von | 27. Juli 2019

Großes Kino mit Regisseur Michael Rösel und spannenden Geschichten aus der Filmbranche

Allgemein, Kulturveranstaltungen, Presse - über und von uns, Schwabhof, Über uns, Werkstatt-Tage | 3 Kommentare

 

 

Die Hersbrucker Zeitung hat den Bericht von Karin Plank-Hauter über den Filmabend mit dem ihrer Schwester Ute Scharrer zusammengelegt, weiter unten ist das ungekürzte Original zu lesen. Den Hintergrund der Filmgeschichte und wie er mit unserer Filmgala Dolores aus dem Jahr 2017 zusammenhängt, haben wir in dieser Begrüßung von herwig Danzer erklärt:

Begrüßung

“Wenn schon Titanic, dann aber erste Klasse!

Wenn man schon am gleichen Abend wie die Serenade im Schloßhof, dem Ehemaligentreff des Gymnasiums, dem Hauptabend des Sommerfestes und zeitgleich mit rund 20 Grillfesten zusammen mit den Lichtspielfreunden Hersbrucks zum  Kinoerlebnis einlädt, dann muss aber auch alles vom Feinsten sein, egal wie viele Menschen mit uns unter-, oder auch aufgehen.

Schönen guten Abend, wir Möbelmacher und die Lichtspielfreunde freuen uns riesig, dass Sie ausgerechnet unsere Veranstaltung heute Abend ausgewählt haben und wir können Ihnen jetzt schon versichern – alle anderen werden vor Neid erblassen: Ihre Facebookbilder werden unzählige Male  geliked werden, Ihr Instagramaccount wird Höhenflüge machen und Ihre Tweets auf Twitter werden sogar Trump erreichen. Denn seit vorgestern liegt ein Container mit Massivholzküche, Schlaf- und Esszimmer von uns im Hafen von Miami am Zoll und wir wünschen uns so sehr, dass er bald beim Kunden ankommen möge. Wir werden aber trotzdem niemals müde zu betonen, dass alle Möbelmacher für Menschenrechte, für Gleichberechtigung und gegen jede Form von Rassismus eintreten.

Seit 21 Jahren gibt es jetzt die Werkstatt-Tage schon, für die wir unsere Halle ausräumen um mit angenehmen Gästen tolle Künstler, Gesprächspartner oder Filmemacher erleben zu dürfen und vielleicht ist es ja der wichtigste Vorteil des Selbstständig seins, dass man selbst entscheiden kann, was man machen möchte und was nicht. Ganz am Anfang der Unterkrumbacher Werkstatt-Tage wurde ich genau hier gefragt, wo wir eigentlich unsere Möbel fertigen lassen (mit dem Unterton China oder Polen?), seitdem  bringe ich an dieser Stelle immer deutlich zum Ausdruck, dass es genau hier passiert, wo Sie sitzen, nur haben wir für Sie unsere Halle ausgeräumt.

Wir fertigen hier in Einzelanfertigung viele Küchen, Wohn-, Schlaf oder Hotelzimmer und Büros ausschließlich aus dem Massivholz der Hersbrucker Alb  und in der Pause oder nach dem Konzertgenuss können Sie gerne noch unsere Ausstellung im ersten Stock besuchen, zu später Stunde wird da manchmal auch noch gekocht.

Der heutige Termin entstand durch die Bitte des fränkischen sommers, gestern unsere Halle für das Stefan Grasse Trio zur Verfügung zu stellen und wer Gestern miterlebt hat (also nicht, wer im Gestern lebt, sondern wer gestern dabei war), weiß, dass das eine richtige Entscheidung war.  Also war der Samstag noch frei und da fiel mir eine Mail von Michael Rösel ein, in der er uns seine Kinokomödie aus dem Bäckerhandwerk Do goht dr Doig (da geht der Teig) vorschlug. Ich habe sie dank Passwort anschauen können und wusste, das war die anfangs schon besprochene erste Klasse an Humor, an Qualität und an Passgenauigkeit, denn so weit sind Schreiner und Bäcker gar nicht auseinander. Beide kämpfen gegen den Verlust der Kompentenz Qualität erkennen zu können oder auch zu wollen.  Beide kämpfen gegen ein Überangebot von Einheitsbrei, eine sinnlose Freude am niedrigen Preis und fehlendes Verständnis für die Werte des ehrlichen Handwerks. Lustigerweise ist nicht nur bei den Möblern, sondern auch bei den Bäckern Langlebigkeit ein Qualitätskriterium, nämlich wenn ein Brot auch nach ein paar Tagen noch köstlich schmeckt, bei Küchen und Möbeln geht es da mehr um Jahrzehnte.

