Die gute Form 2017 gewinnen die drei Frauen, die auch Innungsbeste sind

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Der ganze Text von Marina Wildner ist zum einfacheren Lesen ganz unten angehängt

 

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Gerd Wagner erklärt die Hntergründe zum Designwettbewerb „Die gute Form“ Marina Wildner von der HZ fotografiert

Der Designwettbewerb unter den Gesellenstücken der Schreinerinnung heißt „Die gute Form“ und den haben in diesem Jahr alle drei jungen Damen des Abschlussjahrgangs gewonnen, in dem auch 9 Jungs die Prüfung bestanden haben (die 10 in der Zeitung ist leider falsch).

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Das erste Mal, dass eine Jury ihre Meinung und die Preisvergabe noch änderte

Die Jury – die herwig Danzer übrigens nur einlädt, ihr selbst aber nicht angehört  und übrigens sehen die Mitglieder auch nicht, von welchem Lehrling und welchem Betrieb die Gesellenstücke sind – hat zum ersten Mal in den von uns beobachteten 28 Jahren umentschieden und aus dem zweiten Preis von Susanne Enhuber (Ausbildungsbetrieb Thon in Holz) einen ersten gemacht.

Das ist zum einen dem peinlicherweise unentdeckt gebliebenen Geheimfach unter dem verschiebbaren obersten Korpus  geschuldet, andererseits der begrüßenswerten Tatsache, dass eine erstplatzierte Auszubildende auch am bayernweiten Wettbewerb der guten Form teilnehmen darf.

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In der Jury waren Stadtbaumeister Lothar Grimm, der wegen der Stadtratsitzungen am Dienstag Abend nie an der Freisprechung teilnehmen kann, die Grafikerin Angelika Eisenbrandt Leykauf, der Architekt Walter Reidinger aus dem Atelier 13, Berufsschullehrer Gerd Wagner und erstmals Renate Kirchhof Stahlmann.

Kirchhof Stahlmanns Eltern besaßen eine Möbelfabrik aber die freischaffende Künstlerin hat auch noch ganz viele andere Beziehungspunkte zur Gestaltung. Außerdem ist sie Mitinitiatorin des Kulturbahnhofs in Ottensoos, dessen Veranstaltung immer auch in diesem Nachhaltigkeitsblog angekündigt werden.

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Konzentriertes Arbeiten vor den Gesellenstücken …
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… und bei der Preisbesprechung

Zum ersten Mal hat die Jury zu jedem Preisträger einen anderen Laudator bestimmt, was die ganz Preisverleihung, an deren Beginn  der Berufsschullehrer Gerd Wagner den Gesamtzusammenhang schilderte, ziemlich entspannt machte.

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Angelika Eisenbrandt Leykauf vor dem Kindermöbel
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Walter Reidinger lobte die Garderobe
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Renate Kirchhof Stahlmann über das Siegersideboard

Zurück zu den jungen Frauen, die  waren gleichzeitig auch noch  die Innungsbesten, was uns mit unserer Erfahrung (wir haben laut Handwerkskammer die meisten Schreinerinnen in Bayern ausgebildet) nicht erstaunt, waren sie doch meist deutlich motivierter. In einem immernoch(?) Männerberuf eigentlich gut nachvollziehbar.  Wir gratulieren allen Auszubildenden beiderlei Geschlechts ganz herzlich zum Gesellenbrief und wünschen viel Erfolg bei den weiteren Plänen.

Excurs über die Nichtzulassung von Gesellenstücken von Betrieben, die nicht in der Innung sind

 Während andere Schreinerinnungen der Diskussion mit Kritikern dieser – vom Dachverband  vorgegebenen – Entscheidung  aus dem Weg gehen, indem Nichtinnungsbetriebe auch nicht ausstellen dürfen, ist die Schreinerinnung Nürnberger Land so offen, diese Gesellenstücke mit auszustellen  und diese Werbemöglichkeit zur Verfügung zu stellen.

Unser Auszubildender Tobias Leupold

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Auch wir hatten einen Auszubildenden am Start, dessen Gesellenstück wir ob seiner Schlichtheit und der gekonnten Holzauswahl schätzen, er brach während seiner Ausbildungszeit viele Rekorde, zum Beispiel kam er auch nach seinem bestandenen Führerschein immer mit dem Fahrrad in die Arbeit.

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Marina Wildner in der Hersbrucker Zeitung:

Holz in Frauenhand

Freisprechungsfeier der Schreinerinnung – Frauen als Sieger
HERSBRUCK (mw) –

Gleich drei „erste Male“ gab es bei der diesjährigen Freisprechungsfeier junger Schreinergesellen und Gesellinnen
in der Schalterhalle der Sparkasse in Hersbruck: Alle drei Preise der „Guten Form“ gingen an Frauen, dieselben drei Gesellinnen
wurden zu den Innungsbesten gekürt und die Jury entschied sich
im Nachhinein bei einer Platzierung nochmals um.

