Ich brauchte neue Schuhe, also musste ich nach Paris fahren. Wir haben den Schuhkauf natürlich geschickt mit dem Nachhausebringen unseres Enkels Leopold und der Lieferung eines Symphony-Relaxsessels verbunden und zwei Tage später einer Hochzeit der französischen Verwandtschaft in Nevers beigewohnt. Danach nahmen wir das Angebot unserer Tochter Laura an, sie auf der Dienstreise nach Madrid zu begleiten, quasi „betreutes Reisen“.
Im Schuhladen begrüßte uns eine Schwarze Verkäuferin aus Bayern mit „Boar, schua?“ Worauf ich sprachgewandt antwortete: „Qui, in Noire, s’il vous plaît (Ja in Schwarz bitte). Wenig später war das Schuhproblem schon mal gelöst und der Sessel Symphony wurde von einem Spezialkommando der französischen Feuerwehr auf Verkehrssicherheit untersucht. Denn wenn ein Sessel in Belgien produziert, in einer deutschen Ausstellung verkauft und nach vielen Jahren nach Paris geliefert wird, muss das schon feuerpolizeilich überprüft werden – wo kämen wir denn da hin?
Teil 1: Im Gastroladen Dehillerin

Fette Beute im E. Dehillerin, dem berühmtesten Fachgeschäft für die Gastro, vermutlich sogar weltweit
E. (Eugene) de Hillerin ist wohl das weltweit bekannteste Fachgeschäft für Küchenbedarf und Gastronomieausrüstung. Das Geschäft im 1. Arrondissement von Paris ist ein Pilgerort für kochbegeisterte Menschen. 2018 haben wir zum ersten Mal über diesen Laden berichtet, weil uns Stefan Rottner um einige Mitbringsel für seine Lehrlinge bat. Diesmal nahm ich zwei Ringe mit, mit denen ich am Tepan Yaki experimentieren möchte, einer davon sogar verstellbar. Wir werden berichten …

Vorab nur so viel, denn manchmal wäre eine Seitenbegrenzung am Tepan vielleicht hilfreich, diese hier ist sogar im Durchmesser verstellbar
„Gegründet wurde das Unternehmen 1820 von Eugène de Hillerin und befindet sich seit über 200 Jahren am selben Ort nahe dem einstigen Pariser Großmarkt Les Halles. Das Motto des Hauses lautet bis heute: „Bescheidene Mithilfe zur Förderung der französischen Küche.“ Die 200 Jahre spürt und riecht man in der Tat in jedem Winkel dieses Ladens, im Schaufenster, aber vor allem im Keller, aber trotzdem finde ich immer wieder Dinge, die ich noch kannte, und natürlich wahnsinnig viele Touristen, weil er in jedem Reiseführer erwähnt wird.
2018 habe ich dort eine sehr lange Palette für den Tepan (grandios für Fisch, aber leider nicht sehr schön) entdeckt, die bei uns die Fachbezeichnung „Parispalette“ erhielt und für deren Nachschub immer unsere Tochter Laura sorgen musste. Einst entdeckte der in der Zwischenzeit daran schon gewöhnte Verkäufer Laura schon durchs Schaufenster und eilte gleich in den Keller, um den ganzen Vorrat zu holen, den sie natürlich komplett mitnahm. Weil da noch originalverpackte Paletten dabei waren, erkannten wir, dass sie eine Firma in Deutschland herstellt, wo wir sie ab damals dann direkt kauften, also unsere Paris-Palette made in Germany.
Ein paar Impressionen, auf dem Weg noch eine Kirche:
Teil 2: Was für ein Gerüst am Centre Pompidou
Auf dem Fußmarsch nach Paris-Marais kamen wir am Centre Pompidou vorbei, welches ich 1977 als 15 -Jähriger auf dem Vorplatz singend und Gitarre spielend als gerade fertiggestellten Neubau von Renzo Piano erleben durfte. Von dort nahmen mich später ebenfalls nicht berühmt gewordene englische Straßenmusiker als „Le jeune guitariste, invité spécial venu d’Allemagne“ (junger Gitarrist als „Special Guest“ aus Deutschland) erst mit in die U-bahn und später die Champs-Élysées rauf und runter mit zu ihren Auftritten.
Leider ist das Centre von 2025 bis 2030 geschlossen, weshalb wir gerade auch unsere grandiosen Ideen zur Schlangenvermeidung nicht brauchen, und vermutlich funktioniert der raffinierte Trick danach sowieso nicht mehr – nix wird besser. Aber selbst das Gerüst für dieses tolle Gebäude ist beeindruckend: Ich stell mir die Diskussion von zwei Gerüstbauern in der Kneipe vor. „Sorry, ich geh´ heute bald ins Bett, morgen muss ich Pompidou einrüsten.“
Nun gut, 5 Jahre Renovierung nach nur 48 Jahren sind eine lange Zeit. Das Holz für die norwegische Stabkirche Borgund wurde im Jahr 1180/81 gefällt. Ende des Jahrtausends stand sie vermutlich schon. Hätte man sie wie das Centre Pompidou alle 50 Jahre 5 Jahre lang renoviert, wären seitdem knapp 85 Jahre nur an Renovierungszeit zusammengekommen. Aber ein Holzbau aus heimischer Kiefer ist halt langlebiger als das ganze moderne Zeug, hihi.
Teil 3: Pizzatipp in Montrouge
Die Lieblingspizzeria unseres Enkels heißt Triplettapizza, deren Küche komplett offen ist und von jungen Leuten betrieben wird, die auch mal einem 6-Jährigen zeigen, wie man Pizza macht. In Unterkumbach gibt er dann das Erlernte an mich weiter.
Der Industrial-Style des schmalen Schlauchrestaurants strahlt nicht gerade Gemütlichkeit aus, aber die coole Truppe macht aus der Werkstatt-Atmosphäre trotzdem einen Wohlfühlort. Also sollten Sie in Paris mal Appetit auf Pizza haben, besuchen Sie Triplettapizza.
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Hier sind alle Artikel aus Paris, seit Laura 2015 von Aix en Provence nach Paris gezogen ist















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