Was wir auf unserem Gelände kochen, oder was Sie hoffentlich schon im Vorfeld genossen haben, wird bei uns genauso ernst genommen, wie die Herkunft und die artgerechte Behandlung unserer Bäume, die übrigens im Ganzen, also als Stämme bei uns angeliefert werden, so dass wir die Waldschöpfungskette vom Baum bis zum Kunden komplett im Griff haben:
Bei den Wecklern – also den Brötchen ist es ähnlich, die sind von der Bäckerei Laurer und bei den Bratwürsten ist es genau so, denn die sind von Bio-Weideschweinen aus Lieritzhofen, die Ihnen mein Schulfreund Thomas Schwab vom Schwabhof – vor ein paar Jahren noch hauptberuflich, heute nur noch nebenbei Geschäftsführer in der Lebensmittelbranche selbst gegrillt hat.

Die köstliche Apfelschorle  Pomme 200 stammt von den Streuobstwiesen aus der Hersbrucker Alb – da sind sogar unsere eigenen Äpfel drin, ich finde ja, dass man sie deutlich rausschmeckt.  Der Wein kommt von unserem Lieblings-Biowinzer und Freund Manfred Rothe aus Nordheim, Bier und Wasser stammt von der Lammsbräu. Diese hat mittels eigener Untersuchungen in unabhängigen Laboren einwandfrei belegen können, dass die Stiftung Warentest mit ihren Messergebnissen mal wieder – wie leider schon oft – falsch liegt.

Bitte achten sie beim Gang durch unsere Ausstellung auch auf die Holzbildnisse, die Zeichnungen von Karin Plan-Hauter und die Skulpturen von Andreas Hauter. Sie können sie heute schon zu ihrer Kunst befragen oder noch besser – Morgen um 11 zum Werkstatt-Gespräch mit den Künstlern kommen, da wenden wir uns der Grundidee der Unterkrumbacher Werkstatt-Tage zu: der Verbindung von Handwerk und Kunst. Sie merken schon, es ist wirklich alles erste Klasse, sie und wir liegen bzw. sitzen heute total richtig, und deswegen möchte ich jetzt zunächst Herbert Schlittenbauer bitten, den aktuellen Stand und die Pläne der Lichtspielfreunde Hersbruck zu verkünden, bevor wir mit dem Regisseur Michael Rösel erstklassige Informationen über den kommenden Film enthüllen.”

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Einleitendes Interview mit Michael Rösel

 

Einige Informationen waren zum tieferen Verständnis des Film schon hilfreich, so zum Beispiel, dass der Film aus der Arbeit an der Uni entstand, dass er zunächst eine Serie war, aber auch ein gut gehenden Theaterstück und dass erst daraus der Kinofilm entstand, der nur bei uns außerhalb des Schwabenlänles gezeigt wurde. Das wundert ein wenig, denn er ist auch für Nichtschwaben gut zu verstehen, aber Michael erklärte, dass nur bayerische Filme in Deutschland eine Chance haben, schwäbische und Filme mit anderen Dialekten leider nicht.

Viele andere Internas verriet Michael noch, die den Filmgenuss noch interessanter machten. Es war eine Low Budget Film, für die Finazierung hat der Produzent auch noch eine Crowdfoundig Kampage gestartet, um die fehlenden Gelder zusammenzukratzen.

 

Der Film läuft

Wir haben den Film mit professioneller Kinotechnik gezeigt, das war ein wenig aufwändiger und teurer, als mit einer bluray DVD, aber eben auch besser und wir besorgten bei Inphase eine Riesenleinwand, die zusammen mit dm Popcorn von Horst Hager das Kinoerlebnis komplett machte. Der Film war ausgesprochen spannend bis zum Schluss, hatte einen ernsten Kern und es gab viel zu lachen. Das ging dem Regisseuer nicht anders, aber vor allem interessierte ihn, an welchen Stellen das fränkische Publikum lacht. Ansonsten war es muxmäuschenstill, das Publikum war fasziniert.

