Warum mich das von Denis Scheck empfohlene Dschungelbuch beschäftigte

Meine Frau ist durchaus gewöhnt, dass ich während unserer Lieblingssendung „Druckfrisch“ sonntags Nacht während der von Regisseur Andy Ammer einfühlsam ausgewählten Pausenmusik nebst tollen Bildern eine „Bitte besorgen“-Bitte einfließen lasse, die unseren Buchhändler Martin Lösch stets erfreut.  Diesmal erntete ich maßloses Staunen und „wirklich?“, denn ich wünschte mir  das „Dschungelbuch“ von Rudyard Kipling, weil es Denis (der während der 18. Unterkrumbacher Werkstatt-Tage wieder bei uns zu Gast sein wird – so war es 2013) seinen Zuschauern ans Herz legte. Die Begründung war sehr überzeugend und ist hier nachzuhören:

Als Kind besaß ich eine Dschungelbuch Langspielplatte – die wir auf die Schnelle leider nicht gefunden haben, aber vielleicht reiche ich sie ja nach erfolgreicher Wiederentdeckung nach – die ich viele Winter später – also heute noch komplett mitsprechen kann. Denis betont, dass Kipling eben kein Kinderbuchautor sei, sondern ein komplettes Genie (laut Henry James), das als jüngster Nobelpreisträger (1907 war er 42 Jahre alt) den größten angloamerikanischen Wortschatz seit Shakespeare verwendete. Mit meinen Sätzen, Liedern und Disney-Bildern im Kopf wollte ich mich der Gefahr stellen, dass einem einst geliebte Geschichten nach wenigen Seiten langweilen und man sich wirklich nicht erklären kann, was man damals so toll daran gefunden hat.

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Aber es kam anders: ich war vom Buch auch als Nichtmehrkind begeistert, denn es barg noch so viele Facetten der vermeintlich bekannten Rahmenhandlung, dass ich es trotz anderer wichtiger Aufgaben in zwei Nächten durch hatte.  Die Schlange Kaa war nicht einfach böse sondern gescheit, viel- und weitsichtig, Balu nicht so treudoof und der alte King Lui („ich bin der König im Affenstaat, der größte Klettermax!“) war nicht lustig, sondern gefährlich für das Dschungelvolk. Die Neugier war geweckt,  jetzt wollte ich noch wissen, ob die neue Übersetzung von Andreas Nohl einen Einfluss darauf haben könnte und mehr über den Autor erfahren.

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Glücklicherweise birgt unser Bücherregal alle Werke der Nobelpreisträger aus dem Coron Verlag nebst Begleittexten.  Während aktuelle Kipling-Kritiker den Autor als Imperialisten verunglimpfen, erklärt Dr. Gunnar Ahlström, dass er wie Charles Dickens eine „lebhafte Sympathie für die niederen Gesellschaftsklassen empfindet“ und „wie er hat er Sinn für jenen Humor, der in frivolen Denken und Handeln liegt“.  Er zeichne sich weniger durch die Tiefe seiner Gedanken aus, als durch die überragende Weisheit seiner Betrachtungen. Kippling hätte zur Annäherung zwischen Indien und England sehr viel mehr beigetragen, als der Durchbruch des Suezkanals.

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Der direkte (Stichproben-)Vergleich mit der Ausgabe der Originalübersetzung von C. Abel-Musgrave und Bernd Hauptmann  mit der gerade herausgekommenen Arbeit von Andreas Nohl zeigt die zeitgenössische Übersetzung wenig überraschend angenehmer zu lesen, weniger theatralisch und einfühlsamer, aber vermutlich hätte mich die Originalausgabe auch begeistert, ich wäre nur ohne Denis Scheck nie darauf gekommen, sie (vor dem Ruhestand) zu lesen.

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Denis Scheck liest am 11.Juni 2016 zusammen mit Eva Gritzmann aus deren Buch „Solons Vermächtnis – vom richtigen Zeitpunkt im Leben.“ Im Vorfeld planen wir einen gemeinsamen Kochworkshop, bei dem man zusammen mit Denis Scheck und dem Sous Vide Papst Hubertus Tzschirner das Abendessen zubereiten darf. Hier ist die ganze Geschichte.

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