Kategorie-Archiv: Hutanger

Hutanger und der Tag der Regionen sind die Basis der Cittaslow Hersbruck

“Das Hutangerprojekt ist eines der ältesten und erfolgreichsten Naturschutzprojekte Bayerns. Es entstand 1985 auf Initiative der Ortsgruppe Hersbruck des Bundes Naturschutz in Zusammenarbeit mit dem Bezirk Mittelfranken aus der Erkenntnis heraus, dass die Hutanger das wichtigste Natur- und Kulturerbe der Hersbrucker Alb sind. 1987 übernahm das Naturschutzzentrum Wengleinpark die Betreuung.”

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Alle Fotos dieser gelungenen Veranstaltung von Thomas Geiger www.geiger-foto.de

 

Genau genommen gibt es wohl keine naheliegendere Zusammenarbeit, als die des Naturschutzzentrums Wengleinpark mit seinem Hutangerprojekt und dem Hirtenmuseum in Hersbruck,  ist doch Projektleiter Rainer Wölfel durch die Mutterkuhhaltung auf den Hutangern zum letzten Kuhhirten geworden.

“Begleitend zu unserer aktuellen Fotoausstellung: „Vor den Augen – in nahe Ferne. Landschaften. Weidetiere. Menschen.“ laden wir am Donnerstag, den 16. April um 19.00 Uhr ins Deutsche Hirtenmuseum Hersbruck zu einem geselligen und auch informativen Abend ein.”

Es war durchaus ein Vortragsmarathon im schönen Hirtenmuseum, aber – so ähnlich wie bei einem guten dicken Buch – ist man nach den 150 Minuten gescheiter, zufriedener und sogar dankbar, denn die Botschaft der beiden Referenten Rainer Wölfel vom Naturschutzzentrum Wengleinpark und Frau Dr. Uli Albert wurde glaubwürdig belegt:

Die Hutanger der Hersbrucker Alb zählen  kulturell, touristisch und sogar kulinarisch zum Besten, was die Hersbrucker Alb zu bieten hat und vor allem: das gibt es  NUR hier!

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Dipl. Ing. Agr. Rainer Wölfel vom Naturschutzzentrum Wengleinpark und Dr. Uli Albert, wissenschaftliche Mitarbeiterin des Deutschen Hirtenmuseums.

Davon wollen viele Politiker immer nur kurz vor den Wahlen etwas wissen, auch die zu diesem Zeitpunkt versprochene Kuhpatenschaft (hier alle Infos zu derselben) kommt dann häufig doch nicht, dabei wurde in dem Vortrag – den man unbedingt im ganzen hätte aufzeichnen sollen  – jedem Zuhörer klar, dass das Naturschutzzentrum einen Schatz behütet,  der bei Bevölkerung und Politik weder gewürdigt noch geschätzt und vor allem nicht vernünftig unterstützt wird.  Dabei hat dieser Schatz schon reichlich Zinsen gebracht, es merkte nur niemand.

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Cittaslow wäre ohne Hutanger und Co.  nicht denkbar

Als wir im Jahr 2000 die Idee von Hersbruck als erster Cittaslow außerhalb Italiens an Bürgermeister Wolfgang Plattmeier überbrachten (siehe Foto), waren es  zuerst mal das Hutangerprojekt, der bei uns in Unterkrumbach entstandene Tag der Regionen, die vielen Zeitungsartikel darüber und die Beharrlichkeit und der Charme von Manuela Sillius, der die Italiener von der Berechtigung unseres Aufnahmewillens überzeugte.

