Was bisher geschah: zwischen Berlin und Unterkrumbach
Die Kurzgeschichte der SynergisTen ist hier (Berlin) und hier (Unterkrumbach nachlesbar):
Die SynergisTen entstehen gerade aus einem 14-jährigen Nachhaltigkeitspreis, dessen Wettbewerbscharakter nicht mehr zeitgemäß erscheint. Der Deutsche Lokale Nachhaltigkeitspreis Zeitzeichen wurde 2020 zum letzten Mal vergeben. Wir haben ihn 2010 gewonnen, waren also mittendrin, und Martina Eick vom Umweltbundesamt strebt nach einem Bündnis ohne Wettkampf:
„Transformation braucht Gemeinschaft und Kontinuität.
Die Synergisten sind ein Bündnis, das für kollektives Lernen, Austausch und gemeinsame Lösungsentwicklung steht – zusammen wollen wir nachhaltige und sozial gerechte Innovationen auf kommunaler und regionaler Ebene erreichen. „
Im November 2025 versammelten sich rund 25 aus der Preishistorie ausgewählte Menschen, von denen Ute und ich als einzige Unternehmer dabei waren. Wir arbeiteten zwei Tage lang am Neubeginn. Abends entstand in einem heimeligen italienischen Restaurant die Idee, das nächste Treffen als Festival zu feiern, und zwar bei uns in Unterkumbach. Für unsere potentiellen Nachfolger wollten wir die große Veranstaltung am Samstagabend nutzen, um sie unseren Gästen vorzustellen und eine raffinierte Verbindung zwischen SynergisTen-Festival und den Unterkrumbacher Werkstatt-Tagen herzustellen.
Im April kamen die Vorbereiter nach Unterkrumbach. Wir haben zwei Tage lang mit mehr Zetteln gearbeitet, als unsere Sozialküche je gesehen hat, ernsthaft und auch kontrovers diskutiert (was dem Ergebnis gutgetan hat) und zwischendurch ein Weideschwein in Panko gewendet, obwohl das Umweltbundesamt weder Fleisch noch Alkohol bezahlen darf, aber in Unterkrumbach werden Probleme pragmatisch gelöst. Am Ende stand die Struktur für das erste SynergisTen-Festival im Rahmen unserer 26. Werkstatt-Tage (25.9. bis 27.9.).
Und jetzt war es so weit.
Die SynergisTen in der Fuchsau
Da wir im April schon ahnten, dass das mit unseren Nachfolgern gar nicht sooo sicher ist, haben wir Martina vorsichtshalber das wunderschöne Gelände der Fuchsau als alternativen Veranstaltungsplatz gezeigt und dort auch mit Chefin Sybille Rau gesprochen. Und so kam es, dass wir nach der Absage unserer Nachfolger unsere Werkstatt-Tage absagten, denn eine große Veranstaltung sollte nicht von einer ungewissen Zukunft eingerahmt werden.

Sooo voll war es einst bei unseren Werkstatt-Tagen in der Werkstatt und so hätten wir es uns für unsere Nachfolger zum Einstieg gewünscht
Die Übernachtung war in Kleedorf im alten Schloss geplant. Unsere anfängliche Euphorie mit der Anzahl der reservierten Zimmer wurde zwar vertragskonform, aber leider nicht frühzeitig genug korrigiert. Denn aus der ursprünglich publikumswirksam gedachten Veranstaltung entwickelte sich eher eine SynergiTen-Klausur-Tagung und so schrumpfte der Bettenbedarf von 50 auf 18 Betten und der Getränkebedarf auf ein Viertel.
Trotz einer kurzfristigen Änderungsoffensive von Frank Braun und Ute Danzer beschloss die Gruppe außerdem, sich in der Fuchsau durchgehend selbst zu versorgen. Also floppte unsere ursprüngliche Idee, die Veranstaltung als Unterstützung unserer Gastro in der Nachbarschaft zu planen. Das tut Ute und mir sehr leid.
Der Freitag
Mit sehr angenehmen Menschen perfekt vorbereitet, pünktlich geliefert und auch wieder abgeholt wurden die köstlichen Getränke der Lammsbräu, die die gesamte Nachhaltigkeitsbewegung schon mindestens seit 2003 unterstützt. Das wissen wir nicht zufällig, weil wir 2003 gemeinsam mit der Lammsbräu und Faber Castell den Nürnberger Nachhaltigkeitspreis gewannen, und schon damals war Dr. Franz Ehrensperger der Biobierpionier Deutschlands. Letztes Jahr gewann sein Sohn Johannes den Deutschen Nachhaltigkeitspreis, den wir im Jahr davor schon erhielten.
