Skizzieren

Warum wir das Buch „Skizzieren“ von Ingo Klöcker als wichtige Streitschrift für Bleistift und Papier unterstützen

Skizzieren Mein verehrter Zeichenlehrer Walter Plank wird gerne bestätigen, dass ich zu Schulzeiten frei jedes Zeichen- und vor allem Maltalents war. Die Tatsache, dass unsere Küchen und Möbel seit über 25 Jahren via Freihandzeichnungen gemeinsam mit den Kunden geplant und verkauft werden (erst danach entstehen die Fertigungszeichnungen), bestätigt Klöckers Thesen, dass Skizzieren keine Frage des Talents, sondern des Wollens, des Wissens und des Übens sind und dass sie sich als ebenso einfache wie wertvolle Werkzeuge der Visualisierung bewähren.

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Erste Gedanken zum Schlafzimmer von Familie Heckel
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So sieht es in echt aus …

Ingo Klöcker fordert in seinem Buch „Skizzen“ nicht zuletzt mit der Unterstützung von Kazuhiko Miadera, Vice President bei Toyota Motor, eine Stärkung und Verbreitung dieses zeichnerischen Handwerks. Miadera teilte seinen Mitarbeitern (das sind immerhin 338 875 Menschen) 2011  mit, dass bei Meetings zum Thema Technik, Design und Marketing nur noch Teilnehmer erwünscht seien, die skizzieren können. Denn das würde laut interner Forschung bis zu 80 Prozent weniger Zeit kosten.  Auch bei unseren Küchenplanungen finden wir zusammen mit unseren Kunden meist schon beim ersten Termin die beste von allen Varianten heraus.

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Beim ersten Gespräch entstehen die Skribbles, manchmal ist die fertige Küche damit schon exakt abgebildet

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In seinem Buch – oder sollte man es besser Streitschrift für das Skizzieren nennen  – kritisiert Klöcker an vielen Stellen, dass das Lehren dieser einfachen Darstellungstechniken in unserem Bildungssystem – anders als zum Beispiel in Japan – aus Unkenntnis der Vorteile völlig vernachlässigt würde. Klöckers Studenten könnten nur via Eigeninitiative diese Fähigkeiten erwerben, der Dekan der Universität – er scheint Klöckers Lieblingsfeind zu sein – sieht dazu nämlich keinen Anlass, aus ihm ist ohne Skizzierfähigkeiten, „ja auch was geworden“.

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Klöcker in seinem Element: der Mann, der an der Ulmer Hochschule für Gestaltung auch bei Otl Aicher studierte, engagiert sich  beim Schreinernachwuchs für das gute, schöne, wahre Design
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Skribble nennen wir unsere Zeichnungen, weil sie auf die ganz schnelle Art zeigen, was der Kunde bekommt

Professor und Künstler Klöcker  – Jahrgang 1938 – ist vielen als Referent der Jury bei der Preisverleihung des Schreiner-Gestaltungswettbewerbs  „Die gute Form“ im Schreinerhandwerk und dabei als engagierter Streiter für Wahrheit im Design, die reine Lehre der Gestaltung aber auch angemessene Kleidung  bekannt, beliebt, aber auch kritisiert. In seinem lesens- und anwendenswerten Buch „Skizzieren“ beschreibt er die Techniken des Skizzierens, aber vor allem auch die Gründe, warum es Sinn macht, sich damit zu beschäftigen – und wenn es nur ein gewisser Respekt ist, den man gegenüber Zeichnern  zeugt.

Zeichnen und Photographie

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Laura Danzer an der Fachkamera

Zeichnen und Fotografieren hängt sehr eng zusammen, ist die Zeichnung ja der Versuch, die Realität entsprechend dem menschlichen Auge oder eben der Kameralinse nachzubilden. In einem Abschnitt über Vogel- und Froschperspektive geht es um die stürzenden Linien, die im Auge und in der Kamera stürzen, wenn man an einem Wolkenratzer hochsieht, vom Michelsberg nach Hersbruck runter, oder aus 200 cm Höhe auf die Küchenarbeitsplatte.  In der Architektur- oder Möbelfotografie vermeidet, bzw. korrigiert man (evtl. nicht vollständig sondern nur leicht) diese schiefen Linien  mit der Fachkamera (das Foto von 1994 zeigt, wie kinderleicht die zu bedienen war), oder dem Shift-Tilt-Objektiv, das wir uns für den damaligen Umstieg auf das digitale Fotografieren (EOS 5D) leisteten und uns damit ganz viel Photoshoparbeit ersparten.

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Prof. Ingo Klöcker in unserer Ausstellung mit einem unter unserer Mitwirkung entstandenem Kunstwerk

Wir können dieses Buch aus eigener Erfahrung nur empfehlen, denn die Möbelmacher leben zu einem wichtigen – aber leider nicht messbaren Teil – von den Handzeichungsfähigkeiten ihrer Berater Mathias Deinhard und herwig Danzer. Auch der Humor kommt darin nicht zu kurz:

„Kreativität ist die Beantwortung der Frage: Wie kommt das Rasen-Betreten-Verboten-Schild auf den Rasen?“

Prof. Klöcker hält übrigens auch spannende Seminare zu diesem Thema, kontaktieren Sie ihn über seine Homepage  oder sagen Sie uns bei Interesse Bescheid, dann könnten wir ja mal eines in Unterkrumbach  organisieren.

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 Ingo Klöcker: SKIZZIEREN IN TECHNIK, DESIGN, ARCHITEKTUR UND KUNST PERSPEKTIVISCH RICHTIG UND EINFACH ZU LERNEN
Sachbuch
Eigenverlag, 2012
DIN A4, 182 Seiten,
– Paperback schwarz-weiß, € 36,00 (inkl. MwSt.)
– Hardcover durchgängig farbig, € 49,90 (inkl. MwSt.)
Vom Autor direkt zu beziehen

Es ist das Begleitbuch zum Seminar „Skizzieren und Freihandzeichnen technischer Objekte“, ist aber auch bestens zum Nacharbeiten und Selbststudium geeignet.

Dazu ist Band 2 erschienen: SKIZZIEREN SUPPLEMENT, eine Beispielsammlung als Ergänzung für das Lehrbuch. Identischer Preis. Nur als Paperback verfügbar.

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Klöckers Plädoyer für Massivholz bei der Guten Form 2015 im Video

Alle Artikel im Nachhaltigkeitsblog über den Designwettbewerb „Die gute Form“

2 Gedanken zu „Warum wir das Buch „Skizzieren“ von Ingo Klöcker als wichtige Streitschrift für Bleistift und Papier unterstützen“

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