Im Jahr 2000 besprachen Citymanager Johannes Michel, Rainer Wölfel, herwig Danzer, Manuela Silius und Bürgermeister Wolfgang Plattmeier den Cittalsow-Gedanken
Im Jahr 2000 besprachen Citymanager Johannes Michel, Rainer Wölfel, herwig Danzer, Manuela Silius und Bürgermeister Wolfgang Plattmeier den Cittalsow-Gedanken

Der Vortrag der beiden Spezialisten, die diese Zusammenhänge von der Stein- bis in die heutige Zeit humorvoll und kurzweilig rüberbrachten, sollte Pflichtveranstaltung für Stadt-, Gemeinde- und Landkreisräte – ach eigentlich für alle werden. Denn die Hirtenkultur, deren Idee des gemeinschaftlichen Besitzes der Allmendeflächen war noch nie aktueller als heute und muss als  als Vorbild  für umweltfreundliche Beweidung, verantwortliche Fleischwirtschaft und gemeinschaftliche Verbesserung der Lebensqualität dienen.  (Eine Befreiung vom Pflichtvortrag bekommt übrigens nur, wer das Hutangerbuch aus dem Jahr 2005 gelesen hat und den Fragebogen dazu fast fehlerfrei ausfüllen konnte!)

Musikalische Untermalung auf höchstem Niveau

Regina und Christoph Utz machen wunderbare Volksmusik
Regina und Christoph Utz machen wunderbare Volksmusik

“Niederpfälzer” Musik entsteht, wenn ein Oberpfälzer eine Niederbayerin heiratet und sie gemeinsam wunderbar sympathische und künstlerisch wertvolle Volksmusik machen. Dann freuen sich auch die Franken.  Daran sieht man schon, wie völkerverbindend regionale Wirtschafts- und Musikerkreisläufe  sein können.

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Kuh- oder Hutangerpate werden

Das Hutangerbuch haben wir im Dezember 2005 besprochen

Die Hutangerbesuche von Alice Niklaus

Im Hutangerblog kann man sich über alle Kühe aktuell informieren

Das gleiche Thema gab es übrigens im Jahr 2005, also exakt vor 10 Jahren schon mal im Hirtenmuseum, was ich gerade im Nachhaltigkeitsblog entdeckt habe.

Die Fotos dieses Artikels stammen von Thomas Geiger:
www.geiger-foto.de

Neuer Frühling, neue Pläne: Obstspaziergang!

von Alice Niklaus

Folgende Einladung des Bioland e.V., Verband für organisch-biologischen Landbau kommt per Mail bei mir an; ich gebe sie mit Elan und einigen Änderungen an interessierte Frühlingserwachte weiter:

Liebe Mitglieder und Interessierte,

Wir laden Sie herzlich zu folgender Veranstaltung ein:

Obstspaziergang, Dienstag, 24.03.2015, Beginn um 14:00 Uhr im Bioland-Betrieb Heldrich, Frechetsfeld 15, 92262 Birgland, Tel.: 09666/693.
Wir machen einen Spaziergang durch die Streuobstwiesen des Bioland-Betriebs Heldrich. Schwerpunkt ist dabei der Winterschnitt. In Theodrie und Praxis erfahren wir, warum geschnitten werden muss und wie sich der  Schnitt auf die Entwicklung des Baumes auswirkt. Die Bandbreite auf den Streuobstwiesen umfasst schöne alte Sorten und zeigt eine grosse Vielfalt auf. Roland und Katrin Heldrich verarbeiten das eigene Obst, die Produktion der Streuobstinitiative Hersbruck und Obst von weiteren Betrieben im Lohn zu hochwertigen Säften. Sie berichten welche Erfahrungen sie in der Kultur und bei Verarbeitung und Vermarktung gesammelt haben. Im Anschluss erfolgt eine Verkostung der Produkte und Säfte.

Für eine gute Planung bitten wir um Anmeldung bis zum 20.03.2015 bei Ansprechpartnerin Susanne Maurer, Auf dem Kreuz 58, 86152 Augsburg. Tel. 821 34680-186 oder susanne.maurer@bioland.de.

Wir freuen uns auf einen schönen gemeinsamen Obstspaziergang!

