Unser Hintergrund zum Deutschen Nachhaltigkeitspreis
Ende November letzten Jahres wurde uns der Deutsche Nachhaltigkeitspreis in der Kategorie Möbel und Einrichten in Düsseldorf von Dr. Günther Bachmann überreicht. Wir fanden die Veranstaltung sehr beeindruckend (hier haben wir darüber berichtet und hier über den unbegründeten Skandal, den der Spiegel und Flip daraus machten wollten und hier über die Pressearbeit, die leider keinen einzigen Kontakt brachte, dafür aber unsere bestehenden Kunden begeisterte, obwohl sich unsere Pressemappe durchaus sehen lassen kann). Was etwas verwirrend ist: Wir bekamen 2024 den Preis für 2025 überreicht, jetzt im Jahr 2025 wurden die Preisträger für 2026 ausgezeichnet, allerdings haben das nicht alle Berichterstatter mitbekommen, weshalb man manchmal missverständliche Nachrichten darüber liest.
Es kam im September eine Einladung zum Kongress und zur Gala von 2025 und den ehemaligen Preisträgern wurde eine 50% Ermäßigung auf den Ticketpreis angeboten (die Hälfte von 1450 ist grob geschätzt 725), immernoch ’ne Menge Geld, aber es ist wirklich alles versammelt, was Rang und Namen hat. (Zitiert von der Website Nachhaltigkeitspreis)
„Unter den 150 Akteuren auf vier Bühnen waren u.a. WTO-Generaldirektorin Dr. Ngozi Okonjo-Iweala, EU-Umweltkommissarin Jessika Roswall, Bundestagspräsidentin Julia Klöckner, Bundesministerin Karin Prien, UNIDO-Generalsekretär Dr. Gerd Müller, die Klimaforscher Prof. Johan Rockström und Prof. Mojib Latif, Bestsellerautorin Prof. Maja Göpel, Publizist Dr. Eckart von Hirschhausen und die Klimaaktivisten Luisa Neubauer und Vanessa Nakate. Philippe Starck, einer der einflussreichsten Gestalter unserer Zeit, brachte die kreative Perspektive auf Transformation ein.“
Also meldete ich mich an (obwohl wir eine Woche vorher drei Tage in Berlin auf Einladung des Bundesumweltamtes am Deutschen lokalen Nachhaltigkeitspreis arbeiteten, was wir hier erzählt haben) und bekam gerade noch ein Hotelzimmer im Maritim am Flughafen, weil ohne dem macht die ganze Veranstaltung nicht wirklich Freude.
Glücklicherweise konnte ich auch noch einige Termine während der Anfahrt drumrum legen, sodass auch diesmal wieder die Foto- und Lichtausrüstung das Auto füllte. Also fuhr ich am Mittwoch schon sehr früh los.
Fototermin in Moers mit dem höhenverstellbaren Konferenztisch
Der wichtigste Fototermin war bei Müller-Moers, einem Käse- und Feinkostgroßhändler mit Shop, mit dem wir vor einigen Monaten einen vier Meter Konferenztisch entwarfen, der nicht nur höhenverstellbar ist, sondern auch ein unsichtbares Induktionskochfeld unter der flächenbündig eingelassene Keramikplatte integriert hat. Dazu musste man natürlich ein wenig drauf kochen, in diesem Fall Kartoffelchips mit geschmolzenem Raclette-Käse, den mir ein Mitarbeiter liebenswerterweise noch aus dem Lager holte. Alles zu diesem Tisch ist hier nachzulesen.
Messebesuch auf der ARCHITECT@WORK Düsseldorf
Wie es der Zufall so wollte, war an just jenem Mittwoch eine Messe für Einrichter und Architekten auf dem Düsseldorfer Messegelände, für die ich mich sicherheitshalber schon angemeldet hatte. Gute zwei Stunden konnte ich auf dem dort wichtige Partner, wie zum Beispiel unseren Armaturenhersteller Vola, aber auch Blum und Hettich (Beschläge) besuchen und einige neue kennenlernen.