Eigentlich gab es für den Freitag schon erste Programmpunkte, die einigen Staus in ganz Deutschland geschuldet zum Opfer fielen. Nur durch ein glückliches Missverständnis („ich dachte alle müssen etwas zu essen mitbringen“) und einen spontanen Einkauf des Validierers gab es dann doch etwas zu essen, denn die eingeplante Verpflegung war ob des Freitag-Verkehrs noch auf der Autobahn.
Mit dem guten Biobier, Rabans Dosenwurst und Berliner Brot war der Abend nicht zuletzt durch die Jukebox von Gastgeber Georg Rauh interessant, wenn auch nicht sehr produktiv. Das von uns extra gefertigte Diskussions-Stapelspiel ähnlich Jenga ist uns leider nicht eingefallen.
Nur bedingt euphorisch brachten wir Frank Braun zum Hotel und ich beichtete im Auto, dass ich am Samstagmorgen Termine hätte. Dummerweise baute aber sein Vortrag auf einem Dialog mit mir auf, also bat ich ihn, die Reihenfolge der Vorträge zu tauschen, ich würde alles versuchen, um rechtzeitig da zu sein.
Der Samstag
Ich sagte einen Termin über Mittag rechtzeitig ab, verhinderte den Besuch einer anrufenden Kundin, die vorbeikommen wollte, und düste eilig nach der Besprechung über viele technische Details zu Griffen und Stahlsorten für unsere neue Showküche in die Fuchsau, was dann immerhin drei Minuten Fahrzeit bedeutet.
Dort diskutierten wir im Stuhlkreis intensiv die Zukunft der SynergisTen, deren bisherige Finanzierung durch das Umweltbundesamt Ende September ausläuft. Die aufwändige Feedbackrunde „Wo stehen die Synergisten 10 Monate nach dem Bündnisstart in Berlin“ führte zu wichtigem Austausch, aber auch zur Absage von Franks Beitrag, schluck. Trotzdem war just diese Gesprächsrunde ein Meilenstein dieses Bündnisses, denn so langsam kristallisierte sich dank Laura Jenuweins (Solarcamp for future) einfühlsamer Moderation eine gemeinsame Richtung heraus.
Das kalte Mittagessen wurde durch die köstlichen Lebensmittel der Meierei von Hans Möller (der Glückliche) bereichert. Danach begann bei wunderbarem Wetter die Wanderung entlang des Fuchsau-Rundwegs, die Ute als einzige temporal und inhaltlich planmäßig ablaufende Veranstaltung leitete.
Fuchsau-Rundweg
Utes Führung und die vielen originellen Aktionen am Fuchsaurundweg (unsere Sonderseite zum Fuchsaurundweg) brachten eine gutgelaunte Gruppe nach Unterkrumbach, die ihre unterwegs aufgesammelten Besonderheiten aus dem Wald in einem Moodboard (Stimmungs- oder Inspirations-Installation?) vor unserem Haus in Form brachte.
Zusätzlich boten wir noch unsere übliche Möbelmacherführung „Vom Baum zu Tisch“ durch Holzlager, Werkstatt und Ausstellung und Stephan Groß stellte sein zeitlich befristetes Kunstwerk aus Holzteilen aus unserer Werkstatt vor, die danach wieder in unseren normalen Kreislauf eingebunden werden, oder noch eine Zeitlang unsere Besucher erstaunen wird.
Wieder zurück in der Fuchsau teilten wir uns in drei Arbeitsgruppen auf und sammelten weiterführende Gedanken zur „synergisTischen Haltung“, zu den „SynergisTen Lokal“ und zu deren „Visionen.“
Exkurs Sitzordnung
Die Hütte der Fuchsau bietet bei vernünftiger Tischaufstellung mindestens 35 Menschen Platz. Abzüglich 6 Plätzen unseres „Buffet-Tisches“ bleiben 29. Schon am Freitag führten eine seltsame Umstellung und die vielen Rucksäcke auf den Bänken zu Platzproblemen, die für das samstägliche Abendessen aber noch perfektioniert wurden.
