von | Mai 24, 2022

Auf der Hifi Messe „Highend“ die Plattenspieler von AMG bestaunt – hifiaffin seit Kindesbeinen

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Küche von Familie Lorenzi aus Elsbeere in Engelthal

Beim gemeinsamen Kochen mit unseren Küchenkunden erfuhren wir, dass Julian Lorenzi High End Plattenspieler baut, einige davon sogar mit Holzrahmen. Die Elsbeerenküche ist in der alten Mühle in Engelthal  in der Zwischenzeit fertig montiert, für die wichtigste Messe im Hifi-Bereich haben wir der Firma AMG einen unserer Stehtische mit Hirnholzbaumscheibe ausgeliehen. Was liegt also näher, als just jene Messe zu besuchen, auf der die Weltelite der Hifi-Hersteller sich in München um Händler (am Donnerstag und Freitag) und Kunden (am Samstag und Sonntag) bemüht?

Man beachte den Stehtisch im Hintergrund, Julian Lorenzi vorne links

Also Donnerstag früh rechtzeitig ins Auto, um pünktlich um 10 Uhr am MOC in München Freimann zu sein und dort erstmals mit Carola und Julian Lorenzi die Plattenspieler, die wir im Jahrbuch schon beworben haben, endlich im Original zu begreifen. Es sind technische Meisterwerke, die Julian ständig auf dem neusten Stand der Technik hält, ganz im Sinne seines Vaters, der leider 2013  im Alter von 62 Jahren unerwartet verstarb.

Nebenbei: Hifi-Fan seit Kindesbeinen

Vielleicht sollte ich in diesem Fall erzählen, dass ich als Jugendlicher schon Hifi-Freak war (lag wohl daran, dass ich mit sieben schon Gitarrenunterricht nehmen durfte und mein Bruder Kaspar 7 Jahre älter war und die Musik bei uns ständig an war): mit 14 hatte ich den ganzen Inhalt meines Sparbuchs zusammen mit ersten Erlösen aus meiner Werkstatt für die erste richtige Stereoanlage bei einem sehr kompetenten Laden in Nürnberg „Kölbl & Kalb“ ausgegeben. Plattenspieler, Verstärker mit Radio und zwei gute Boxen wurden schon sehr bald durch ein Tonbandgerät von Phillips ergänzt (beim Schmusen ist eine Schallplatte einfach zu kurz), was man in dem Film Happy Monday links neben dem Plattenspieler nur mühsam erkennen kann. Davor steht übrigens eine mechanische Schaltuhr von Gässlin, die statt eines Weckers in der Früh das Radio anschaltete, was deutlich angenehmer war.

Tonband von Phillips, Verstärker von Telefunken und die Plattenspielermarke fällt mir nicht mehr ein

Die Begeisterung für Bandmaschinen quält mich noch heute, weil alle meine Bänder bei dem Unwetter von 2002 in Unterkrumbach im Schuppen zerstört wurden und die anderen sich in der Zwischenzeit auch aufgelöst hatten. Dummerweise haben Räubers meine zweite Bandmaschine in unserer Studentenbude in München geklaut, meine geliebte Akai. Die letzte Teac-Maschine habe ich dann mangels Bänder mit Musik just dem Freund wieder zurückgegeben, von dem ich sie einst gekauft habe, das war grade mal vor drei Jahren.

High End Anlage in unserer Ausstellung im Jahr 1997, ausgestattet von Pure Sound in Hersbruck – die Kabel verlaufen hinter der Juramarmorplatte

1997 machte Familie Bock einen High End Hifiladen in Hersbruck auf, der leider nicht lange durchhielt und an dessen bedauerlichen Ende ich zu edlen Boxen von Harbeth (BBC-Referenzboxen) für unser regionales Musterhaus kam. Auf dem Foto im Kalender 1998 sieht man ganz gut, dass der eigentliche Genuss solcher Investitionen auch mit einem guten Cognac gefeiert werden sollte.

Die Plattenspieler von AMG sind handwerkliche Meisterleistungen

 

Zurück nach München: natürlich weiß man, dass Plattenspieler und Schallplatten gerade ein Trend sind, aber dass die halbe Halle Nr. 2 mit Plattenspielern von 600 Euro (billigstes Model bei Thorens) bis 199 000 Euro bei Clearaudio aus Erlangen gefüllt sein könnte, überrascht dann doch. Zwei Stände weiter ist AMG, die Analog Manufaktur Germany (nicht zu verwechseln mit den gleichnamigen Autos, die die Gründung aber sogar einvernehmlich in ihrer Firmenzeitschrift begleiteten), die in Fachkreisen einen hervorragenden Ruf genießt. Sie vertreten das ehrliche Handwerk und errechnen den Preis aus Material plus Arbeitszeit plus Verwaltungs- und Vertriebsaufwand für die internationale Präsenz, ohne die das Geschäftsmodell nicht funktionieren würde. Denn nichtmal  die Hälfte des Umsatzes machen sie in EUROPA, der Rest geht in die Welt.  Deswegen verwundert es auch nicht, dass wir beim gemeinsamen Gang zum Mittagessen ungefähr 6 Menschen treffen, die für Julian in Indien, Australien, Amerika und Griechenland die Marke AMG voranbringen. Die High-End-Szene scheint sowohl sehr klein, aber auch sehr international zu sein.