Auf dieser für uns ungewöhnlichen Messe, haben alle Aussteller die gleiche winzige Standgröße und laden mehr mit Mustern, denn mit Ausstellungsstücken zum Gespräch ein. Zusätzlich gab es spannende Vorträge (ich konnte bei „Prinzipien des zirkularen Bauens“ dabei sein, was uns im regionalen Musterhaus ja nicht fremd ist). Es war meine erste Messe, bei der alle paar Meter alle möglichen Getränke nebst Bier und Sekt angeboten wurden, Brezen verteilt wurden und zusätzlich auch noch ständig Popcorn-Automaten von freundlichem Personal bedient wurden, alles kostenlos für die Gäste. Es war eine interessante Erfahrung und bereicherte meinen langen Tag. Der Heimweg zum Hotel führte in nur neun Minuten über drei Autobahnkreuze.

Der Stand unseres Partners für Badarmaturen Vola aus Dänemark, jeweils ein diagonales Viertel des Standquadrats
Einchecken im Hotel
Gegen 18:30 in die Tiefgarage des Hotels gefahren und beim netten Menschen an der Rezeption den Zimmerschlüssel, äh die Karte geholt. Das Zimmer war das gleiche, perfekt ausgestattete, wie im letzten Jahr, leider diesmal ohne Blick auf den Flughafen. Nachdem ich mich vom letzten Jahr im Hotel ja schon gut auskannte, besichtigte ich schon mal die Hauptbühne, auf der noch einige Vorbereitungen zugange waren.
Frühstück am Donnerstag
Was für ein Glück. Aus dem gleichzeitig mit meinem gegenüber öffnenden Aufzug steigt Yvonne Zwick, die schon seit gut 20 Jahren vom Rat für nachhaltige Entwicklung kenne und schätze. Beim gemeinsamen Frühstück haben wir wieder festgestellt, dass das Maritim wirklich ein tolles Hotel mit geübten Tepan Yaki Künstler für Omeletts und mehr beim Frühstück ist. Nach dem Rat für nachhaltige Entwicklung wechselte Yvonne zu BAUM („Bundesdeutscher Arbeitskreis für umweltbewusstestes Management“), zu Europas führendem Netzwerk für zukunftsfähiges Wirtschaften und nachhaltige Transformation. Wir sprachen über ihre Gedanken, den Nachhaltigkeitspreis europaweit aufzustellen, ob nicht die Firm Loewe, bei der meine Tochter arbeitet, ein Kandidat für den europäischen Nachhaltigkeitspreis sein könnte und dass der gemeinsame Freund Fritz Lietzsch (Forum Nachhaltigkeit) manchmal auch lustige Dinge sagt.
Namensschilder nachhaltig?
Namensschilder finde ich bei allen Veranstaltungen supergut und hilfreich, aber die scheußlichen Bänder um den Hals finde ich doof, selbst, wenn sie für Preisträger andersfarbig und mit SIEGER beschriftet sind. Aber ich wusste mir zu helfen und wurde sehr häufig auf die gute Lösung angesprochen. Noch lustiger war nur, dass Preisträger aus der Plastikecke diese Bänder aus Papier als weniger nachhaltig, als deren eigenen Produkte kritisierten. Na das sollte man mal gründlich analysieren.
Der erste Kongresstag
Auch Yvonne vertrat die Auffassung, dass ob der Kritik im letzten Jahr viele Dinge verbessert wurden und nach den beiden Tagen kann ich das bestätigen. Das Kongressprogramm war mit einem roten Faden verbunden. Die rund hundert Preisträger aus allen Branchen bekamen eine echte Laudatio und vier Minuten Redezeit, allerdings tagsüber und nicht abends auf der großen Bühne. Bei uns waren es im letzten Jahr zwar nur 25 Sekunden pro Preisträger, während der Abendgala. Auch das ist nicht einfach abzuwägen.
