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Dialoggarer M-Chef – erste Erfahrungen beim Miele Kochworkshop

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Keine Berührungsängste mit dem Dialoggarer M-Chef

Wenn unser Partner Miele eine Weltneuheit ankündigt, dann wollen wir dabei sein. Wir hatten Anfang der neunziger Jahre eines der ersten Induktionskochfelder, arbeiteten schon wenig später mit Dampfgarern und Tepan Yaki und begannen im Jahr 2013 mit dem Garen im Vakuum, das man heute Sous Vide Garen nennen darf, weil die meisten den Begriff schon kennen. Das waren und sind alles Techniken, die das Kochen schneller, besser, leichter machten, oder die Lebensmittelorganisation vereinfachten.

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Markus Fröde erklärt den M-Chef sehr sympathisch

„Dialoggaren“ nennt Miele jetzt die neue Garmethode, die auf Funktechnik im Frequenzbereich zwischen 890 und 960 Megahertz beruht. Das sind elektromagnetische Wellen, die auch das Mobilfunknetz nutzt, weshalb die Backofentür den Smartphones zuliebe gigantisch abgeschirmt werden muss, denn würde deren Empfang beeinträchtigt, könnte das beim zeitsparenden Garen vom Sonntagsbraten Familien zerstören (die Mikrowelle, die wir in knapp 30 Jahren nur rund  5 mal in unsere Küchen eingebaut haben, arbeitet übrigens bei 2,45 Gigahertz und kann nicht so tief in die Lebensmittel eindringen).

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Die zwei kleinen Antennen machen den Unterschied, ansonsten wäre es ein normaler Top-Backofen mit fetter Tür

Zwei Antennen im Inneren des Dialoggarers senden nicht nur die Wellen mit ca. 250 Watt Leistung, sondern messen auch, was zurückkommt (Dialoggaren meint also den Dialog mit dem Lebensmittel, nicht mit der Köchin). Dadurch errechnet das Gerät, wie viel Energie das Lebensmittel aufgenommen hat, indem es die Differenz bildet aus investierter und übriggebliebener Energie. Die Messung findet alle 10 Sekunden statt und dauert ein paar Millisekunden. Das Gargut wird dabei nicht von außen nach innen, sondern „ganzheitlich“ erwärmt, was bei Miele liebevoll „Volumengaren“ genannt wird .

Erster Kochworkshop zum Dialoggaren
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Kochworkshop ist eigentlich das falsche Wort, wie man hier sieht

Mit unserem Kunden und Blogautor Bernd Müller machten wir uns auf ins Mielecenter nach München, um einem der ersten „Kochworkshops“ zum Dialoggaren beizuwohnen, was dank des angenehmen Kochs Markus Fröde eine echte Freude und sehr erhellend war, denn einige Formulierungen aus dem Mieleprospekt kamen mir und dem Siemens-Ingenieur im Ruhestand durchaus seltsam und missverständlich vor.

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Alles gleichzeitig auf einem Blech gegart und sogar Bernd Müller ist beeindruckt

Nach der Schulung können wir beide nicht nur die unglaublich vielen Fehler bei der Übernahme der Miele-Pressemeldungen schnell erkennen (FAZ: „Messung findet alle paar Millisekunden statt“ – nein, alle 10 Sekunden, sie dauert aber nur einige Millisekunden), sondern haben auch ein erstes Gefühl für den Einsatz entwickelt.

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„Had scho bassd“, wie der Franke sagen würde …

Markus Fröde beschrieb den Erfahrungshorizont mit dieser Technik bildlich mit einem Marathonläufer auf den ersten Zentimetern seiner Strecke und wir konnten  beruhigt erkennen, dass auch damit das Kochen eine Frage von Ausprobieren, Erfolg und Scheitern bleiben wird, denn abgesehen von einigen wenigen Erfahrungswerten der ersten Köche, die auch in die Programme eingeflossen sind, wird man wie auch bei Sous Vide garen ein Gefühl dafür entwickeln müssen.

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Auch die Jakobsmuscheln waren köstlich
Die mielsche Umbenennung des Energiemaßstabes von einem Kilojoule in ein „GourmetUnit“, was Insider natürlich schon mit 1 GU abkürzen (sprich [ge:u:], nicht [gu:], wie blöde guh auf fränkisch) , versucht die zusätzlich zu den üblichen Backofenfunktionen vorhandene Energieübertragung zu veranschaulichen. Die vielen Ingenieure unter den Gästen konnten die physikalischen, aber vor allem auch zeitlichen Faktoren nicht genug diskutieren. Und zugegeben: es ist spannend.
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Der Lachs in der Alufolie blieb roh, weil die Folie die Wellen nicht eindringen lässt

