von | 7. Februar 2022

„Zirbenholz und Alpenmord“ – Ein Krimi, der uns den „Tod durch Zirbenholzbrett“ erklärt

Allgemein, Bücher | 0 Kommentare

Wir bauen für unsere Kunden gerne auch Betten aus Zirbenholz, aber nur, wenn der Wunsch nicht aus einer vermeintlich wissenschaftlichen Studie entstanden ist, die jeglichen wissenschaftlichen Anforderungen entbehrt. Darüber haben wir hier im Blog einen Aufsatz geschrieben, der sich auch mit einer Doktorarbeit beschäftigt, die versucht das Phänomen zu erkunden, wie der Zirbenhype überhaupt entstand. Die Kurzform ist, es war eine geschickte Marketingaktion und Mogelpackung von Forstleuten, die Langform haben wir mit allen Quellen und Hintergründen hier in diesem Beitrag aufgearbeitet.

Aber darum geht es in dieser Buchbesprechung nur am Rande, trotzdem entstand sie aus just jener Vorgeschichte. Denn seit dieser Zeit habe ich einen Google Alert auf „Zirbenholz“ abonniert. Das bedeutet, dass mir Google alle im Netz auftauchenden Nachrichten über die Zirbe wöchentlich per Mail schickt.  Und da erschien vor ein paar Tagen die Überschrift „Zirbenholz und Alpenmord“, die ich zunächst für eine kritische Stellungnahme von Naturschützern zur Zirbennutzung  hielt.  Dann habe ich aber die ganze Nachricht gelesen und mir den gleichnamigen Krimi in der Buchhandlung bei Martin Lösch gleich bestellt. Er stammt von einem aus Bad Ems kommenden Sparkassenangestellten (JG 1975), der in Düsseldorf lebt und die Alpen liebt. Lustigerweise ausgerechnet das Allgäu und das Zillertal, welches wir selbst schon zigfach bereist haben, wo wir gute Freunde und schöne Küchen (u.a. mit Foto vom Nebelhorn) haben und deren Berge und Skilifte wir fast so gut, wie den Hansgörgel kennen.

Der Krimi „Zirbenholz und Alpenmord“ hat leider nicht viel mit der Verwendung der Zirbe zum Möbelbau zu tun, trotzdem hat mir Sven Kellerhoff mit seinem „Allgäu-Krimi“ einen unterhaltsamen Abend, fast Nacht beschert, denn ich habe ihn auf einen Datz gelesen.

Den Ermordeten hat man in einem neuen Stützpfeiler für den geplanten Skilift versenkt und bei ihm fand man schon auf Seite 24  Zirbenkiefernadeln in der Hosentasche. Weil es den Baum aber im weder im Allgäu noch bei uns gibt (weshalb wir ihn nicht gerne verwenden), führt die Spur ins Zillertal, wo daraufhin vier ganz unterschiedlich sozialisierte Polizisten – „Schlamm trifft Schick“ (S.12) – zusammenarbeiten müssen. „Schick“ ist eine ausgesprochen gutaussehende langhaarige, blonde Minifahrerin, die bis dato das Wochenende lieber in den Münchner Shoppingmalls und Clubs, als in den Bergen verbrachte.

Auf Seite 123 erklärt die Gerichtsmedizin bei zwei weiteren Leichen den „Tod durch Zirbenholzbrett“, was für unsere Argumentation gegen die Zirbe leider nicht hilfreich ist. Denn jenes Brett wurde zwei unliebsamen Bekannten des Mörders sehr kräftig ins Gesicht geschlagen, der Tod hatte also rein mechanische Gründe, das hätte mit jedem anderen Brett genauso funktioniert. So wie wir auch gesunde Betten aus anderen Hölzern als der Zirbe bauen können, die noch dazu nicht so extrem riechen.

Der Krimi ist nicht zuletzt wegen der FKK-Eskapaden am sommerlichen Campingplatz durchaus unterhaltsam für Menschen, die Krimis mögen. Wie bei vielen Regionalkrimis, ist die Begeisterung aber auch damit zu erklären, dass man die beschriebenen Schauplätze genau vor Augen hat und dass man meint, die Hüttenwirte schon mal gesehen zu haben.

„Anna schmeckt der selbst angesetzte Schnaps wohl hervorragend, und auch Leopold war begeistert von dem feinen Geschmack und dem Duft der Zirbe (S. 172).“

Ich könnte mir gut vorstellen, dass die Verfilmung des Romans mit attraktiven Schauspielerinnen und kernigen Tirolern ein Erfolg werden könnte. Wer schreibt schon mal das Drehbuch, in dem es gegen Ende auch einige Stunts und Aktionszenen nebst Hubschrauber zu bewältigen gäbe?

„Durch den Fahrtwind, der durch ihr Cabrio wehte, konnte man Anna kaum verstehen. „(…) Es hat mir wirklich gut gefallen, hier in den Bergen.“  (…) Anna zog links an Leopold (s Wohnmobil) vorbei und brauste davon. Nur wenige Sekunden konnte er ihre wehenden blonden Haare noch sehen, bevor der Mini um die nächste Kurve herum aus seinem Blickfeld verschwand.“

Unsere Argumentation für heimisches Holz aus Franken kann also selbst der Satz „Tod zur Zirbenholzbrett“ nicht untermauern, macht ja nix, es waren  spannende 250 Buchseiten und dreieinhalb Stunden Auszeit, herzlichen Dank dafür an Sven Kellerhoff.

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Der Autor

Sven Kellerhoff bei Facebook

Hier ist der Möbelmacherbeitrag über den Zirbenhype nachzulesen

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