Den Anfang machten Dr. Günther Bachmann mit einer einfühlsamen Einschätzung der (miesen) Lage der aktuellen Nachhaltigkeitsdiskussion. Die Neurowissenschaftlerin und Autorin Maren Urner forderte danach in einem grandiosen Vortrag, teilweise vom Sterbebett aus (wenn man schon die „Urne“ im Nachnamen führt …), ein radikales Umdenken. Sie zeigt, wie Unternehmen den lähmenden Krisenmodus verlassen müssen – durch neue Narrative, mutige Führung und konsequentes Handeln. Na dann mal los, dachten wir uns alle im Publikum.
Yvonne hat die anschließende Runde moderiert und ein paar Tage später in einer Reflexion treffend formuliert:
„Der Deutsche Nachhaltigkeitspreis bewies am 4. und 5. Dezember in Düsseldorf, dass er reif geworden ist. Kritik der letzten Jahre wurde nicht nur gehört, sondern aufgegriffen. Wir erlebten an zwei Kongresstagen, was verändert wurde: ein neues Konzept mit weniger parallel laufenden Veranstaltungen, mehr Raum für Erzählungen aus der Unternehmenspraxis nominierter und ausgezeichneter Unternehmen, Begründung der Auszeichnungen schon im Vorfeld des DNP. „Wir“ sind auf einem guten Weg. Dies Reflexion stelle ich in meiner Rolle als ehrenamtliches Mitglied im DNP-Kuratorium an, mit der Idee, auf Basis der frischen Eindrücke zügig weiterzudenken, was möglich ist. Wir müssen schneller werden, schneller sein als destruktive Kräfte und der „politischen Mitte“ ein attraktives Angebot zur Lösung existenzieller Herausforderungen anbieten, das sie nicht ausschlagen kann.“
Das neue Abendprogramm des DNP am 4. Dezember 2025 stand im Zeichen der Klimakrise – und derer, die dran arbeiten sie zu erklären und abzumildern. Die Auswahl der Gäste war wirklich beeindruckend und den Eintritt wert: Wo sind bitte Prof. Dr. Johan Rockström, Prof. Dr. Mojib Latif, Prof. Dr. Maja Göpel, Luisa Neubauer, Vanessa Nakate und Dr. Eckart von Hirschhausen gemeinsam auf einer Bühne? (Es gibt sogar die ganz große Gästeliste mit allen Gästen, auch dem Publikum)
Der Auftritt von Maja Göpel war einer der vielen Gründe meiner Anwesenheit, denn ich schätze ihre Arbeit sehr. Dass sie dann mit den anderen absoluten Fachleuten des Klimawandels auch noch zusammen eine Podiumsdiskussion führt, war für mich das Highlight des Nachhaltigkeitspreises. So viele Kompetenz auf einer Bühne gibt es selten, da muss man als Veranstalter schon einen sehr guten Ruf haben, um diese Menschen alle gleichzeitig mobilisieren zu können.
Aber auch das Aktivistinnenduo von Luisa Neubauer und Vanessa Nakate aus Uganda war spannend zu hören. Luisas Laudatio über Vanessa war ebenso informativ, wie liebevoll. Das berühmte Entfernen der Schwarzen Vanessa aus dem Photo der vier weißen Aktivistinnen von Davos durch die Deutsche Presseagentur DPA war natürlich auch im Gespräch (hier ist dieser Rassismusskandal in der Frankfurter Rundschau nachzulesen).
Eine wahre Freude waren – wie schon im letzten Jahr – die Musikeinlagen, diesmal von Naturally 7 , 7 A capella Musiker, von denen einer sogar Gitarrensoli singen kann. Aber auch alle anderen Instumente werden nicht einfach weggelassen sondern mit der Stimme ersetzt, das ist unglaublich und hier einzeln vorgemacht. Denn in meinem schlechten Video aus der letzten Reihe kommt das akkustisch leider nicht so gut rüber. Deren Musikauswahl, die Begeisterung des Publikums und wiederum deren Freude an demselben waren ein echtes Erlebnis.

