von | 10. Juni 2019

Dr. Daniel Hess wird das Germanische Nationalmuseum und das Bewusstsein für ehrliches Handwerk beflügeln

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Der Hersbrucker Schweizer Dr. Daniel Hess (oder besser Schweizer Hersbrucker? Auf jeden Fall verwenden wir den unglücklichen Ausdruck “Hersbrucker Schweiz” nicht, weil es sich dabei geographisch korrekt  um die Hersbrucker Alb handelt!)  wird am ersten Juli neuer Direktor des Germanischen Nationalmuseums in Nürnberg, dem größten kulturgeschichtlichen Museum des deutschsprachigen Raums. Wir kennen und schätzen ihn aus dem persönlichen Freundeskreis und der Hersbrucker Kunstszene, denn er zählt zu den wenigen promovierten Kunsthistorikern, die selbst schreinern, malen, kochen und Musik machen – wir durften ihn einst beim Möbelbauen unterstützen, an unseren Wänden hängen Werke aus seinem Pinsel und wir haben im Rahmen unserer Workshops gemeinsam gekocht.

Der schöne Grund für diesen Blogbeitrag ist sein absolut hörenswerte Interview, das bei uns auf eine Renaissance für die Wertschätzung des (Kunst-)Handwerks hoffen lässt. Denn in einer Zeit, in der immer weniger Menschen die Zusammenhänge zwischen Wald und Möbel, Tier und Fleisch, Farbe und Kunst durchschauen, freuen wir uns riesig über diesen Streiter für das Gute, Schöne Wahre. Auf die Frage: “Werde ich in fünf Jahren Ihre Handschrift erkennen?”, antwortete er, “ich hoffe!”

Anja Scheifinger vom Bayerischen Rundfunk hat ihn für die Sendung “Der Talk”  an Christi Himmelfahrt in seinem Reich  besucht und war von seinen ehrlichen und tiefgründigen Antworten merklich überrascht, denn einen Museumsdirektor hat sie sich anscheinend ganz anders vorgestellt. Aber hören Sie selbst (42 Minuten – auch zum Herunterladen auf das Telefon):

Kein Hüter der Kunst

Nein, in die “Hüter der Kunst-Schublade” lässt er sich nicht stecken: “Hüter klingt so verschlossen”. Das Gegenteil müsse er tun, seine Aufgabe sei es, Leute zu begeistern, Energie in die Dinge zu bringen, neue Geschichten zu erzählen. “Nur behüten nützt nix!” Natürlich ein wenig behüten, dass die Kunst nicht kaputt geht, aber viel mehr Dinge neu entdecken, neue Kontexte schaffen, mit unseren neuen zeitgemäßen Fragen an die alten Dinge herangehen. Adam und Evas Sündenfall als Metapher für unsere aktuelle Zerstörung der Umwelt neu interpretieren.

Er ist seit 31 Jahren in Deutschland und auch schweizer Honorarkonsul, als erster Nichtdeutscher Direktor des 1852 gegründeten Germanischen Museums (damals in Ermangelung desrselben noch ohne “national”) brennt er für seinen Beruf und sieht die deutsche Sprache als Klammer der europäischen Kultur. Aber er weiß auch, dass es nicht leicht wird: “Mit sieben oder acht Leuten können sie die Welt auseinandernehmen und neu zusammennageln, mit 200 Leuten geht das nicht mehr. Große Schiffe neigen dazu, administrativ zu verkrusten.”  Aber er will kreative Spielräume auftun, mutig und neugierig sein und vor allem ein Leuchten in die Augen der Besucher zaubern – im Museum will er hören: “Boah, toll!”

 

Viele Berufe wohnen ach in seiner Brust

Er wollte Bergführer, Geologe, Glaziologe oder Trompeter werden, zu einem guten Koch hätte er es nach unseren Erfahrungen auch gebracht, bei seiner beeindruckenden Schreinerarbeit durften wir ihn unterstützen, als Maler kann er Licht, Schatten, Formen und die Technik dahinter kompetenter beurteilen, als ein Kunsthistoriker. Auf die Frage, wie er all das zusammenbringen will, kommt die schweizerische Antwort: “Sie können nicht alles im Leben, die Dinge gehen nacheinander.” Er war zweimal in Nepal, Holzhacken ist großartig, “da sieht man, was man getan hat” und er ist stolzer Besitzer eines Kettensägeführerscheins.

Wir wünschen uns, dass dieses geerdete Genie ganz vielen Menschen einen neuen Zugang zu Kunst und Handwerk, zur Vergangenheit und Zukunft verschafft. Nur mit dem Blick auf die großen Zusammenhänge, mit einem ganzheitlichen Ansatz, können wir die Welt verbessern, er fängt am 1. Juli schon mal in Franken damit an.

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Hören Sie sich das Interview an, dann wissen Sie warum ich überzeugt bin, dass er verkrusteten Strukturen aufbrechen wird.
Das war unser gemeinsamer Kochworkshop.

 

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