Katrin und Roland Heldrich                                  Norbert Drescher

Bioland-Betrieb                                                   Bioland-Weinbauberater

Hier endet die Einladung. Ich wünsche einen wunderschönen Tag!

Metamorphose eines Möbelmachertischs durch Drechslermeister Hager

Von Alice Niklaus

Anstatt Skifahren in der Schweiz haben wir uns im Frühjahr 2000 umständehalber gegenseitig den gleichen Möbelmacher-Küchentisch geschenkt. DSC04795 Heute morgen wurde unser sehr geliebter und täglich benutzter Tisch durch Drechslermeister Horst Hager aus Hersbruck einer liebevollen, reinigenden Behandlung unterzogen. In seinem 15. Jahr sieht der Tisch nun wieder aus wie am ersten Tag! Und weil er unbedingt 24 Stunden unbenutzt bleiben soll ist heute kein Kochtag!

Nachtrag: Horst Hager ist seit 22 Jahren vormittags für die Möbelmacher-Oberflächen zuständig und frönt erst nachmittags dem Drechseln.

Von den Hutangern der Hersbrucker Alb zu den Möbelmachern in Unterkrumbach

P1140861Von Alice Niklaus 

Ich habe in herwigs Newsletter 108 vom 4. November erschienen hier im Nachhaltigkeitsblog im Zusammenhang mit der Streuobstinitiative meinen Namen angetroffen. Als Ergänzung  folgende Zeilen: Die Entwicklung zur Blogerin war nicht geplant. Komputerwissen war mir nicht fremd, aber gleich mit Texten an die Öffentlichkeit gehen? Das habe ich mir als Ausländerin nicht zugetraut. "Yes, you can!" sagte herwig Danzer vor sieben Jahren, als ich ihn mit meinem Problem konfrontierte, und er hatte recht!

Hutanger war damals mein Thema, und damit begann mein Einstieg in die Blogerinnen-Karriere (lächeln!). Der Beitrag zum "Heuchlinger Anger" bekam die Nummer 1. Rainer Wölfel vom Naturschutzzentrum Wengleinpark versorgte mich mit Hinweisen zu Hutangerpositionen und den Namen der meist nicht mehr aktiven Anger. Es waren dann schlussendlich über 100 Plätze in Feld und Wald, deren Beschreibung im Nachhaltigkeitsblog erschienen sind. Anfangs 2010 war das Baumthema zu Ende, und ein neues Projekt erschien am Horizont. Es heisst "Streuobstwiese"!

Und somit bin ich beim eigentlichen Thema, dem Tag des Schreiners und der Schreinerin (die weibliche Form ist die berechtigte Änderung des Originaltextes und stammt doch hurra aus herwigs Computer) angelangt. In Ermangelung von Spezialwissen betreffend heimische Hölzer, deren Lagerung, Verarbeitung, Maschinen dazu undsoweiter hänge ich hier einige Fotos an:

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Kommentar zur Küche: ich bin ganz und gar ungeeignet als Köchin, das kann auch die schönste Küche nicht ändern!         Kommentar zum Ehepaar: sehr geeignet zum Erkunden der Hutanger!

Kulinarischer Spaziergang durch die Obstgärten der Hersbrucker Alb

von Alice Niklaus

P1140839Es war ein spannender Abend! Die Einladung dazu machte mich neugierig, kam doch noch ein weiterer Aspekt zum Thema "10 Jahre Obstsortengarten Hersbruck" zum Vorschein – ein kulinarischer Spaziergang ist mir noch nicht begegnet! P1140829aDer Anlass fand im Fackelmannhaus statt und der Gastgeber war Ottmar Fischer (E-mail: ottmarfischer@web.de). Eine Verkostung von verschiedenen heimischen Apfelsorten wurde uns versprochen und als Zutaten Bilder, Geschichten, Anektoten und Informationen über den Anbauwert der Sorten in der heutigen Zeit. P1140834aAlle Versprechungen wurden eingehalten, und als Zugabe bekamen wir A4-Papierblätter und Apfelschnitze, deren Fruchtfleisch, Struktur, Saft, Geschmack und Aroma wir den Schnitzen zuschreiben konnten.  P1140837 15 Äpfel waren zu bewerten, ich kannte nur zwei davon, nämlich den Cox Orange und die Ananas-Renette, solch ein Baum stand bei meinen Eltern im Garten! P1140842aEine grosse Freude macht mir der Sternapi vom meinem Patenbaum! Ich hätte nie gedacht, dass er schon bei der ersten Präsenz so hübsch wird.