Viele Freunde beim Deutschen Nachhaltigkeitspreis: Domitila Barros ist der Sonnenschein der Nachhaltigkeitsszene, hier das Foto von 2024 mit Nachhaltigkeitsurgestein Fritz Lietsch, mit dem wir schon zwei Nachhaltigkeitsmessen mit der Nürnbergmesse veranstaltet haben (Foto Christian Köster)
Der Kongress lud mit dem feinen Essen und Getränken danach zu Gesprächen an Stehtischen ein, ich traf wieder einmal den Allgäuer Biobierbrauer-Pionier Clemens Härle und seine Nachfolgerin Esther Straub, die beide das Paradebeispiel für die gelungene Betriebsübergabe an Nichtfamilienmitglieder sind (so würden wir uns das im Laufe der nächsten 10 Jahre auch wünschen). Den ersten gemeinsamen Auftritt hatten die Brauerei und die Möbelmacher im Buch „Zukunftsfähige Unternehmen“, herausgegeben von BUND und UnternehmensGrün im Jahr 2002 (hier nachlesbar). Kurz nach einer gemeinsame Konferenz bei der Heinrich-Böll-Stiftung im Jahr 2015 kam dann diese Broschüre „Wir sind so frei“ zur Postwachstumsforschung von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU) und dem Institut für ökologische Wirtschaftsforderung (IÖW) heraus, in dem wieder beide Betriebe vorgestellt wurden. Natürlich trank ich in dieser Runde dann das Bier von Clemens, dass schon von Anfang an beim Deutschen Nachhaltigkeitspreis ausgeschenkt wird, denn er war wirklich einer der ersten.
Nach dem Essen traf man sich laut Programm in der Gastro ein Stockwerk höher und ich setzte mich an der Bar neben eine Schwarze Kongressteilnehmerin, dachte ich zumindest. Als ich dann die Lebensgeschichte dieser Krankenschwester aus dem Kongo kannte, bekam ich auch eine Einladung zur Thaimassage, aber weil ich kein wirklicher Massagefan bin (ich hatte wirklich noch nie eine) verabschiedete ich mich flink. Nur um einen Teil des Teams des Nachhaltigkeitspreises in die Arme zu laufen, die zwar eine gut gekühlte Flasche Weißwein hatten, aber keine Gläser. Im Organisieren von Gläsern bin ich Profi, also tranken wir gemeinsam den Wein, erfuhren, dass eine Dame aus dem Team nach Hinterglemm ziehen wird und dass das gleichzeitig der Heimatort unseres Gesprächspartners Fritz Pattis der medeco cleantec GmbH aus Österreich war, der nachhaltige Putzmittel europaweit vertreibt. Jedenfalls wollte dieser noch etwas ausgeben, und irgendwie kam man eher spät ins Bett.
Der zweite Kongresstag mit der Lammsbräu …
Spät ins Bett und auch noch schlecht geschlafen, aber ich wollte unbedingt bei der Preisverleihung an die Lammsbräu dabei sein, also gab es statt Frühstück nur die Buttermilch mit Koffein von der Gläsernenen Molkerei, die im Kongressbereich einen Kühlschrank mit deren grandiosen Produkten ständig nachfüllten (und auch mit dem Nachhaltigkeitspreis ausgezeichnet wurde).
