von | 26. August 2007

Massivholzmöbel der Möbelmacher gewinnt “Die Gute Form 07”

Designwettbewerb, Die Gute Form, Presse - über und von uns, Veranstaltungen | 3 Kommentare

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nimm Wasser zur Suppe,
heiß alle willkommen.

Eine schlechte Wirkung auf die Reichweite des Buffets, aber eine ausgesrochen gute auf den Wert dieser zweiten Veranstaltung, die Freisprechungsfeier der Schreinerlehrlinge und den Gestaltungswettbewerb "Die Gute Form" zusammenlegte.

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Nach den Begrüßungen durch Sparkassengastgeber Herrn Legat und Innungs-Obermeister Heinz Oppel, begann Prof. Dr. Klöcker seine ausgiebige Rundreise durch die Welt der Gestaltung. Dabei scheute er sich auch nicht vor den Umwegen: zum Beispiel einen weitreichenden über angemessene, versus unpassender Kleidung, einen sanften über die Gleichheit von BMW und Opel und einen kurzen über die Auswahl von Freundinnen nach deren Haarfarbe. Sogar das dafür geeignete Schuhwerk wurde in den Designcrashkurs einbezogen. Als am Horizont langsam das Ziel der Prämierung der guten Möbelgestaltung erkennbar wurde, band er die Schöpfer der Möbeleinzelstücke geschickt mit ein. Unseren Lehrling Erhard Gahl fragte er nach den Gestaltungsideen seines belobigten Sideboards, was der mit dem „Kontrast von hellen massivem Spitzahorn zum dunklen Granit“ und mit „eleganter Edelstahllisene“ begründete. Schwieriger wurde die Frage nach der Motivation der vermeintlich missglückten Holzmaserichtung und weil wir das Thema schon seit Jahren kontrovers diskutieren hier ein kleiner Exkurs dazu, zum Überblättern für Nichtdesigner:

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Prof. Klöcker hat an der renommierten Hochschule für Gestaltung in Ulm studiert, die direkt in der Bauhaustradition steht. Deren Forderung nach der durchgehenden Holzmaserung – senkrecht oder waagrecht – in einem Möbelstück ist mit Plattenmaterial durchaus nachvollziehbar, bei Massivholzmöbeln muss aber gleichzeitig auf eine materialgerechte Verwendung geachtet werden. Massivholz arbeitet fast nicht in Längsrichtung, sehr stark aber quer zur Maserung. Deshalb wird bei Massivholzmöbeln immer die größere Länge einer Fläche automatisch auch zur Maserrichtung, weil alles andere nicht den Eigenschaften des Materials entsprechen würde, und das seit hunderten von Jahren. Einzig unsere Verarbeitung von Massivholzfronten mit eingelassenem Edelstahlstab lässt zum Beispiel bei Küchenfronten eine durchgehende Quermaserung zu, aber die wäre bei Erhards Gesellenstück mit deutlichen Risiken bei der zwischen Sommer und Winter wechselnden Fugenbreite verbunden. Deshalb wählte er die klassische Methode mit Rahmen (der ändert seine Größe nicht) und senkrechter Füllung, was zumindest wir auch völlig korrekt finden, wenngleich wir wie schon seit vielen Jahren auf der Suche nach der Versöhnung des Bauhauses mit Naturmaterialien und Massivholzmöbeln sind. Excurs Ende, aber hoffentlich noch nicht der befruchtenden Diskussion darüber.

Mit einer in der Jury heftig diskutierten „Verweilbank“ (Schreinerei Schmidt) ging es zum dritten Platz, den zweiten dritten Platz (einen zweiten Platz wollte die ‚Jury aufgrund des hohen Abstandes zum ersten Platz nicht vergeben) machte ein Couchtisch aus Nuss- und Apfelbaum, der eine raffinierte Mechanik zum Wegschieben und -klappen der halben Tischplatte hatte (Kunstschreinerei von Hanstein). Das Gespräch mit den (Nochnicht-)Schreinern war interessant und als letzter musste sich unser Christian Habenstein für seinen ersten Preis einiges über die falsche Größe seiner Abdeckplatte aus Glas anhören.  Das steckte er locker weg, war er doch gleichzeitig auch noch Innungsbester geworden, genau wie seine beiden Brüder vor ihm.