Von Anfang an lag eine spürbare
Spannung in der Luft: Jeder der
frischgebackenen Jungschreiner
wollte natürlich wissen, ob es das
eigene Gesellenstück zu einem
Preis der „Guten Form“ geschafft
hat. An dem von der Schreinerinnung
ausgeschriebenen Wettbewerb
nehmen die Jung-Gesellen
freiwillig teil.
Eine vierköpfige Jury bewertet
dabei die Gesellenstücke unter
anderem nach Materialästhetik,
Proportionen, Mut und Kreativität.
Nach grüßenden Worten von
Christian Pickel, Obermeister der
Schreinerinnung, Sparkassen-
Geschäftsstellenleiterin Simone
Bösch und den stellvertretenden
Schulleitern der Berufsschulen
Lauf und Nürnberg rief die Jury die
Gewinner zu sich.

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„Zu einem ersten Platz konnten
wir uns in diesem Jahr nicht ganz
durchringen“, hieß es zunächst aus
Jury-Reihen, weshalb ein zweiter
und zwei dritte Plätze gekürt wurden.
Tanja Wölfel von der Schreinerei
Wölfel in Lauf-Neunhof hatte
ein Kindermöbelstück gebaut, das
sich durch einen einfachen Handgriff
zu einem Tisch und Sitzgelegenheiten
umgestalten lässt. Der
Jury war die ungewöhnliche Idee,
die moderne Aufteilung und die
gelungene Farbkombination mit
grünem Filz einen dritten Platz
wert.

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Auch von der Garderobe von Iris
Madre (Schreinerei Pickelmann in
Henfenfeld) waren die Wertungsrichter
angetan. Sie lobten die
Kombination von schwarzem Linoleum
mit einem Echtholz Eichenfurnier
sowie die aufwendigen Ornamente
an der Front. Auch dafür
gab es einen dritten Preis.

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Das zunächst mit dem zweiten
Platz gekürte Stück von Susanne
Enhuber (Schreinerei „thron in
holz“ aus Schnaittach) bekam
schließlich doch einen ersten Preis:
Die Jury entdeckte erst durch einen
Hinweis Enhubers, dass sich
der obere Teil ihrer Lärchenholzkommode
zur Seite schieben lässt
und ein Geheimfach verbirgt. Zusammen
mit dem „das Holz ergänzenden
Linoleum“ und einem
schlichten und klassischen Aufbau
gewann Enhubers Werk
schließlich den Wettbewerb und
die Gesellin qualifiziert sich damit
automatisch für den bayernweiten
Wettbewerb in München.
Dass alle drei Preise an junge
Frauen gingen und diese gleichzeitig
die Innungsbesten wurden
(Enhuber: Note 2,1, Madre: Note 1,9
und Wölfel: Note 1,8), musste Landrat
Armin Kroder in seiner Festrede
erst einmal verarbeiten. „Dass
die Mädels die Jungs in der Schule
überholen, ist ja nichts Neues
mehr. Aber dass sie es nun auch im
Handwerk tun, daran muss ich
mich erst gewöhnen“, kommentierte
er augenzwinkernd.
Integrative Schreiner
Gleichzeitig drückte der Landrat
allen Gesellen seine Wertschätzung
aus und dankte den
Ausbildungsbetrieben für ihren
Einsatz in der Integration von
Flüchtlingen. Kroder appellierte
an die Gesellschaft, alles dafür zu
tun, dass gut arbeitende Asylbewerber
nicht einfach aus ihren
Ausbildungsverhältnissen herausgerissen
und abgeschoben
werden. Außerdem lobte er das
deutsche duale Ausbildungssystem,
das andere Länder seit Jahren
zu übernehmen versuchten.
Obermeister Christian Pickel zitierte
in seinem Vortrag den österreichischen
Dichter Ernst Ferstl: „Jedes erreichte Ziel ist ein
hervorragender Startplatz für einen
Aufbruch zu neuen Ufern.“ Das
lebenslange Lernen als wichtiger
Erfolgsfaktor zog sich auch bei den
anderen Rednern wie ein roter Faden
durch den Abend der Feier.
Nach der offiziellen Freisprechung
der drei jungen Schreinergesellinnen
und den zehn männlichen
Kollegen durch Lehrlingswart
Martin Wölfel wurde auch einem
langjährigen Schreiner eine
besondere Ehre zuteil: Dieter
Kampfer bekam für 40 Jahre Betriebszugehörigkeit
zur Laufer Schreinerei Gumann die Ehrenurkunde
und die Treuenadel in Gold
verliehen.

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