Im letzten Jahr wurde kritisiert, dass für die Preisübergabe an die Sieger nur jeweils 30 Sekunden zur Verfügung standen, das sollte diesmal durch die Einbindung der Preisvergabe in den Kongress mit echten Laudatios und Kurzvortag des Preisträgers besser werden. Das war es im Prinzip auch, nur fehlte jetzt der Auftritt auf der großen Bühne (den wir damals hatten), der ja auch ganz nett war. Hachja, so einfach ist das auch alles nicht zu entscheiden. Die Preisverleihung an Johannes Ehrnsperger wollte ich miterleben, weil wir mit dieser Firma seit unsere gemeinsame Nachhaltigkeitspreis der Stadt Nürnberg (auch mit Faber Castell) schon seit dem Jahr 2003 eng verbunden waren, damals natürlich noch mit seinem Vater Franz, der die Brauerei ein Jahr vor unserer Möbelmachergründung das erste Biobier auf den Markt brachte.
Hotel Luise …
Die zweite mir wichtige Preisverleihung, war die an das Erlanger Hotel Luise, die ebenfalls zu den Pionieren der Nachhaltigkeit zählen, zumal die Entstehungsgeschichte dieses Hotels einen eigenen Roman verdienen würde. Ich erinnere mich an viele lustige Stunden mit seinem leider 2018 verstorbenen Vater Klaus und fand es umso beeindruckender, dass der Sohn mit der gleichen Energie neue Wege der Nachhaltigkeit sucht. Mit ihm und seiner Partnerin, deren Arbeitgeber Uvex ebenfalls einen Preis gewann, durften wir am gleichen Tisch den anschließenden Galaabend genießen und viele Fotos machen. Ist doch wunderbar, wenn die Veranstaltung mehr und mehr junge Menschen einbindet, wir alten sind eh in der Überzahl.
Stefan Schaltegger …
Prof. Dr. Dr. h.c. Stefan Schaltegger ist Professor für Nachhaltigkeitsmanagement an der Leuphana Universität Lüneburg und Gründer und Leiter des MBA Sustainability Management und des CSM. Gemäß Standford World Scientist Ranking gehört er zu den weltweit 2% meist zitierten Forschenden und wir lernten ihn 2005 bei einer grandiosen Veranstaltung WIN-Kongress und HVB-Summer Academy auf der Bundesgartenschau in München kennen und schätzen. Danach hat er mich zu einer seltsamen Veranstaltung eingeladen, nämlich als Juror für die Bewertung der Abschlussarbeiten seiner Studenten in der Ikea-Zentrale.
Die seltsam anmutende Aktion hat Stefan damals im Blog so kommentiert:
Lieber Herr Danzer,
wir möchten uns nochmals ganz herzlich für Ihren engagierten Einsatz als Jury-Mitglied beim Praxisworkshop des MBA-Studiengangs Sustainability Management bedanken! Nicht nur, dass Sie sich extra auf den Weg nach Frankfurt gemacht haben! Auch durch Ihre gezielten Nachfragen, durch Ihre Diskursbereitschaft und die Anerkennung der enormen Leistung der Studierenden, konnten wir letztlich zu einer angemessenen Beurteilung gelangen. Nicht zuletzt konnten Sie mit Ihrem Charme und Ihrem Witz die Studierenden ein wenig in Ihrer Anspannung erheitern und haben damit zu einer sehr angenehmen Atmosphäre während der Präsentationen gekonnt beigetragen!
Nachhaltige Grüße aus Lüneburg
Prof. Dr. Stefan Schaltegger
Aber es kam noch seltsamer: Dabei wiederum lernte ich Ikea-Green-Chefin Mareke Wieben so gut kennen, dass sie vorschlug, mit allen Ikea Green Mitarbeitern aus allen Häusern, 52 an der Zahl, einen Workshop bei den Möbelmachern in Unterkrumbach zu veranstalten, was 2007 dann mit dem Titel „Betriebsspionage in einem nachhaltig wirtschaftendem Betrieb“ verwirklicht wurde.
Aber zurück zum Kongress 2025 und der Diskussion zusammen mit Yvonne Zwick: Irgendwie ist jeder Vortrag und auch diese Diskussion ein Deja Vu, weil die Grundideen der Nachhaltigkeit dieselben geblieben sind, nur ging es in diesem Fall um die Lieferketten und warum es auch ohne Druck von außen Sinn macht, sich rechtzeitig damit zu beschäftigen.