Lieber Ottmar: ich muss dir gestehen, dass ich beim Ausfüllen des Fragebogens – Fruchtfleisch, Struktur, Saft, Geschmack und Aroma – überfordert war! Äpfel färben in meinem Mund anscheinend wenig ab – ich meine damit auch das Aroma – und das Fruchtfleisch konnte ich inhaltlich ganz und gar nicht auseinanderhalten. Ich habe mich in der gewonnenen Zeit mit dem äusserlichen Aussehen der Äpfel beschäftigt und den Api étoilé gestreichelt.

Freitagvormittag in Hersbruck: Was haben 13 Gymnasiastinnen und Ottmar Fischer gemeinsam?

von Alice Niklaus

Antwort: Sie beschäftigen sich intensiv mit dem Thema Obstsortenvielfalt!

Kalt wars am vergangenen Freitag, die Sonne verschleiert, die BesucherInnen des Bauernmarkts eilten hin, kauften ein und eilten wieder heim. Auch ich kaufte ein, blieb dann allerdings aus Neugierde und Engagement zwischen Brunnen und Rathaus hängen, fand 13 junge Frauen an zwei verschiedenen Aktionstischen, fotografierte und recherchierte. P1140800a Bei den "Aktivistinnen" handelt es sich um Schülerinnen der 12. Klasse des Paul Pfinzing Gymnasiums (PPG) Hersbruck. Der Anlass am vergangenen Freitag ist Teil ihres Praxisseminars "Obstsortenvielfalt". Ottmar Fischer und seine engagierten Helfer feiern "10 Jahre Obstsortengarten". Soviel zur Gemeinsamkeit! Um 9 Uhr morgens waren an diesem Freitag Halstuch und Handschuhe willkommen. Die Sonnenstrahlen waren noch nicht über den Dächern zu sehen. Aber Biologielehrerin Frau Wallis und die Gymnasiastinnen waren bereit. P1140801

Jede Schülerin stellte Äpfel ihrer Lieblingssorte vor, Fragen wurden gestellt und kompetent beantwortet. Die Sonne schickte ihre Strahlen über die Dächer. Wärme umgab nun die vielen Besucher des Marktes. P1140819 P1140812

Wer Hunger hatte konnte diesen mit einem Versuchsapfel dämmen, so wie es Ursula, unserer Campania-Reiseleiterin, geschah. Eine Alternative war ein Stück Apfel-Omelette, die mir persönlich mundete!P1140815

Die attraktive sortenbestimmte Ausstellung der etwa 100 Äpfel zieht vor allem Männer an. P1140809 

Eine Stunde nach zwölf  Uhr: Die Präsentation "Obstsortenvielfalt" der Schülerinnen des PPG Hersbruck geht zu Ende. Noch ein Paar interessiert sich für das Projekt, dann ist es Zeit aufzuräumen. P1140820a

Sie sind fröhlich und freuen sich über die gelungenen vier sonnigen Stunden zwischen dem Oberen und dem Unteren Markt in Hersbruck! P1140818a

Anhängsel: in dieser Vielfalt habe ich den Apfel von meinem Patenbaum entdeckt (der 5. von rechts in der vorderen Reihe): Sternapis heisst er. Der Baum steht auf der Streuobstwiese in Hersbruck und ist weit und breit der einzige im Land. P1140810

15 Jahre Streuobstinitiative Hersbrucker Alb 10 Jahre Obstsortengarten

von Alice Niklaus

Nachstehende Fotos sind den Leser und Leserinnen der Nachhaltigkeitblogs schon bekannt. Trotzdem bringe ich sie hier nochmals, so quasi als Symbol zum obigen Titel.