Der neue Giro und Viella in Holz – eintauchen in eine andere Welt

Das weiterentwickelte Model Giro (heißt angeblich nicht so, weil man dafür das Konto leerräumen muss, hier ist der Fachartikel darüber) gibt es ohne Tonarm und Tonabnehmersystem ab 6250 Euro, das Flaggschiff Viella liegt je nach Ausführung zwischen 11 200 (ohne Tonarm und System) und knapp 30 000 Euro (Fachartikel). Lustigerweise gibt es für dieses Modell auch Holzrahmen, sollten Sie sich dafür entscheiden könnten sie sich sogar bei uns das Holz dafür aussuchen. Denn unsere gemeinsame Idee ist, dass unsere Küchenkunden aus dem gleichen Holz einen Plattenspieler bekommen und dass Julians Plattenspielerkunden aus dem gleichen Holz eine Küche bekommen. Hihi, mal sehen, wie das klappt.

In Zeiten, in denen viele Menschen Musik nur noch übers Smartphone streamen, klingen diese Preise vielleicht seltsam. Andererseits ist das Geld, das Menschen für Uhren ausgeben, obwohl sie trotzdem die Zeit ungenauer anzeigen, als eine Quarzuhr oder ihr Telefon auch nicht logisch zu erklären. Und ein Plattenspieler hat ja zusätzlich zur Optik immerhin auch noch einen Klang, als Statussymbol taugt er aber halt nur in Hifikreisen. Überhaupt war die Messe ein Eintauchen in eine andere Welt, denn während mir 11 000 Euro erstmal viel Geld für einen Plattenspieler erscheinen, lernt man, dass man für das Stromkabel zur Hifianlage sogar noch mehr ausgeben kann.  Es ist wie beim Auto, die Luxusschlitten sind meist ein wenig flotter (was bei Geschwindigkeitsbegrenzungen und im Stau auch nicht hilft), die Nobelanlagen klingen hoffentlich besser. Wobei mein rechtes Ohr unfallbedingt eh kaum was hört, aber das mit dem Hören ist halt wie mit der Genauigkeit der Uhr. Menschen, die das Hifigeschehen eher wissenschaftlich betrachten, nennen die leicht esoterischen Anhänger der Kabelhysterie in den einschlägigen Foren liebevoll „Goldohren“ und belegen mithilfe von Blindtests, dass die Unterschiede nicht wahrgenommen werden können (PDF-Datei). Trotzdem kostet zum Beispiel ein superedles Fono Acustica Kabel 12 000 Euro pro Meter (siehe Foto rechts).

Ist hier irgendwo Massivholz?

Endlich ein aus Massivholz gedrechseltes Horn von TriangleArt aus USA

Irgendwie ist man aber trotzdem als Möbelmacher unterwegs und sucht nach schönen Geräten oder ansprechenden Massivholzmöbeln für diese edlen Anlagen. Bis auf schick gezinkte S-Formen für Plattenspieler und einen amerikanischen Hersteller von Horn-Lautsprechern habe ich leider nichts gefunden, aber ganz am Ende meiner Runde kam das Wow-Erlebnis:

Die beiden äußeren Lautsprecher sind tatsächlich komplett aus Massivholz gefertigt

Die Wiener Lautsprechermanufaktur stellt Boxen aus Massivholz her. Unglaublich, sogar einen Vorverstärker aus massivem Nussbaum gibt es, ich stand mit offenem Mund vor der Entdeckung. Der Chef ist sehr sympathisch, vielleicht ergibt sich aus dieser Begegnung ja noch eine wunderbare Zusammenarbeit. Es wäre schon ein Traum, wenn einst mal der Viella Plattenspieler aus unserem Holz mit den Boxen aus unserem Holz in der Ausstellung stünden. Zumindest darf ich nach dieser Highend-Messe ein wenig träumen, wir werden unsere Hifi- und TV-Möbel ab jetzt wohl auch in gedämpften Varianten anbieten, das sind die aufwendigen Metallteile, die man unter die Möbel schraubt, um nicht zu wackeln. Den Kontakt für die edlen Zubehörteile hätte ich schon, aber vielleicht will sie der Perfektionist Julian ja auch selbst fertigen. Es bleibt auf jeden Fall spannend und die nächste Aufgabe wird sein, eine eigene Webseite für Hifimöbel mit Massivholz zu erstellen.