Session mit Dagmar Fritz Kramer zum Thema Bauen im Bestand
Dagmar Fritz-Kramer, die Chefin von Baufritz und Trägerin des Deutschen Umweltpreises (gegen den alle anderen Preis verblassen) hat Innenarchitektur an der Fachhochschule Rosenheim studiert. Wir durften sie 2006 in Frankfurt auf der 20 Jahre Jubiläumsveranstaltung von future e.V. kennen lernen und seitdem sind wir Fan dieses Holzhausbauers, aber auch dieser Powerfrau. Die Session rund um Bauen im Bestand beim Nachhaltigkeitspreis war einer meiner Pflichttermine und ich war von der Vielseitigkeit dieser Firma überrascht, die ich eben eher mit dem schönen Einfamilienhaus, aber nicht so sehr als raffinierter Problemlöser für Altbauten kannte. Wenn wir die obere Grafik aus dem Jahr 2006 anschauen, können wir wohl sicher sein, dass Baufritz auch beim globalen Denken und der Dienstleistungsorientierung das beste Produkt am Markt überholt hat.
Nach der Session haben wir noch einige gemeinsame Erinnerungen ausgetauscht und bei der Gala, war sie von den Musikern wohl noch mehr begeistert als wir, aber sie ist halt auf den großen Bühnen zuhause.
Der Streik während der Preisverleihung an Jungheinrich direkt vor der Hoteltür
Nunja, das ist schon komisch, wenn man innen einen Preisträger feiert, gegen den sich vor der Hoteltür der Protest wegen einer oder mehrerer Werksschließungen richtet. Schon immer waren ganz viele Preisvergaben umstritten, weil sie häufig nur einen kleinen preiswürdigen Ausschnitt eines Betriebes betrafen. Zusätzlich können sich nach der Jurysitzung ja auch noch neue Faktoren herausstellen, die nicht sooo gut zu einem Preis passen. Das was mir die Protestierenden erzählt haben, passt wirklich nicht zu einem Nachhaltigkeitspreisträger, weshalb ich dem Laudator vor der Preisvergabe noch das Flugblatt von Verdi zusteckte, nur dass er nicht überrascht ist, wenn doch jemand etwas zu diesem peinlichen Thema vorbringen würde.
Aber er hat es, wie alle anderen ignoriert, ich hätte auch keine gute Alternative gewusst, weil er ja die Aufgabe hat , den Preis zu übergeben und nicht ihn zu kritisieren. (Ich selbst habe auch schon viele Gerichte bei Kochshows gelobt, obwohl die gar nicht mal so gut waren). Im Video sieht man, dass diese Aktion auf Instagram Erwähnung fand. Gabriele Maurer hat als Vice President Sustainability bei der Jungheinrich AG den Siegervortrag gehalten. In dieser Position verantwortet sie die weltweite nachhaltige Transformation des Lösungsanbieters für die Intralogistik und wir haben einen kleinen, wichtigen Ausschnitt davon ins Video geschnitten.
Die Abendgala mit Menü
Vor der Saalöffnung tauschte ich mich im VIP-Bereich (für die Sieger, auch für die vom letzten Jahr) mit . kurz aus. Auch er bedauerte ein wenig den Verlust der großen Bühne für die Preisträger, aber man musste auf die Kritik der mangelnden Transparenz reagieren, die ein unbegründeter Preis in 25 Sekunden verursacht. Wie in vielen Branchen, besonders in den nachhaltigen, ist es für alle gerade nicht leicht, das betrifft auch den Preis selbst, und dessen schwierige Finanzierung in diesem Umfeld mit Glamour, trotz finanzmächtiger Sponsoren, von denen nicht alle für Glaubwürdigkeit stehen (viel mehr dazu, habe ich schon im letzten Jahr geschrieben und auch alle unsere Kosten offen gelegt).
