von | 20. Oktober 2011

Steve Gibbons live in Fürth

Allgemein | 1 Kommentar

von Nina BrunnerSteve-Gibbons-72px

Dr. Stefan Pürner, der 2006 schon bei den Unterkrumbacher Werkstatt Tagen aus seinem Buch "geklont" gelesen hat, bat uns mit seiner tollen Mail auf das Konzert von Steve Gibbons am 24. und 25.10. in der Kofferfabrik in Fürth aufmerksam zu machen. Was wir hiermit natürlich gerne tun!

Lieber Herwig,

eigentlich mache ich ungern Werbung für irgendetwas. In diesem Falle muss ich jedoch eine Ausnahme machen, da sich in Kürze im Frankenland ein Konzert ankündigt, das gleichermaßen mit solidem Handwerk, Nachhaltigkeit, guter "alter" Musik und irgendwie auch mit Franken zu tun hat.

Die Rede ist von den beiden Konzerten, die Steve Gibbons am 24. und 25.Oktober in der Kofferfabrik in Fürth geben wird. Gibbons verfolgt mich seit ich eines Nachmittags beim lustlosen Werkeln an meiner Latinhausaufgabe den Song -No Spittin`on the Bus- von ihm im Zündfunk gehört und mitgeschnitten habe. Wenige Monate später hat er dann auf dem 3. Open-Air am Zeppelinfeld am 1. September 1979 vor 40.000 Zuhörern gespielt. (Für alle, die auch dabei waren, aber sich nicht mehr an das Lineup erinnern können: Außer ihm mit von der Partie waren Nils Lofgren, -kein Witz!- Zanki & Band, Molly Hatchet,  The Scorpions,  AC/DC, Cheap Trick, Miriam Makeba und The Who).

Auch 33 Jahre nach diesem Auftritt hat Gibbons in Franken eine kleine, aber glühende Fangemeinde. (Das soll ihm mal einer nachmachen!). Dort tritt er regelmäßig mit seiner Band oder seinem "Dylan-Projekt", zB beim Wendelsteiner Blues & Jazzfestival oder beim Bardentreffen 2009, auf.

Ich habe über die Jahre einiges an Gruppen und Soloacts gesehen, auch einige von den angeblichen (zB Stones)und tatsächlichen ganz Großen (z.B. Dylan. Zappa uä), aber die Konzerte von Gibbons sind jedesmal ein besonderes Erlebnis. Weil hier nicht Pomp, sondern Handwerk, Charme und Lässigkeit Trumpf sind. Und: Wie ein guter Wein scheint er mit den Jahren immer besser zu werden.

Wenn der mittlerweilen schneeweisse Songwriter, Gitarrist und Sänger, der trotz seiner 70 Jahre, die Figur von jemanden hat, der einen Marathon in weniger als dreieinhalb Stunden läuft, launisch und selbstironisch über die Intros oder Instrumentalpartien seiner Geschichten parliert, hat das eine Intensität und Qualität, die nur selten zu finden ist. Da er seine Auftritte nicht im Outfit eines Berufsjugendlichen, sondern altersangemessen, im Gehrock bestreitet, beweist er auch, dass man auch als Rockmusiker zu einem Alter stehen und in Würde altern kann. (Was ja viele von denjenigen, die als überlebende 60-s Band heute noch die Stadien füllen, nicht unbedingt so gut drauf haben…)

Musikalisch bietet Gibbons Sixtiesrock vom Feinsten, mit Liedern, in denen er in der Tradition der Kinks Alltagsgeschichten über Menschen "aus dem Volk" sowie deren Sorgen, Nöten und Freuden erzählt. Hier reicht die Spanne vom – very British- Schlangestehen an der Bushaltestelle bis hin zum Motorradfahren. Wobei letzteres seinen machomäßigen Hauch spätestens dann verliert, wenn Steve Gibbons seine Geliebte inständig darum bittet, ihn nicht für ein neues Modell einzutauschen. Dieser Song hat durch die Gleichsetzung von Mann und Motorrad, als etwas, dass man schon mal austauscht, wenn einen/frau ein anderes Modell besseres an das "Ziel" bringt, fast schon etwas Radikalfeministisches.

Stilistisch bewegte sich Gibbons zwischen Chuck Berry, Carl Perkins, Bo Diddley und Eddy Cochran. Die Stimme dagegen erinnert nicht selten an Bob Dylan. Anders als dieser ist Gibbons jedoch auf der Bühne charmant und mehr als gesprächig. Gibbons Qualitäten blieben auch Berufskollegen nicht verborgen. Roger Daltrey, der Leadsänger der Who, nahm auf seinen Soloplatten Songs von ich auf und betitelte eine seiner LPs (so etwas gab es damals noch) nach seinem Song "One of the Boys" Auch der Auftritt als Vorband am Zeppelinfeld soll auf Daltrey`s persönlichen Wunsch eingefädelt worden sein.

Trotz beeindruckender Qualitäten als Liveperformern und Songwriter blieb Steve Gibbons, wie so manchem anderen "Musicans` musican" der große Durchbruch versagt. Was Stefan Radlmeier von den -Nürnberger Nachrichten-  zu folgendem Stoßseufzer  veranlasste: "Die Welt ist ungerecht. Wenn`s anders wäre, hätte ein Mann wie Steve Gibbons längst einen Ehrenplatz in der Ruhmeshalle des Rock`n`Roll und würde in Riesenarenen auftreten".

Dem ist eigentlich nichts hinzuzufügen. Außer vielleicht, das die Ungerechtigkeit der Welt mitunter auch positive Seiten hat. Eine davon ist, dass man Steve Gibbons auch heute noch in der intimen Atmosphäre kleiner Clubs erleben kann.

Die Konzerte in Fürth (Kofferfabrik) finden am Montag, dem 24. Oktober und am Dienstag dem 25. Oktober statt. Auch für eingefleischte Nürnberger dürfte es sich lohnen, aus diesem Anlaß die Grenze zur Nachbarstadt zu überschreiten.

Weitere Informationen zu Steve Gibbons finden sich unter
http://www.stevegibbons.de/Tour.htm (in deutscher Sprachen) sowie auf
Englisch unter http://www.stevegibbonsband.com/ und
http://en.wikipedia.org/wiki/Steve_Gibbons_%28musician%29.

Beste Grüße aus dem Rhein- in das Frankenland
Stefan

Das Foto wurde uns freundlicherweise zur Verfügung gestellt vom music service wendelstein

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