In der Zwischenzeit hat Ute unter anderem fränkisches Schwarzbrot besorgt, welches ich vorsorglich aufgeschnitten habe, um das Chaos am Lebensmitteltisch ein wenig zu verkleinern. Aber die Anordnung der Tische zum U, welche bei ausreichend Platz ja einige Vorteile hätte, führte zu einer Platzreduktion auf maximal 19 Plätze. Weil aber stirnseitig nur 3 Menschen Platz nahmen und man bei diesem U schwer nachrutschen kann, aßen 5 von 20 Teilnehmern (alles Männer, also ist die Formulierung selbst in unseren Genderkreisen korrekt) im Stehen. (Diesen Klugscheißer-Einschub eines Einrichters konnte ich Euch allen leider nicht ersparen, deswegen auch die grafische Argumentation zur Erläuterung).

Daniela Weinand hält einen Vortrag ganz ohne Technik, der von ihrer Kompetenz, ihren Erfahrungen und ihrem Humor getragen wird
Vortrag: WIR!-Bündnis Elbe Valley Grüne Werkstatt Wendland e. V.
Daniela Weinands Vortrag nach dem Abendessen war ein ausgesprochen spannender Einblick in andere Bündnisse oder Netzwerke (das ist nicht das Gleiche, aber auch nicht dasselbe und es bleibt kompliziert). Die Aufnahme ihrer Initiative in die mit 1,2 Millionen geförderte WIR!-Szene hatte wohl nicht zuletzt mit ministeriellen Beziehungen zur Erfinderin des WIR!-Förderprogramms zu tun, aber es ist ja schön, wenn diese auch mal zu richtigen Entscheidungen führen und nicht zur Gasförderung durch Reiche Politiker. Weil die Unis mit ihrer Initiative nicht so richtig zusammenarbeiten wollten, hat sie kurzerhand ein eigenes Institut gegründet. Sie ist eine coole Socke, wie der Franke sagen würde, und beschrieb ihren kreativen Umgang mit allen Behörden, Stakeholdern und Menschen, um ihre Region und ihr Bündnis zu stärken. Respekt und danke für den Vortrag!
Die intensiven Diskussionen in solchen Runden führen anschließend nicht selten zu enormen Zeitverbrauch, aber auch wenn sie den Rest des Programms auffraßen, lernten die SynergisTen daraus viel für ihre eigene Zukunft.
Seltsamerweise bekam ich während des Vortrags Schmerzen im Ellenbogen (Mäusle), reine Nervensache, die man wohl laut Dr. Internet als Kubitaltunnelsyndrom bezeichnet, was mich am Sonntag von einer weiteren Teilnahme abhielt. Darauf verlassend, dass einmal Danzer (also Ute) auf einer Veranstaltung auch reichen muss.
Der Sonntag
Aber es waren nicht nur Nerven im Ellbogen, sondern auch die vielen Fragezeichen der Nachfolgelösungen, die gerade Nerven kosten. Also bitte ich für mein Ausklinken am Sonntag um Verständnis und Entschuldigung. Ich nutze die Zeit mithilfe großer Dosen und Tuben Diclofenacs (Voltaren) für andere Baustellen. Gleichzeitig bot ich aber auch an, die kulinarische Versorgung mittels heimischer Gastronomen für das Mittagessen als Lieferando aufzupeppen. Aber da waren alle zu nachhaltig aufgestellt, um die Reste der Vortage nicht nutzen zu wollen. Vor allem bei dem Kaiserwetter, welches den Lunch im herbstlichen Garten der Fuchsau ermöglichte. Diesmal unter Utes Zutun, welches den Teenager-WG-Stil der letzten Tage deutlich verbesserte.
Vor dem Essen kümmerten sich wieder unterschiedliche Gruppen um Kommunikationswege (Sichtbarkeit nach außen), Strukturen (Rechtsform) und Termine (nächstes Festival beim glücklichen Hans Möller in Horst, nördlich von Hamburg) im Oktober 2027. Wir freuen uns schon drauf.