Fragen an den Regisseur

Bei der Diskussion nach dem Film stellte sich heraus, dass doch nicht alle alles schwäbische verstanden haben, aber das führte nicht zu Verständnisproblemen. Michael erklärte die Hintergründe zu den wirklich beeidruckenden Massenszenen vor dem Rathaus und in der großen Stadthalle; die Stunts, die keine waren; den Zeitdruck durch die wenigen Drehtage; die Leidenschaft und die Probleme des Produzenten und immer ging es leider auch um das fehlende Geld und das seltsamen Gebaren des öffentlich-rechtlichen Fernsehens, in diesem Fall des SWR.
All das hat Karin in Ihrem Artikel wunderbar zusammengefasst:

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Der Bericht von Karin Plank-Hauter über den Abend in der Hersbrucker Zeitung, ungekürzt

“Das war wohl das eventreichste Wochenende dieses Hersbrucker Sommers. Serenade im Schlosshof, Ehemaligentreffen im PPG, das traditionelle Feuerwerk des Sommerfestes und Kinoabend an den Unterkrumbacher Werkstatt-Tagen – da war Entscheidungskompetenz gefragt. herwig Danzer von den Möbelmachern versicherte dem dennoch zahlreich erschienenen Publikum, die optimale Option getroffen zu haben, alle Posts auf Facebook und Instagram würden später mit Sicherheit neidvoll betrachtet werden.

In der ausgeräumten Werkstatt der Möbelmacher war zusammen mit den Lichtspielfreunden Hersbrucks aufwändig Leinwand und die professionelle Technik installiert worden, um den Film „Do goit dr Doig“ (Da geht der Teig) von Michael Rösel in Kinoqualität präsentieren zu können.

Herbert Schlittenbauer informierte zu diesem Anlass über die Tätigkeiten des Vereins, insbesondere einen geeigneten Raum zu finden. Wie der Streifen „Das Brot des Bäckers“, der vor acht Jahren zur Gründung des Vereins gezeigt wurde, habe auch „Do goit dr Doig“ den Überlebenskampf des Bäckerhandwerks zum Thema und dies könne auch auf andere Gewerke übertragen werden, wie Danzer betonte: der Wille zur und der Preis für Qualität, wenn das Brot auch in ein paar Tagen und die Möbel nach ein paar Jahrzehnten noch „schmecken“ sollen.

In einem kurzen Interview stellte Michael Rösel, Regisseur mit Hersbrucker Wurzeln und Dozent an der Filmhochschule Ludwigsburg den Werdegang des Films vor. Diesem war im baden-württembergischen Ausland eine oft zur Weihnachtszeit gezeigte beliebte Serie „Laible und Frisch“ vorausgegangen, der als Komödie aufbereitete Konkurrenzkampf zwischen Handwerksmeister und Industriebäckerei mit Romeo und Julia-Elementen, die in Bayern – wohl aus unüberwindlichen kulturellen und phonetischen Differenzen- nie gezeigt worden war. So kam man bei den Unterkrumbacher Werkstatt-Tagen in den exklusiven Genuss, den Kinofilm zur Serie zu sehen, der im Ländle ein Fan-Publikum aktivierte. Wer dabei die üblichen Kämpfe zwischen David und Goliath erwartete, fand sich überrascht an einem ganz anderen Punkt der Story wieder.

Der kapitalistisch-geltungssüchtige Antagonist des Streifens, Industriebäcker Frisch, gerät durch Familienquerelen aufs Abstellgleis und braucht die Hilfe seiner handwerklich versierten Widersacher, um sich seinen heimlichen Traum zu erfüllen, endlich selbst backen zu lernen und dabei sein Unternehmen zu erhalten. Der subtile Sympathiewechsel des Publikums auf die Seite des Unternehmers Frisch wurde durch eine Vater-Sohn-Geschichte und das Auftreten einer rachsüchtigen „Heuschrecke“ in Form seiner Verflossenen befördert, die das Unternehmen aufkaufen und schließen will. Die Horrorvision von dem Verlust vieler Arbeitsplätze, die in einer witzigen Szene drastisch visualisiert wird, bringt die „alte Garde“ des Handwerks in Stellung, mit allen Mitteln das Unternehmen Frisch zu retten und ließ manchen Hersbrucker schmunzelnd an die zurückliegenden Auseinandersetzungen im eigenen Städtchen denken.

Damit war der kurzweilige Abend aber nicht zu Ende. Der Regisseur beantwortete noch einige Fragen aus dem Publikum, dass sich insbesondere durch die Massenszenen in dem Low Budget–Film beeindruckt zeigte. Rösel erlaubte hier einen tiefen Blick in die Filmbranche und in die schwäbische Seele, denn die Komparsen ließen sich durch Gratis-Maultaschen zu 6 Stunden Filmarbeit gewinnen.