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Die Innung, das ganze Schreinerhandwerk und auch die Gäste haben durch die lange um die Entscheidung ringende Jury und die Designreise des vortragenden Ingo Klöcker was dazu gelernt. Wie nach eine Wanderung freut man sich danach an den Erlebnissen, die man während des nicht immer leichten Weges noch nicht zu schätzen wusste. Der große Dank für diese ehrenamtlich investierte Freizeit gebührt neben Klöcker vor allem auch Dr. Anna Scholz (Pharmazeutin und Künstlerin), Diplomdesignerin Angelika Eisenbrand, dem Fachlehrer der Berufsschule Lebrecht Müller, dem Innenarchitekten Paul Ban, dem Architekten Wolfgang Ganser (und den Jurymitgliedern aus früheren Jahren wie dem Stadtbaumeister Hersbruck Lothar Grimm, den Architekten vom Atelier 13 Thiel und Holzinger.)

Noble Geste der Jury

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Es ist eine (verständliche, aber schwierige) Regel, dass nur Gesellinnen oder Gesellen an der guten Form teilnehmen dürfen, die auch Mitglied in der Innung sind. Diesmal traf es tragischerweise  eine Gesellin, die sonst sicher einen Preis ergattert hätte, was zur Bewerbung um ihren Studienplatz sehr hilfreich gewesen wäre. Kurzerhand nahm die Jury ein Blatt Papier und schilderte darin ihre Meinung zur  Qualität und Preis-Würdigkeit ihrer Arbeit. Fand ich klasse. 

Die gute Form ist die einzige Veranstaltung, bei der sich die heimischen Schreiner zusammen und durch die Gesellenstücke auch kompetent präsentieren. Deshalb wäre es durchaus wünschenswert das nicht zuletzt durch die nicht immer begeisternden Reden der Politiker auf hohen Niveau ablaufende Freisprechungsfeier im nächsten Jahr noch schicker darzustellen. Vielleicht sollte man den jungen Menschen ja eine Sekt oder Cocktailbar anbieten, wenn fast alle Prüflinge im Anzug erscheinen? Muss ja nicht sein, aber vielleicht würde es nicht nur im Nachhinein auch ihnen selbst noch mehr Freude machen.

Kleiner Wermutstropfen: im Zeitungsartikel der Pegnitzzeitung wurden die Betriebe nicht erwähnt, die die preisgekrönten Gesellen ausgebildet hatten. Das ist ja, wie wenn ich einen Tour de France Gewinner auszeichne, ohne sein Medikament zu veröffentlichen.

3 Kommentare

  1. Wolf Maser

    Lieber herwig Danzer,
    dass Ingo Klöcker deutlich seine Meinung geäußert hat kann ich mir lebhaft vorstellen. Dabei ist sein Anliegen stets nachvollziehbar und (w)richtig.
    Ich kann mich daher Ihren Überlegungen nur anschliessen..
    Es ist schade dass diese Präsentation hochwertiger Möbel nicht öffentlichkeitswirksamer genutzt wird.
    Ich war schon Austellungen wo zwar der Gesellenname auf dem Werkstück stand, nicht aber der Ausbildungsbetrieb. Schade, denn auch das sollte den Betrachter interssieren im Sinne einer guten Öffentlichkeitsarbeit…
    Na, zumindest wird ja bei der “Guten Form” Präsentation auf der “Heim & Handwerk” im Dezember ein Faltblatt mit ausgegeben, auf dem der Betrieb auch mit erwähnt wird. (Wie umfangreich weiss ich im Moment gar nicht mehr. email? URL?)
    Somit also: es gibt viel zu tun – sprechen wir’s an….
    Beste Grüße
    Wolf Maser

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  2. Nachhaltig

    Die Gute Form 2008: Pascual Pelzeter gewinnt mit iMarias Schminktisch und ist Innungsbester

    Alle Fotos bei Picasa Die Schreinerinnung Nürnberger Land hat auch in diesem Jahr den Designwettbewerb der Gesellenstücke mit der Freisprechung der Gesellen zusammengelegt und am Dienstag Abend in der Hersbrucker Sparkasse begangen. Die Jury Schon am M…

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  3. Nachhaltig

    “Die gute Form” 2010: Matthias Becker von den Möbelmachern gewinnt den einzigen Preis

    Alle waren sich einig, dass das Folgen haben muss: Die Jury hat statt einem erstem zweiten und drittem Preis nur einen zweiten vergeben und ansonsten nur noch zwei Belobigungen für die originellen Ideen eines Stuhls mit Schublade (Theresa Senf, Schrein…

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