Fazit
Es gab wie immer Verbesserungspotential, aber insgesamt war die Veranstaltung ob der beeindruckend engagierten und lieben Menschen wieder Balsam im Alltag aller Nachhaltigkeitsfuzzis. Denn der ist nicht zuletzt dank aktueller Politik nicht selten frustrierend. Die sympathischen SynergisTen nähern sich wohl im Oktober 2027 den Windmühlen in Holstein und werden auch ohne Förderung aber weiterhin in Begleitung des Umweltbundesamtes eine coole Gang bleiben. So geht es weiter:
Sollte jemand diese liebenswerte Idealistengruppe jeden Alters beim Lesen ins Herz geschlossen haben und sich uns SynergisTen anschließen wollen, ist sie und er herzlich eingeladen. Wir freuen uns über Mitstreiter für die wir gerade die Eckpunkte unserer Haltung erarbeiten, hier schon mal ein nach meiner Meinung sehr treffender und hoffentlich attraktiver Vorentwurf von Christopher:
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- Bei den Synergisten sind sozial-ökologische Projekte versammelt und Menschen, die sich für sozial-ökologische Themen einsetzen.
- Nachhaltigkeit erachten wir als überaus wichtig.
- Wir interessieren uns füreinander und lernen unserer Projekte und uns gegenseitig kennen.
- Wir gestalten Kooperationen und gemeinsame Projekte.
- Wir entwickeln gemeinsame Positionen und vertreten diese gemeinsam.
- Wir bearbeiten Themen in offenen Kreisen (Zellen), die bei Bedarf entstehen und ohne Bedarf wieder verschwinden.
- Wir sehen uns als Lernfeld für gesellschaftliche Transformation.
- Wir teilen unser Wissen und sind offen für alle Menschen.
[Bild: Kochen mit allen] - Wir sind lebensfroh, lernoffen und Zukunftsmutig (auch Scheitern gehört dazu).
- Unser Kernanliegen sind die UN-Nachhaltigkeitsziele und die sozial-ökologische Transformation
- Unsere Arbeitsweise ist kooperativ – Konkurrenz lehnen wir ab
- Wir teilen unser Wissen und sind bereit, Neues zu lernen und neue Wege zu gehen
- Für unsere Ziele arbeiten wir offen mit Anderen zusammen
Rufen Sie uns einfach an, wenn Sie Interesse oder/und Fragen haben: 09151 862 999.
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Eine pdf-Datei über diese Veranstaltung vom Institut Nexus ist hier zu finden: Synergisten Festival_2026.pdf – WE-Cloud
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Die Kurzgeschichte der SynergisTen ist hier (Berlin) und hier (Unterkrumbach) nachlesbar.
Und es gibt eine neue Kategorie SynergisTen in der Navigation.
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Das ist der treffende Kommentar in der Mail von Carina Brumme von Nexus:
Liebe alle,
letztes Wochenende vom 25.9-27.9. hat das Synergistenfestival in der Fuchsau stattgefunden – Es war ein in mehrerer Hinsicht wirklich spannendes Ereignis,
bei dem etliches anders als geplant verlief und doch, denke ich, gerade deshalb vieles initiert hat und noch auf den Weg bringen wird. z.B. Ansätze für neue Strukturen und für ein gemeinsames Selbstverständnis der Synergisten und vorrausichtlich auch den Festivalort für 2027.
Dazu passte auch der erhellender Blick über den Tellerand mit Daniela Weinand vom WIR!-Bündnis Elbe Valley, die ihre Erfahrung mit der Entwicklung andere Bündnisse mit uns geteilt hat – nicht nur bei ihrem Input, sondern über das ganze Festival hinweg. Neukennenlernen durften wir auch Laura, die spontan für Katharina einsprang und während einer Diskussionen, die ziemlich Fahrt aufgenommen hatte, ebenso spontan anbot, diese zu moderieren (und das dann auch noch super gemacht hat). Dankeschön an Daniela und Laura und natürlich auch an alle anderen, die auf dem Festival 2 Tage lang diskutiert, moderiert, Ideen und Kritik eingebracht und so die Basis für die Zukunft der Synergisten gestaltet haben. Nicht zu vergessen, diejenigen, die das Festival vor Ort selbst mitorgansierten, Raum und Material zur Verfügung stellten, zur Verköstigung beitrugen etc. – allen voran herwig und Ute Danzer sowie Hans und Anette Möller. (Wie großartig Butter, Milch &co aus der Meierei schmecken, kann auf dem Festival 2027 u.U. selbst probiert werden) und schließlich vielen Dank natürlich an Martina, die bei der Orga des Festivals, etliche Eckpunkte selbst in die Hand nahm.
Herzliche Grüße
Carina
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