Nicht wirklich gemeinsam bereiteten wir zu

  • Jakobsmuscheln
  • rote Brötchen ungebräunt mit pulled Pork-Füllung
  • Lachs Hälfte gegart und Hälfte dank abschirmender Alufolie in roh
  • Kalsbsfilet im Schinkenmantel mit Zucchini, Tomaten, Chapignons (auf einem Blech in 30 Minuten!)
  • Himbersoufflee holländisch
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roh und gegart in einem Stück: interessant

 Alles war gelungen, besonders beim Kalbsfilet war die Zeitersparnis von mindestens zwei Stunden beeindruckend, ansonsten machen wir Soufflees natürlich im Dampfgarer, das Fleisch Sous Vide und ungebräunte Brötchen gar nicht, aber es geht im Moment ja darum, zu zeigen was die Kiste kann und das ist schon einiges, was dem Kunden allerdings auch 8000 Euro Wert sein muss.

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Auf einem Blech gleichzeitig gegart

Eine kleine Faustregel besagt, dass bei der Erhöhung der Backofentemperatur um rund 20 Grad eine Halbierung der Garzeit ermöglicht wird. Die höhere Temperatur muss nämlich die Bräunung in der kürzeren Zeit erledigen. Prinzipiell braucht man die konventionellen ebenfalls komplett eingebauten Garmethoden wie Umluft, Grill oder Unterhitze  weiterhin, die Gourmet Units muss man sich als Beschleuniger durch das „Garen im Volumen“ vorstellen.

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Das zuverlässigste  Werkzeug dafür ist sicher der Kerntemperaturfühler (der leider kabelgebunden sein muss, weil es funktechnisch wohl Verwirrung gäbe), der aber leider noch nicht mitgeliefert wurde, weshalb wir glücklich mithilfe von Markus‘ Erfahrungswerten garten.

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Soufflee macht glücklich
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wenn es vernünftig aufgeht

 Bernd Müller sieht als Zielgruppe für das Gerät berufstätige (erfolgreiche) , technikaffine  Menschen mit wenig Zeit und einer Freude an gutem und schnellen Essen.

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Angeberzeugs: in diesem Eisblock hätten wir Fisch garen können und er wäre nicht geschmolzen …

Zum Glück bleib uns die ebenso eindrucksvolle, wie alberne Vorführung des Fischgarens in einem entmineralisierten Eisblock (Kosten inkl. Transport rund 500 Euro) erspart, denn die einzig logische Erklärung auf die Frage, warum man das eigentlich machen sollte, beantwortete der Miele-Ingeneur damals mit „Weil wir es können!“ (Bei Extra3 haben die das sehr witzig so formuliert)

Unser Fazit: 

Das Experimentieren mit dem Dialoggarer M-Chef ist spannend und es war uns sehr wichtig zu erfahren, wie das Gerät tickt bzw. funkt und es war schon beeindruckend.  Denn jetzt können wir unsere Kunden kompetent beraten und jeder kann – wie auch bei der Mikrowelle (verwenden wir fast nie) oder Induktionstechnik (verwenden wir fast immer) – selbst entscheiden, wie wichtig ihm die Zeitersparnis und das Kochen vieler Gerichte gleichzeitig auf einem einzigen Blech ist.
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2 Gedanken zu „Dialoggarer M-Chef – erste Erfahrungen beim Miele Kochworkshop“

  1. Lieber herwig,

    das war wirklich ein spannender Abend gestern bei Miele in München. Dir ist es mit diesem Blogbeitrag gelungen, den Abend perfekt mit allen Fakten und unterhaltsam zusammen zu fassen. Meine Befürchtung im Vorfeld, das wird ein Kochabend „nur für Ingenieure“, ist gottseidank nicht wahr geworden. Der Koch des Abends, Markus Fröde, konnte überzeugend zeigen und uns auch beruhigen, dass bei dieser neuartigen Garmethode das Ausprobieren und die eigene Erfahrung beim Kochen wie gewohnt weiterhin einen hohen Stellenwert haben – und dass man nicht irgendwelchen Automatikprogrammen hilflos ausgeliefert ist. Keiner hat bis jetzt nennenswerte Erfahrungen mit dem Dialoggaren und es bleibt spannend, was sich daraus entwickelt und welcher Erfolg am Markt sich einstellt. Die Kochergebnisse gestern konnte sich auf alle Fälle sehen lassen. Gefallen hat mir auch das ausgesprochen fachkundige und diskussionsfreudige Publikum.

    ….und auf Dich kommt jetzt die Aufgabe zu, eine weitere Garmethode zu beraten, damit Deine Kunden hinterher auch weiterhin überzeugt sind, die richtige Wahl bei IHRER Küche getroffen zu haben.

    Herzliche Grüße

    Bernd

  2. Lieber Bernd,
    vielen Dank für Deine Einschätzung und vor allem die technische Unterstützung auf der zügigen Rückfahrt, die mir das Verständnis der Technik im Nachgang sehr erleichtert hat. Man sollte immer mal nen Ingenieur dabei haben …

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