Anfangs Januar 2010 wurde ich Patin eines frisch gepflanzten Apfelbäumchens auf der Streuobstwiese mit dem interessanten Namen Api étoilé und im April entschied Gartenbaulehrer Josef Weimer, dass es einen  P1090352a sogenannten Erziehungschnitt bekommen werde. Aus dem Schnitt wurde dann nur ein Zurechtbiegen, die Ästchen durften weiterhin alle nach Süden schauen und so blieb es bis heute. Diesen Sommer trägt der Baum nun Früchte. Es lohnt sich, diese genau anzuschauen. Ausschnitt aus "Wikipedia": "Die Frucht ist von typischer, fünfeckig-sternförmiger Gestalt. Laut dem Pomologen Olivier de Serres soll sie aus der P1140687aRömerzeit stammen". 

Haben Sie Lust auf Birnen und Äpfel? Dann auf zum Aktionswochenende am 20. und 21. September auf dem Gelände der Baumschule Geiger, Amberger-Str. 68 in Hersbruck, anlässlich des Jubiläums "10 Jahre Obstsortengarten und 15 Jahre Streuobstinitiatifve Hersbrucker Alb e.V."

Entdecken Sie bei einer grossen Apfel- und Birnenausstellung die Sortenvielfalt im Nürnberger Land.

P r o g r a m m

am Samstag, 20. September

Ort: Baumschule Geiger Hersbruck

11.00 – 17.00 Uhr:  Obstsortenausstellung und Infostände

am Sonntag, 21. September

Ort: Baumschule Geiger Hersbruck

ab 11.00 Uhr

Eröffnung des Aktionstags durch Landrat Armin Kroder. Ein Tag rund um das Streuobst mit Obstprodukten vom Kuchen bis zum Edeldestillat.

11.00 – 17.00 Uhr Obstsortenausstellung

11.00 – 17.00 Uhr Obstsortenbestimmung (Äpfel und Birnen) durch den Pomologen Wolfgang Subal.    (4  – 5 Früchte pro Sorte mitbringen).

Ein reichhaltiges Informationsprogramm für die ganze Familie lädt zum Verweilen ein:

Mobile  Obstpresse – Mobile Obstdarre – Streuobstquiz -Honigverkauf – Kulinarisches aus Streuobst, Säfte, Schorlen, Apfelwein, Kaffee, Kuchen, Flammkuchen und Käse vom Biolandfhof Klischewski.

Obstsortengarten Hersbruck (der Garten befindet sich an der östlichen Verlängerung der Westpreussenstrasse)

14.00 Uhr Führung im Obstsortengarten.

14.00 und 15.00 Uhr: Kinderbetreuung mit der Biologin Anita Bitterlich (parallel zu den Führungen).

15.00 Uhr: Wildobst- und Kräuterführung im Obstsortengarten mit der bekannten    Wildkräuterexpertin und Buchautorin Gabriele Bräutigam.

