Kulinarische Lesung zum Tag des Schreiners: Ulrich Grober brachte zum Nachdenken, Diana Burkel den Genuss

dsc07012_1„Nachhaltig“ inspiriert und kulinarisch verwöhnt verließen uns unsere Gäste am sehr späten Freitag, den 4. November. Lesungen zu Nachhaltigkeitsthemen locken erfahrungsgemäß nicht die Massen an. Trotzdem  versammelten sich über 30 Gäste, um den Nachhaltigkeitspapst Ulrich Grober sehr persönlich kennen zu lernen und Texte aus seinem neuen Buch „Der leise Atem der Zukunft“ aber auch aus seinen persönlichen Schilderungen der Entstehung seiner Geschichte der Nachhaltigkeit zu hören.

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Interessanterweise berichtete danach fast jeder Besucher von anderen Besonderheiten der Lesung: viele waren von den Parallelen des Märchens „Das kalte Herz“ zur Gier in der Jetztzeit beeindruckt, andere freuten sich über die 1500 Jahre alte Holztür, durch die sich schon Karl der Große  durchzwängte (er war nämlich wirklich groß), grober01_karlstuerwebund die heute noch erhalten aber leider versteckt ist. Die umwerfende Symbolwirkung dieser handwerklichen Arbeit unserer frühzeitlichen Kollegen für den Nachhaltigkeitsbegriff  hat Grober zwar analysiert, leider fand sie trotz einer ganzen Seite in der Wochenzeitung „Die Zeit“ keinen Eingang in die Ausstellungskonzeption (in diesem Blogartikel ausführlich nachzulesen).

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Natürlich sind wir davon überzeugt, dass unsere Küchen mindestens genauso lange funktionieren werden, wir werden das die nächsten Jahrhunderte sehr aufmerksam beobachten und regelmäßig warten. Und gleichzeitig überlassen wir das Thema „Nachhaltigkeit“ nicht den Phrasendreschern aus Politik, Werbung und Demagogie, sondern verteidigen es – im Auftrag Grobers – in seiner ursprünglichen Bedeutung aus der Forstwirtschaft:

Aus dem Wald nicht mehr Holz entnehmen, als nachwächst. Ökologische Einrichtungsgegenstände herstellen, die entweder 1200 Jahre weitervererbt werden, oder frei von Schadstoffen upcycelt, recycelt,  oder auch umweltfreundlich entsorgt werden können.
Einen fairen Umgang mit Mitarbeitern, der Gesellschaft und kommenden Generationen pflegen und die Zukunft des Betriebs und der Arbeitsplätze sichern.

All diese Punkte kamen auch in der Lesung zur Sprache, wenn auch unter ganz unterschiedlichen Betrachtungswinkeln aus der Sicht des Wanderers Ulrich Grober. Weil wir von einigen Gästen, die nicht kommen konnten, darum gebeten wurden haben wir die Lesung aufgezeichnet und stellen sie hier in den drei Sequenzen zur Verfügung: „Lesung von Ulrich Grober,“ „Begrüßung und Hintergrundwissen von herwig Danzer,“ und „Erklärung der Hutanger und des Bullen Ingo von Rainer Wölfel.“

Begrüßung und Hintergründe von herwig Danzer

Ulrich Grobers Lesung in voller Länge

Rainer Wölfel über Hutanger und den Bullen Ingo

Weil die kulinarische Einrahmung der Lesung durch Diana Burkel aus dem Nürnberger Würzhaus unsere Gäste geradezu überwältigt hat, schneiden wir auch daraus ein Video nebst Rezepten, das wir in der Kochsendung „Kocheinrichtung.de“ als Nummer 8 „Kabeljau mit Variationen von der Urkarotte“ noch veröffentlichen werden.

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Spitzenköchin Diana Burkel schaffte vor Beginn der Lesung mit der Vorspeise (Kabeljau) und in der Pause mit ihren liebevoll angerichteten Geschmacksüberraschungen (Hutangerbulle) eine so angenehme Atmosphäre, dass sich unsere Gäste rundum wohl fühlten. Diese Kombination aus dem anspruchsvollem Nachhaltigkeitsthema in der Werkstatt und kulinarischen Genüssen in unserer Ausstellung  wurde durch die Erläuterungen Rainer Wölfels vom Naturschutzzentrum Wengleinpark über den genossenen Zuchtbullen Ingo und seine Geschichte zu einem ganzheitlichen Erlebnis.

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Auch wenn es einige Gäste verwunderte, überraschte und irritierte, war uns allen der Ausflug zum guten Leben und würdigen Sterben der Tiere aus der Hutangerherde sehr wichtig. Denn nur, wenn wir uns über die sehr unterschiedlichen Methoden der Massentierhaltung und dem verantwortungsvollen Umgang mit diesen natürschützenden Tieren bewusst werden, können wir mit unserer Stimme aber vor allem mit unserem Einkauf eine Umkehr des Verbraucherverhaltens herbeiführen: lieber weniger, aber wertvolles – verantwortungsvoll hergestelltes – Fleisch kaufen und auch bei allen anderen Investitionen daran denken, welchen Einfluss dieser Konsum auf die beteiligten Firmen, die Umwelt und die Gesellschaft hat.dsc00451_1

Ulrich Grober liefert mit seinen beiden Büchern „Die Entdeckung der Nachhaltigkeit“ und „Der leise Atem der Zukunft“ einen fundierten Hintergrund für ein nachhaltiges Leben und wir wünschen uns alle, dass sein Optimismus über die Entstehung nachhaltiger Werte die Zukunft sein wird. Und wir bedanken uns bei unseren Gästen fürs Kommen, fürs Mitdiskutieren, fürs  Mitgenießen.