Der Messerundgang war wohlvorbereitet

 

Natürlich habe ich auch diese Messe ein wenig vorbereitet (siehe Zettel), in dem ich die 500 Aussteller einmal durchgesehen habe, aber eigentlich kannte ich kaum welche, das ist heute schon anders. Nicht so akribisch vorbereitet, wie bei einer Möbelmesse, aber immerhin so, dass man sich danach nicht drüber ärgern muss, was spannendes nicht gesehen zu haben. Während in den unteren Hallen des MOC „normale“ Messestände aufgebaut sind, konnte man sich ein Stockwerk drüber richtige Räume mieten, in denen dann auch meist sogar gute Musik auf Anlagen präsentiert wurde, die im Wert zwischen Tesla und Einfamilienhaus lagen. Meist haben sich ein paar Anbieter von Boxen, Anlagen und Kabeln zusammengetan, denn das reduziert die Kosten und macht die Vorstellung interessanter.

In diesen Räumen lernte ich, dass der Unterschied zwischen einer normalen Stereoanlage und dem Highend hauptsächlich darin liegt, dass man bei der Stereoanlage versucht, die Kabel zu verstecken, während man die Stromschnüre im Highend unbedingt zeigen muss.

 

 

Interessante Lautsprecher in allen Bauweisen und Preisklassen

Diese Lautsprecher von Veyron kosten 350 000 Euro,  ein Paar von Wilson 750 000 – Puh, da kann man nur staunen

   

240 000 Euro bekommt übrigens Burmester für sein Boxenpaar ganz oben links, 750 000 kostet das Paar von Wilson mit den vielen Hochtönern im Gestell, nunja, es klang ja in der Tat nicht schlecht.  Aber die Hörner von Operly waren irgendwie origineller, kosten aber nur 27 000 Euro, dafür kann man sich in die auch rein- und draufsetzen und das ist doch auch mal was. Dies beweist die Frau des Gründers des Startups (oben) auf ihrem Facebookaccount mit ihrer Kollegin für ein Pressefoto:

Tonbandmaschinen gibt es nur noch gebraucht, aber schön sind sie schon

Die Schweizer Firma STUDER war bis in den Sommer 2001 neben Nagra Kudelski die letzte europäische Firma die überhaupt Tonbandgeräte hergestellt hatte.  Zu diesem Zeitpunkt lief bei STUDER die über 50 Jahre andauernde traditionelle Produktion von Bandmaschinen aus. Die STUDER A807 wurde weit über 10.000 mal verkauft. Im Dezember 2002 wurde wegen der großen Nachfrage die A807 allerdings noch mal in einer limitierten Stückzahl produziert. Auch NAGRA produziert heute keine Tonbandgeräte mehr, dafür war diese teuerste Bandmaschine der Geschichte hier am Stand zu sehen:

Lustige Japaner motzen in München alte Tonbandmaschinen farbig und mit LED-Lämpchen auf, was ziemlich ungewohnt aussieht.

Hier ist ein Artikel für Nostalgiker wie mich, die drunter leiden, dass man fast keine mit Musik bespielte Bänder mehr kaufen kann, außer bei diesen kompetenten Herren der Tonbandmanufaktur, die die Konzerte selbst aufzeichnen.

Fazit

Das Eintauchen in andere Klang- und Preiswelten auf der Highend München war ebenso bereichernd, wie verstörend, hat mich aber auch inspiriert. Im Gespräch mit Wohnzimmerkunden für den Bau von Hifimöbel werde ich ein paar Alternativen zu unseren bisherigen Gestaltungstrends vorschlagen. Ein paar Tage nach der Messe bin ich dann schon wieder ziemlich zufrieden mit meiner eigenen Mischung aus analog und digital (BlueSound), weil damit auch die Familie digitale Musik von überall über meine Harbeth-Boxen hören kann. Aber sollte sich irgendwann mal wirklich eine Zusammenarbeit beim Bau von Plattenspielern, Boxen oder High-End Hifimöbeln ergeben, dann war der Messebesuch wohl der wichtigste Impuls dafür. Aber jetzt muss ich mich edlich wieder um Küchen und Möbel kümmern.

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Achja, unser aktueller Plattenspieler in der Ausstellung ist käuflich, hier haben wir alle technischen Details aufgelistet.

ARISTON RD-40 mit Ton Arm: Transrotor TR 800-S T, aus einem antimagnetischem Stahl.
Das ist eine Legende aus Schottland, die noch dazu super aussieht und für 999,99 sogar käuflich zu erwerben ist

 

 

 

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