Mit kurzweiligen Gesprächen und interessanten Begegnungen klang der Abend bei leckeren Bratwürsten vom Weideschwein von Thomas Schwab, der erfrischenden und fein komponierten Apfel-Quittenschorle „Pomme“ von den Hersbrucker Streuobstwiesen, oder dem originellen Bierlikör „Fregger“ aus Hersbrucker Produktion von Volker Held aus. Nicht nur für das leibliche Wohl – auch für den Kunstgenuss war gesorgt. Andreas Hauter hatte einige kleine Holzskulpturen mit „Möbelmacherinnen bei der Arbeit“ in der Werkstatt verteilt und in der Möbelausstellung waren weitere seiner Werke und Aquarelle von Karin Plank-Hauter zu entdecken. Es war ein toller Abend – schauen Sie einfach auf die Posts unter www.die-moebelmacher.de/uwt.”

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Die After-Show-Party

Wer noch nicht nicht heim wollte oder noch viele Fragen hatte, ließ den Abend in unserer Ausstellung mit uns ausklingen, wo wir noch fleißig diskutierten, aber auch die ein oder andere Bratwurst und den von Michaels Mutter zubereiteten Kuchen genossen.

Als gegen Mitternacht die letzten Gäste gingen, tranken wir noch in aller Stille ein letztes Gläschen Wein, um den wunderbaren Abend ausklingen zu lassen.

Wir bedanken uns bei allen Mitstreitern:
Dem Regisseur Michael Rösel
Herbert Schlittenbauer, Matthias Goinar und allen helfenden Mitgliedern der Lichtspielfreunde
Allen Mitarbeitern der Möbelmacher und Horst und Elke fürs Popcorn
Uli Schneider
Matthias Meier von den Theatermalern
Thomas Schwab und seinen Eltern vom Schwabhof

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Die Links zu den diesjährigen Werkstatt-Tagen

Werkstatt-Tage 2019: fränkischer sommer mit dem Stefan Grasse Trio
Werkstatt-Tage 2019: Filmabend mit Regisseur Michael Rösel
Werkstatt-Tage 2019: Werkstatt-Gespräch mit Karin Plank-Hauter und Andreas Hauter
Alle Links zu den Werkstatt-Tagen sind auf der Homepage zu finden.
Alle Artikel über die Werkstatt-Tage im Blog
Wer noch mehr Bilder sehen will, schickt uns eine Mail und bekommt den Zugang zu unserer Bilddatenbank.

3 Kommentare

  1. Herbert Schlittenbauer

    Schön, dass uns “Die Möbelmacher” einen Kinosaal zur Verfügung stellten, den wir, die Lichtspielfreunde, schon so lange suchen…. Familie Danzer hat auch noch dafür gesorgt, dass der Abend als Filmereignis in Erinnerung bleiben wird : es ist schon ein Glücksfall, vom Regiseur des Film wichtige Details erläutert zu bekommen. Das “kulinarische Angebot” war sehr gut organisiert und hat uns prima geschmeckt – freilich nicht in dem Umfang, den sich herwig gewünscht hat : ” Mindestens fünf wörschtla sollt’ scho jeder essen!”
    Nachdem so oft am Abend vom “Das Brot des Bäckers” die Rede war, haben die Thalheimer Semmeln wunderbar dazu gepaßt! Ein Abend mit Kunst-Kultur-Genuss.

    Antworten
  2. Michael Rösel

    War eine wirklich wunderschöne Veranstaltung und wieder mal sehr liebevoll von herwig und Ute organisiert – wie immer =:-)

    Und Danke auch an die tolle Veranstaltungstechnik und die gelungene Kooperation mit den Lichtspielfreunden – schön, dass es diese Mal geklappt hat
    =;-)

    Danke für die geile Zeit, die tatsächlich extrem leckeren Würste und ich hoffe auf ein baldiges Wiedersehen – mit Menschen und Würsten!

    Liebe Grüße und alles Gute,

    Michael Rösel

    Antworten
  3. herwig Danzer

    Lieber Herbert, lieber Michael,
    Dank zurück für den eindrucksvollen Abend, den unsere lieben Gäste sehr genossen haben. Gerne hätten wir Euch öfter zu Gast, aber “hauptberuflich” wollen wir auch die Küchen, Wohn- und Schlafzimmer unserer Kunden verschönern und das Aus- und Aufräumen ist zwar bekanntlich psychologisch sinnvoll, aber auch zeitintensiv.

    Freu´mich auf neue Ideen und bis bald

    herwig

    Antworten

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