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Die Küchen der Möbelmacher aus dem Holz der Region
Alle Videos zum Thema „kochen und Küche“ im Youtubekanal

Alle Links zum Tag des Schreiners 2016
Lesung mit Ulrich Grober
Diana Burkels Kocherichtung Nr. 8
Kochworkshop am Samstag mit Einladung zum Selbermachen
Gemeinsames Kochen am Sonntag

Alle Infos zum Tag des Schreiners 2016

Das war in der Hersbrucker Zeitung von Susanne Baderschneider zu lesen:

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Zufriedenheit ist eine hohe Kunst
Nachhaltigkeitsspezialist Ulrich Grober stellte sein neues Buch bei den „Möbelmachern“ in Unterkrumbach vor

UNTERKRUMBACH – Für „Die Möbelmacher“ in Unterkrumbach ist das Thema Nachhaltigkeit schon von Berufs wegen eine Notwendigkeit. Deswegen lud Geschäftsführer Herwig Danzer zum Auftakt der Aktionstage zum „Tag des Schreiners“ den Autor Ulrich Grober ein, vor Kunden und interessierten Gästen sein aktuelles Buch „Der leise Atem der Zukunft“ vorzustellen.

Der ganze Abend stand im Zeichen der Nachhaltigkeit.  Als Rahmen und um eine lockere und kommunikative Atmosphäre zu schaffen, zauberte Spitzenköchin Diana Burkel in der Showküche ein Menü aus nachhaltig hergestellten und angebauten Zutaten aus der Region. Auch Rainer Wölfel vom Naturschutzzentrum Wengleinpark trug zum Thema bei und stellte das Projekt „Hutanger“ vor. Passend dazu war der Hauptgang des Menüs an diesem Abend: Das Fleisch stammte von Bulle „Ingo“ aus der Hutanger-Herde. Die Lesung selbst fand in der nach Holz duftenden Werkstatt der Möbelmacher statt. Grobers Buch „Die Entdeckung der Nachhaltigkeit“ gilt inzwischen als Standardwerk zu diesem Thema, und sowohl Begriff als auch Inhalte sind in den vergangenen Jahren nicht nur in das Bewusstsein derer gerückt, die die Stärken und Vorteile des Konzeptes erkennen und nutzen. Der Begriff wird inzwischen schon fast inflationär von Politikern und Werbeschaffenden verwendet. Plötzlich ist alles „nachhaltig“.

Der Gastgeber des Abends, herwig Danzer, lehnt es strikt ab, den Begriff kampflos den Populisten zu überlassen und knüpft ganz bewusst Kompetenz und Verantwortlichkeit an die Nachhaltigkeit auch — oder ganz besonders — im täglichen Leben. Zum Thema, so Autor Ulrich Grober, sei er nach der Geburt seiner Tochter gekommen. Bewusster leben, sich ernähren, konsumieren, Rücksicht auf die Umwelt und die nachfolgenden Generationen nehmen — all das sei gar nicht so schwer. Die Voraussetzung dafür sei eine gewisse Zufriedenheit,eine Bereitschaft das zu genießen, was zur Verfügung steht.  In seinem neuen Buch beschreibt Grober eine Wanderung
im Schwarzwald, in der Landschaft,in der Wilhelm Hauffs Märchen „Das kalte Herz“ spielt. Darin geht es um den Köhler Peter
Munk, der sich nichts sehnlicher wünscht als Geld und Ansehen, was seiner Zunft damals verwehrt war.

Reich, aber ohne Gefühle

Er wendet sich an das „Glasmännlein“, einen Waldgeist, das ihm drei Wünsche gewährt, von denen Peter zwei sogleich aus Gier
und Dummheit verschleudert. Ein zweiter Waldgeist, der „Holländermichel“, verhilft ihm wieder zu Reichtum, wofür Peter ihm aber sein Herz verpfänden muss, das durch einen Stein ersetzt wird. Ausgestattet mit allem erdenklichen Reichtum, aber ohne Gefühle,
diesen zu genießen oder gerecht zu nutzen, richtet er sich und seine Familie zugrunde und wird letztendlich nur durch den dritten
verbliebenen Wunsch vom Glasmännlein gerettet.

Ohne moralisieren zu wollen, ist dieses Gleichnis für Grober eine Aufforderung, verantwortlich mit den Ressourcen dieser Welt umzugehen und sie nicht aus reiner Gier auf dem Altar grenzenlosen Wirtschaftswachstums zu opfern. Der Abend lieferte reichlich
Denkanstöße dafür, die eigene Lebensweise einmal kritisch zu überdenken und zu prüfen, ob der Preis, den man für gedankenlosen Konsum zahlt, nicht doch höher ist als der Nutzen, den man daraus zieht.

SUSANNE BADERSCHNEIDER

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