Ob ausgerechnet unsere umstrittene Bundestagspräsidentin Julia Klöcker als Schirmherrin dieses Preises eine gute Wahl ist, bezweifle ich, vermutlich is t es eher Wasser auf die Mühlen der Preiskritiker, denn als Landwirtschaftsministerin hat sie sich durch ihre Nähe zu Nestle oder andere Konzerne wirklich keinen guten Namen gemacht und ihn als Regenbogenflagge verweigernde Bundestagspräsidentin auch nicht gerade verbessert.
Das Abendessen
Das vegane Essen von Sophia Hoffmann begeisterte ganz viele Gäste, ich fand es vor allem im Gegensatz zu dem von Nelson Müller im letzten Jahr nicht sooo doll, aber das lag wohl auch an der seltsamen Beleuchtung im Saal, die nichteinmal einen objektiven Blick auf den Teller zuließ. Dafür waren die eingeladenen Gäste umso beeindruckender.
Ich bin wahrlich weder Bunte-Leser noch Royal Fan, aber die Geschichte um die lange Zusammenarbeit der Primaveragründer mit dem Königshaus Buthan begeistert mich dann doch. Her Royal Highness Princess Ashi Dechan Yangzom Wangchuck ist die Tochter des vierten Königs und die Schwester des fünften und Ihr Mann und seine beiden Söhne begleiteten sie. Sie hielt eine sehr emotionale Laudatio und der Rahmen konnte für Primavera nicht feierlicher sein. Als dann noch die ganze Familie auf die Bühne kam, war ich, nicht zuletzt ob einer Filmeinspielung mit den Hintergründen, wirklich beeindruckt vom Lebenswerk der Primavera-Firmengründer und der königlichen Familie.
Philipp Starck
Nach der Preisverleihung an Ben Förtsch habe ich gleich den Saal gewechselt, um den Vortrag von Philippe Starck miterleben zu können, leider haben viele Zugverbindungen an diesem Tag nicht geklappt, weshalb wir ihn nur kurz während der Gala hörten, schade.
Die Nacht nach der Gala …
… habe ich ausnahmsweise im Bett verbracht, weil ich früh raus wollte. Denn für Samstagabend hatten wir rund 80 Gäste zur Feier von Ute und herwig Danzers 50-jährigem Jubiläum eingeladen, denn seitdem „gehen sie zusammen“. Das ist natürlich superdoof, wenn man vor so einer Feier schon am Mittwoch Morgen abreisen muss, also wollte ich wenigsten früh zuhause sein, um wenigstens noch bei den letzten Vorbereitungen helfen zu können.

Schnelles Frühstück, auschecken und schnell nach Hause, habe ich dann auch von Parkhaus bis Wohnungstür ohne Zwischenstop bis 5 vor 12 Uhr geschafft, also knapp Highnoon.
Resümee: Zwischen Glamour, Kritik und echter Substanz
Die Tage in Düsseldorf waren ein intensiver Mix aus fachlichem Tiefgang und Glamour, den das Thema Nachhaltigkeit auch mal vertragen kann. Auch wenn die Preisverleihung an Großkonzerne und die politische Schirmherrschaft immer wieder für Reibungspunkte sorgen, bleibt für mich das Wichtigste: Die Begegnungen mit Menschen wie Maja Göpel, Dagmar Fritz-Kramer, Prof. Schlategger oder den Pionieren von Primavera zeigen, dass die Szene lebt und gottseidank gibt es Nachfolger in den folgenden Generationen, wei beim Hotel Luise oder der Lammsbräu.