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Kontakte: Ottmar Fischer,Appelsberg 1, 91224 Pommelsbrunn, Tel. 09154-8699

www.streuobstinitiative-hersbruck.de

www.1000obstbaeume.de

Streuobstwiese Hersbruck: Sie sind da, die ersten Äpfelchen am Sternapfelbaum!

von Alice Niklaus

Anfangs 2010 habe ich eine Baumpatenschaft übernommen, heute habe ich den ersten gesunden Apfel fotografiert. Der Baum heisst Api étoilé und der Apfel trägt den deutschen Namen Sternapfel. Das Sensationelle an dem Äpfelchen ist seine Form, die mit dem forschreitenden Wachstum wohl noch etwas ausgeprägter sein wird, aber heute schon entzückt. Aus Wikipedia kommt folgende Beschreibung: "Der Sternapi, Sternapfel oder Api Etoilé ist eine Apfelsorte. Die Frucht ist von typischer, fünfeckig-sternförmiger Gestalt, mittelgross bis eher klein und hat gelblichweisses, festes Fruchtfleisch. Laut dem Pomologen Olivier de Serres soll er aus der Römerzeit stammen."  P1140687
Der Apfel auf dem Foto wird sich farblich noch verändern. Ich warte nun auf die vom Pomologen vorausgesagten Farben Rot/Grün, dann wird gefeiert!

Eine andere interessante Begegnung habe ich beim Anstieg. Da liegen fein säuberlich verpackt ungezählte Plastiksäcke voller Fallobst. Wie im Märchen kommt ein Mann daher, packt einige der Säcke, bringt sie zu seinem Auto, kommt zurück, packt die nächsten und beantwortet mit Humor meine Frage nach dem warum, wozu und wohin. P1140681"Nimm mich mich" hätten die Säcke gerufen, als er vorbei ging und den Wunsch setze er in die Tat um. Ich erfahre, dass mein Gesprächspartner Jäger im anschliessenden Wald ist und sich um die Entsorgung der Säcke kümmern werde. Aha! Da ich mir überhaupt kein Bild machen kann, was da geschieht, lasse ich mir von Ottmar Fischer, Initiant der Streuobstwiese, kurz gefasst folgendes erklären: Die Plastiksäcke sind mit Fallobst gefüllt. Das Fallobst ist vom Apfelwickler befallen, wenn die Sonne scheint und die Temperatur hoch ist, setzt die biologische Schädlingsbekämpfung ein und die Maden in den Säcken überleben die Hitze nicht. Makaber, aber im Interesse einer zukünftigen gesunden Entwicklung des Obstes.

P1140682Stauden in Herbstfarben, Wiese in sattem Grün, Sonntag in der Mittagsruhe.

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Der Apis étoilé hat die Verschönerungsschnitte gut überstanden, sieht zwar nicht ganz so ausgeglichen aus wie die anderen gleichzeitig gepflanzten Bäume, aber ich finde ihn stark und eigenwillig und werde ihn jetzt aus meiner Obhut entlassen. Er wird sich zu wehren wissen.

 Klick in die Fotos!

BR-Sendung Unkraut berichtet über Cittaslow Hersbruck, Hutanger und ökologische Ernährung

Hier sind die drei Minuten Unterkrumbach:

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Moderatorin Janina Nottensteiner und herwig Danzer mit dem Hutangersteak 

Am Montag den 11. August um 19 Uhr wird die Sendung Unkraut "Ökologisch is(s)t besser" das erste Mal im Bayerischen Rundfunk ausgestrahlt werden, am Dienstag um 13:30 und am Sonntag um 6 Uhr (früh!) wiederholt. Am Samstag ist sie um 16:45 auf ARD-alpha zu sehen. (hier ist die ganze Sendung in der Mediathek anzusehen)

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Gestern hatten wir Besuch von fünf BR-Mitabeitern, von denen wir mit vier schon bei anderen Sendung zusammen gearbeitet hatten. Moderatorin Janina Nottensteiner drehte bei uns schon für La Vita (Hier zu sehen), andere kennen wir von unserer Kochsendung im Fernsehgarten der Frankenschau, dem Werbebeitrag für den Schreinerberuf oder von Aufzeichnungen unserer Kochshows. Schade, dass es beim BR immer wieder rechtliche Problemchen gibt, was die Werbung für die Sendung und die Hersbrucker Alb erschwert, aber in den Chefetagen sind noch nicht alle im digitalen Zeitalter angekommen. Denn für die digitale Videowelt ist ein "Making of – Video " des Drehs so selbstverständlich, wie der Kratzer in einer Schellackplatte. Deswegen ist diese Video also eine kleine Mogelpackung oder ein gefundener Kompromiss und hat mit dem eigentlichen Dreh wenig zu tun, dafür ist wenigstens der Honig vom Honigkörbchen vernünftig beworben.   

