittelbranche selbst gegrillt hat. Die köstliche Apfelschorle  Pomme 200 stammt von den Streuobstwiesen aus der Hersbrucker Alb – da sind sogar unsere eigenen Äpfel drin, ich finde ja, dass man sie deutlich rausschmeckt.  Der Wein kommt von unserem Lieblings-Biowinzer und Freund Manfred Rothe aus Nordheim, Bier und Wasser stammt von der Lammsbräu. Diese hat mittels eigener Untersuchungen in unabhängigen Laboren einwandfrei belegen können, dass die Stiftung Warentest mit ihren Messergebnissen mal wieder – wie leider schon oft – falsch liegt.

Mit der Lammsbräu und Faber Castell zusammen haben wir einst den ersten Nürnberger Nachhaltigkeitspreis gewonnen, nicht zuletzt, weil in dieser Halle der allererste Tag der Regionen im Jahr 1998 stattfand. 1999 testete das Collegium Musicum die Akustik unserer Halle und kam zu dem Schluss hier ein Konzert zu geben, es wurde eines der ersten kommentierten Konzerte, weil wir Wert darauf legten, dass die Künstler ihr Handwerk erklären. 6 Jahre lang beherbergten wir das Eröffnungskonzert des Hersbrucker Gitarrenfestivals, bis es einfach zu viele Gäste wurden und auch das Ensemble Kontraste spielte schon zwei mal bei uns.

Und so ist es auch kein Zufall, dass der fränkische Sommer heute bei uns zu Gast ist. Es freut uns riesig, dass das Team von Julian Tölle auch schon zum zweiten Mal hier ist, da kennt man es dann auch schon, dass unsere  Oberlichter verdunkelt sind.  Denn die Hallenform der Basilika, die wir vor 22 Jahren gewählt haben, soll möglichst viel Tageslicht für unser Team in die Halle bringen, was aber Morgen, wenn wir zur gleichen Zeit hier einen Kinofilm mit Kinotechnik zeigen unpraktisch wäre.

Wir laden Sie ganz herzlich ein, uns morgen gleich nochmal zu besuchen, denn die Komödie aus dem Bäckerhandwerk Do goht dr Doig (Da geht der Teig) ist nicht nur sehenswert, durch die Geschichten, die der Regisseur erzählt bekommt man einen ganz anderen Einblick in das Filmgeschehen, als nur den Film selbst. Und das Popcorn, das unser Oberflächenmann und Drechslermeister Horst macht ist einfach grandios.

Am Samstag und Sonntag tagsüber sind auch zwei Tage der offenen Tür und am Sonntag gibt es um 11:00 Uhr ein Gespräch mit den beiden Künstlern, die die Skulpturen und Zeichnungen als Holzbildnisse in unserer Ausstellung zeigen. Karin Plank Hauter und ihr Mann Andreas Hauter sind auch heute anwesend und sagen Ihnen gerne alles, was Sie über diese Ausstellung wissen möchten.

Wer uns seine Visitenkarte oder Email Adresse hinterlässt, kann Impressionen dieser Veranstaltung auch im Nachhinein noch genießen. Bitte bleiben Sie auch nach dem Konzert noch unsere Gäste und bitte vergessen Sie nicht, dann ihr Handy wieder einzuschalten. Bleibt mir noch der Dank an unsere Mitarbeiter für das Ausräumen und die Organisation, an die Stadt Hersbruck für die Bestuhlung und Bühne, an das Team von Julia Tölle uns in den fränkischen sommer einzubeziehen und vor allem an Sie für Ihr Kommen.

Ich freue mich auf einen wunderbaren Abend im Rahmen des fränkischen Sommers, ich freue mich auf des Stefan Grasse Trio und jetzt erst die Begrüßung durch Friederike Schmiedl.

herwig Danzer

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Die Links zu den diesjährigen Werkstatt-Tagen

Werkstatt-Tage 2019: fränkischer sommer mit dem Stefan Grasse Trio
Werkstatt-Tage 2019: Filmabend mit Regisseur Michael Rösel
Werkstatt-Tage 2019: Werkstatt-Gespräch mit Karin Plank-Hauter und Andreas Hauter
Alle Links zu den Werkstatt-Tagen sind auf der Homepage zu finden.
Alle Artikel über die Werkstatt-Tage im Blog
Wer noch mehr Bilder sehen will, schickt uns eine Mail und bekommt den Zugang zu unserer Bilddatenbank.

2 Kommentare

  1. Stefan Grasse

    Lieber Herwig, liebes Team der Veranstaltung! Ganz herzlichen Dank für diesen wunderschönen Abend! Selten klappt alles so gut wie bei euch. Herzlichkeit und Hilfsbereitschaft und natürlich köstlichste Delikatessen – ein Traum zwischen Himmel und Erde! Liebe Grüße, Stefan Grasse

    Antworten
  2. Friederike

    Lieber herwig,

    es war wie immer ein sehr schöner Abend bei Euch. Herzlichen Dank für Eure wunderbare Gastfreundlichkeit.

    Viele Grüße
    Friederike

    Antworten

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