Der Preis ist nicht perfekt, aber er ist ein wichtiges Signal in einer Zeit, in der der Wind für die Nachhaltigkeitsidee rauer weht. Für uns als Möbelmacher war es eine Ermutigung, den eingeschlagenen Weg – von der regionalen Waldschöpfungskette bis zum Engagement für die Demokratie – konsequent weiterzugehen. Denn am Ende gibt es zu ökologischem und sozialem Handeln keine vernünftige Alternative.
Nachtrag
Die Möbelmacher haben sich in ihrer Kernteamsitzung am 17. Dezember gemeinsam entschieden, der Allianz gegen Rechtextremismus der Metropolregion beizutreten, irgendwie hat man damit das Gefühl, damit etwas Sinnvolles für den Erhalt der Demokratie zu tun.
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Der Deutsche Nachhaltigkeitspreis 2025 für die Möbelmacher auf der Homepage
- Alles über den Deutschen Nachhaltigkeitspreis 2025
- Die Presse, Radio und Fernsehen zum Nachhaltigkeitspreis der Möbelmacher
- Haufe-Sustainability: Auf dem Holzweg zu nachhaltigen Wirtschaftskreisläufen
- Der Deutsche Nachhaltigkeitspreis 2025 im Nachhaltigkeitsblog
Alle Preitsträger und eine kurze Begründung sund ganz viele tolle Fotos sinda uf der Hompage des Nachhaltigkeitspreises zu finden.
































Lieber Herwig, vielen Dank für deine ausführliche Veranstaltungskritik und die Bezüge, die du herstellst. Was müsste deiner Meinung nach denn Beachtung finden auf dem Weg dazu, in deinen Augen perfekt zu sein? Ich mache am 21.1. einen BAUM-internen Stakeholderworkshop dazu exklusiv für Mitglieder (und solche to be, vielleicht gibste dir ja einen Ruck ;-)) – da könnte ich deine Gedanken direkt mitnehmen.
Liebe Yvonne,
Du hast ja schon drauf hingewiesen, dass es sich in diesem Jahr schon in die richtige Richtung weiterentwickelt hat und dass auf Kritik reagiert wurde, deswegen wollte ich ja auch nochmal hin. Meine Gedanken:
+ Ein wenig mehr Transparenz über die Finanzierung (vollständig ist bei lauter Einzelverträgen gar nicht möglich) würde wohl denen den Wind aus den Segeln nehmen, die den Preis als „Geschäftsmodell“ geißeln, obwohl ich nicht sicher bin, ob bei diesem immensen Aufwand überhaupt irgendwo Geld übrig bleibt.
+ Viele Preisentscheidungen waren etwas zweifelhaft. Zwar verstehe, aber unterstütze ich nicht, dass oft nur Einzelaspekte für die Preisverleihung herangezogen werden, aber irgendwie sollte ein „würdiger“ Preisträger zum Beispiel nicht eine IG-MEtall-Demo vor die Hoteltür holen. Vielleicht könnte die Erfahrung von BAUM hier herangezogen werden, dass soziale Aspekte der Nachhaltigkeit nicht hinten runterfallen?
+ Der Rechtsanwalt an sich klagt natürlich gerne gegen nicht so wahnsinnig fundierte und ziemlich bissige Kritik, aber so nachhaltig kommt man mit einer SLAPP-Klage, wie die gegen das „Unordnungsamt“ auch nicht in den fruchtbaren Dialog? Aber ich kenne den Fall natürlich nicht genau.
+ Irgendwie würde ich mir noch eine Kommunikationsplattform mit allen Teilnehmern wünschen. Man hofft zwar, sich dann Morgen nochmal zufällig zu treffen, aber durch die vielen unterschiedlichen Sessions hat das bei mir nicht wirklich funktioniert. (Weiß schon, Datenschutz und schon hundertmal probiert und die Promis werden bombardiert, aber vielleicht gibt es ja schon wieder was Neues in diesem Internet?) Achja, Michael Schwienbacher hat beim beyond economy Treffen Slack eingesetzt.