Redakteurin Ruth Petscharnig will nach unserer Info in ihrer Sendung "Ökologisch is(s)t besser" Zusammenhänge zwischen vernünftiger Ernährungs- und Lebensqualität, Slow Food und Cittaslow und Heimat und Handwerk darstellen, dazu hat sie auch die Hutanger der Hersbrucker Alb mit Rainer Wölfel und seinen Kühen besucht, die in unser Massivholzküche dann auch als Roastbeef und Entrecote verarbeitet wurden. Wie viel von den nicht leicht zu vermittelnden Inhalten dann in der Sendung wahrgenommen oder tranportiert werden können, kann man vorher nie so genaus sagen, es fällt einem im Nachhinein nur ein, was man alles trotz Vorbereitung nicht gesagt hat.

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Entrecote vom Hutangerochsen
 

Mit dreieinhalb Stunden Zeitaufwand (inklusive Aufessen) für dreieinhalb Minuten Sendezeit liegen wir ganz gut im Schnitt, ob es gut wurde, müssen die Zuschauer am Montag beurteilen. Für einen selbst fühlt es sich immer an, wie die Boutique, die der Papst mit Loriot in Wuppertal eröffnet. 

Das Rezept für die Hutangersteaks mit grüner Pfeffersauce ist übrigens hier nachzulesen.

Und das ist die geschnittene Version mit den Beiträgen, die die HErbsrucker Alb betreffen:

 

Das Ende der Haustiere. 10000 Jahre Hirtenkultur

StierMinoischvon Klaus Prätor

Am Dienstag 8.7. um 19 h

geht es im SlowLädla, Hersbruck, Martin-Luther-Str. 5

um die gerade in und um Hersbruck lang bestehende Hirtenkultur und ihr zu befürchtendes Ende.

Die Älteren unter uns konnten noch erlben, wie im Hersbrucker Umland der Gemeindehirte die Kühe auf den örtlichen Hutanger trieb. Das war hier länger der Fall als anderswo, aber seit den sechziger Jahren des letzten Jahrhunderts ist es Vergangenheit. Nur selten machen wir uns klar, dass damit eine Tradition ihr Ende gefunden hat, die seit Menschengedenken diese Gegend geprägt hatte und die insgesamt die Menschheit so lange begleitet hat, wie von Kultur ernsthaft die Rede sein kann.

Hirten und Hochkultur

Vor mehr als zehntausend Jahren begannen im “fruchtbaren Halbmond” in Kleinasien Menschen Feldfrüchte anzubauen und sesshaft zu werden. Etwa zur gleichen Zeit fingen sie auch an, Tiere zu zähmen und in Herden zu halten. Dörfer bildeten sich und sehr schnell auch große und sehr große Städte – und die mächtigen Reiche des Vorderen Orients. Aber beides war nicht ohne Zusammenhang. Die frühen europäischen Kulturen in Kreta und Mykene mit ihren prächtigen Palästen beruhten auf dem Reichtum ihrer Herden. Blütezeiten des Hirtenwesens und der Kultur waren dann wieder die griechische und römische Antike und später die Renaissance. Die Kuppel des Doms von Florenz wurde von der Gilde der Wollhändler finanziert. Bereits die Antike wusste viel über die Bedürfnisse, Gefährdungen und Krankheiten der Tiere – und dieses praktische Wissen tauchte in den Werken der größten Dichter auf – so bei Hesiod, Vergil und Ovid.

Von daher ist es auch nicht verwunderlich, dass sich allerorten in den Schriften wirkliche und mythische Hirten finden. Angefangen von Gilgamesch, dem Hirten von Uruk, über den Hirtenknaben, der dann der biblische König David wird, bis zu Paris, der durch sein Urteil im Schönheitsstreit dreier Göttinnen den trojanischen Krieg auslöst. Und natürlich gibt es auch Hirtengötter, so den Pan Arkadiens oder den römischen Herkules. Nicht zu vergessen, dass das Christentum sich Jesus als den guten Hirten vorstellt.

Auch hierzulande wirkte das Hirtenwesen prägend auf die Hochkultur.
Der “Pegnesische Blumenorden”, die sogenannten Pegnitzschäfer, erneuerte im 17. Jahrhundert Sprache und Dichtkunst. In ihm trafen sich im Hirtengewand würdige Personen, Nürnberger und andere Akademiker, die z.B. in Altdorf studiert hatten, auf einer Pegnitzwiese, später im Irrhain, redeten sich mit Hirtennamen an, diskutierten und verfassten Hirtengedichte. Auf der großen Friedensfeier nach dem Dreißigjährigen Krieg hielt der Präses des Ordens die Festrede und trug dabei zwei Hirtengedichte vor, die den Frieden priesen.

Komplexe Weidewirtschaft

Aber auch die Hirtenkultur selbst ist komplexer als wir sie uns vielleicht vorstellen. So wurden seit der Antike in der sogenannten Transhumanz die Tiere in jahreszeitlichem Wechsel über große Strecken, teilweise über mehrere hundert Kilometer, getrieben, um klimatisch und hinsichtlich der Nährstoffe optimale Bedingungen zu erhalten. Auch in unserer Gegend gab es bereits seit dem späten Mittelalter Wanderungen von Weidetieren über weite Strecken. So zogen Rinderherden aus Ungarn und Südpolen über Hersbruck und Nürnberg bis ins Rheinland. Die Finanzierung dieses Fernhandels durch das Nürnberger Patriziat bildete eine frühe Quelle seines Reichtums. Und der Hersbrucker Geldschatz, der unlängst im Hirtenmuseum ausgestellt war, könnte aus diesem Handel stammen.

Ein anderer prägender und nach wie vor interessanter Aspekt der Hirtenkultur war die Allmende (Hutweide, Espan etc.) , der gemeinsame Grund, auf dem die Tiere weideten und der der Gemeinschaft gehörte und von ihr gepflegt wurde. Mit der Rinderweide auf den Hutangern in den Sechzigern sind auch diese Allmenden zu einem Ende gekommen.

Fortschritt – oder nicht

Nun kann man das alles als den notwendigen Preis des Fortschritts betrachten. So wurde das auch gesehen seit (in Deutschland etwa zu Beginn des 19. Jahrhunderts) die Allmenden und die extensive Weidewirtschaft zugunsten der effektiveren intensiven Stallhaltung aufgegeben wurde. Aber heute wird diese Sichtweise nicht mehr allgemein geteilt. Wir bemerken, dass an dieser Entwicklung damals und heute nicht nur wissenschaftlicher Fortschritt, sondern auch wirtschaftliche Interessen beteiligt waren. Wir erkennen wieder die Vorteile der Weidehaltung, wo die Wiederkäuer nicht mit der Nahrung gefüttert werden, die auch Menschen zuträglich ist und die heute meist aus den Ländern des Südens eingeführt wird, und wir bezweifeln, dass die Effektivität der Massenmast- und -schlachtanlagen wirklich die Zukunft unserer Ernährung sein muss.
Aber gegenwärtig geht überall die Entwicklung noch in diese Richtung, die allenfalls noch Nutztiere und keine Haustiere mehr kennt. Überall? In einem kleinen Ort im Südosten Deutschlands werden seit einigen Jahren die Hutanger wieder mit einer alten Rinderrasse beweidet …